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Kreis will grünes Licht für Stadtbahn

Das Landratsamt hat einen Vorschlag entwickelt, mit dem der Kreistag und anschließend die beteiligten Kommunen grünes Licht für die Stadtbahn geben sollen. Die Vorlage sieht unter anderem Lösungen für einen Anschluss nach Kornwestheim und einen Kompromiss bei den Kosten für das Schnellbussystem BRT vor.

Der vorgesehene Streckenverlauf der Niederflurstadtbahn mit seinen Ästen, die die Stadtteile Oßweil und Schlösslesfeld zusätzlich anschließen. Grafik: Landratsamt Ludwigsburg
Der vorgesehene Streckenverlauf der Niederflurstadtbahn mit seinen Ästen, die die Stadtteile Oßweil und Schlösslesfeld zusätzlich anschließen. Foto: Landratsamt Ludwigsburg

Kreis Ludwigsburg. Zwei Seiten lang ist der Beschlussvorschlag zur Stadtbahn, der unserer Zeitung vorliegt und über den der Ausschuss für Umwelt und Technik am 14. Januar entscheiden soll. „Das ist rekordverdächtig“, kommentiert Landrat Dr. Rainer Haas. Er sieht darin den entscheidenden Schritt, um endgültig einen Haken unter die Diskussion um die Niederflurbahn zu machen. Die Vorlage soll so etwas wie eine Blaupause sein für die Entscheidungen zunächst im Kreistag (25. Januar) und dann anschließend in den beteiligten Kommunen.

„Wir müssen die nächsten Schritte des Stadtbahnkonzeptes zeitnah angehen, um unseren Kandidatenstatus nicht zu verlieren.“

Rainer Haas
Landrat

Die Stadt Ludwigsburg hat schon für morgen eine Gemeinderatssitzung angesetzt, in der über das weitere Vorgehen der Kommune gesprochen werden soll. Inwieweit der Beschlussvorschlag des Kreises eine Rolle spielt, ist offen. Klar ist aber für Landrat Haas: „Die nächsten Schritte zur Umsetzung des Stadtbahnkonzeptes müssen zeitnah angegangen werden, um unseren Kandidatenstatus nicht zu verlieren“. Damit spielt er auf die Förderung durch den Bund für das Projekt an.

Im Folgenden dokumentieren wir die wichtigsten Punkte des Beschlussvorschlags zur Stadtbahn.

Finanzierung: Die Kosten des gesamten Projektes belaufen sich nach derzeitigem Stand auf 216 Millionen Euro. Hinzu kommen 32 Millionen Euro Planungskosten. Der Kreis wird, so die Gremien zustimmen, davon – wie bei der Strohgäubahn – 50 Prozent übernehmen. Die Ausschreibung soll mit Hilfe des Verkehrswissenschaftlichen Instituts Stuttgart erfolgen.

Planung: Sie soll in drei Abschnitten erfolgen.

Reaktivierung der Strecke nach Markgröningen: Zunächst soll der noch existierende Gleiskörper auf der Strecke zwischen Ludwigsburg und Markgröningen so schnell wie möglich wieder in Betrieb genommen und bis zur Fertigstellung der Stadtbahn mit einem Zwei-System-Fahrzeug befahren werden. Dies kann nach den vorliegenden Gutachten bis zum Jahr 2025 erfolgen.

Erweiterung um Schwieberdingen und Kornwestheim: Parallel dazu wird mit dem Ziel der Realisierung geprüft, ob die Strecke vom Bahnhof Ludwigsburg bis zu W.&.W in Kornwestheim und nach Schwieberdingen zur Firma Bosch verlängert und diese Maßnahmen in die Förderung einbezogen werden können. Das Verkehrsministerium hat dem Landratsamt eine positive Begleitung in Aussicht gestellt. Intraplan München soll hierfür eine Machbarkeitsstudie und eine standardisierte Bewertung für die Einbindung der Gemeinde Schwieberdingen erarbeiten.

Anbindung Kornwestheim: Es soll eine Machbarkeitsstudie geprüft werden. In einem ersten Schritt ist zu klären, ob entsprechende Trassenkapazitäten zwischen Ludwigsburg Bahnhof und Kornwestheim zur Verfügung stehen. Der Kreis will auch wissen, ob die Bahn der Nutzung der DB-Gleise und der Einrichtung eines zusätzlichen Haltepunktes W.&.W zustimmt. Da ein Haltepunkt nur auf der Westseite des Gleises möglich ist (ansonsten müssten alle Gleise gequert werden), und sich der W.&.W-Campus auf der Ostseite der Schienen befindet, müsste noch eine Brücke über die DB-Gleise errichtet werden. Sollte man zu einem positiven Urteil kommen, müsste die standardisierte Bewertung entsprechend ergänzt werden.

Verbindung von Aldingen nach Pattonville: Parallel soll die SSB von Remseck-Aldingen nach Pattonville bis zur Erich-Bracher-Schule geführt werden.

Ludwigsburg: Als dritter Abschnitt sollen die Streckenabschnitte zwischen Bahnhof Ludwigsburg und Pattonville sowie Bahnhof Ludwigsburg und Schlösslesfeld/Oßweil geplant werden.

BRT-System: Der Landkreis unterstützt den Wunsch der Stadt Ludwigsburg zur Einführung von BRT-Bussen soweit sie nicht in Konkurrenz zur Stadtbahn treten und deren Förderfähigkeit beeinträchtigen. Eine endgültige Entscheidung über die finanzielle Beteiligung könne jedoch erst getroffen werden, wenn die Stadt eine konkrete Planung vorgelegt hat, wie die Busse beschleunigt werden und welche Kosten dafür anfallen sollen.

Betriebs- und Anschaffungskosten: Der Kreis erklärt sich grundsätzlich bereit, die Hälfte der Betriebs- und Investitionskosten für die Busse zu tragen.

Infrastrukturkosten: Gleichzeitig soll eine Lösung gefunden werden, wie sich der Kreis auch an den Kosten für die Infrastruktur beteiligen kann, also der Busführung und den notwendigen Trassen. Die Stadt fordert, dass der Kreis die Hälfte davon übernimmt. Haas will dafür aber einen Beschluss des Kreistages.

Zur Vorbereitung der Entscheidung benötige der Kreis weitere Informationen zu den Trassen, vor allem wo eigene, vom Straßenverkehr unabhängige Trassen geplant sind. Haas fordert ein Betriebskonzept und eine nachvollziehbare Kostenschätzung, sowohl für den Betrieb als auch für die Investitionen. „Erst dann können die Gremien abschließend über eine Kostenbeteiligung beraten.“

Bahnhofsumfeld Ludwigsburg: Die Stadt hat sich eine detaillierte Planung für das Bahnhofsumfeld gewünscht. Dies sei Voraussetzung, damit die Stadt ihr Vorkaufsrecht für notwendige Grundstücke in dem Gebiet wahren könne. In der Vorlage wird darauf verwiesen, dass in der Machbarkeitsstudie schon nachgewiesen wurde, dass hier Trassen verlegt werden könnten. Alles Weitere würde die Detailplanung ergeben. Allerdings bietet der Kreis an, die Stadt hier schon frühzeitig zu unterstützen.

Wie am Ende die Entscheidung ausfällt, werden die kommenden Wochen zeigen. Sollte der Gemeinderat nicht zustimmen, dann will der Kreis zumindest die Verbindung nach Markgröningen und die Strecke zwischen Remseck und Pattonville vorantreiben.

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