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Corona

Krise trifft den Tourismus schwer

Die Coronakrise hat den heimischen Tourismus schwer getroffen. Im ersten Halbjahr 2021 ist die Zahl der Übernachtungen gegenüber dem Jahr zuvor nochmals gesunken. Während der Phase des Lockdowns konnten Beherbergungsbetriebe lediglich Geschäftsleute bei sich aufnehmen.

Blick über den See auf Hohenhaslach. Die Zahl der Urlauber in der Region ist im ersten Halbjahr 2021 zurückgegangen. Archivfotos: Wolschendorf/privat
Blick über den See auf Hohenhaslach. Die Zahl der Urlauber in der Region ist im ersten Halbjahr 2021 zurückgegangen. Foto: Wolschendorf/privat
In den hiesigen Weinbergen ließ es sich auch im Lockdown schön wandern.
In den hiesigen Weinbergen ließ es sich auch im Lockdown schön wandern.

Kreis Ludwigsburg. Daten für das laufende Jahr habe sie noch nicht, sagt Melissa Kube von der Stadtverwaltung Marbach. Die Vermieter von Ferienwohnungen, mit denen die Tourismusgemeinschaft Marbach-Bottwartal in den vergangenen Wochen Kontakt hatte, seien aber froh darüber, während des Lockdowns Geschäftsleute als Mieter gehabt zu haben, die oft mehrere Wochen blieben. „Die Ferienwohnungen waren somit gut belegt“, so Kube. Aktuell werde die Auslastung als ordentlich bewertet. 2020, also im ersten Coronajahr, zeigen die Auswertungen des Statistischen Landesamtes allerdings einen deutlichen Rückgang der Gästezahlen. In diese Statistik fließen allerdings nur Betriebe mit mehr als zehn Betten ein. In Marbach sind fünf Beherbergungsbetriebe mit insgesamt gut 170 Betten erfasst. Im Jahr 2019 wurden dort insgesamt 23784 Übernachtungen verzeichnet und die Auslastung lag bei 38,5 Prozent. 2020 gab es nur 10733 Übernachtungen, was einer Auslastung von gerade einmal 19,7 Prozent entsprach. In Oberstenfeld sank diese Zahl von 27,1 auf zwölf Prozent, in Steinheim von 23,8 auf 15.

„Im ersten Halbjahr 2021 sind weniger Gäste gekommen, die dafür länger geblieben sind.“

Christina Lennhof
Geschäftsführerin des Tourismusverbands Kraichgau-Stromberg

Auch der Verein Remstal-Tourismus, dem auch die Stadt Remseck angehört, verfügt noch nicht über aktuelle Zahlen. Man erhalte täglich Nachfragen nach Ferienwohnungen, allerdings seien diese auch schon vor Corona sehr beliebt gewesen, hieß es auf Nachfrage. Gerade Rad- und Wandertouren sind momentan und waren auch während des Lockdowns sehr gefragt. Viele Weingüter aus dem Remstal hätten während Corona Wein-Wander-Pakete mit einer Flasche Wein, einem Vesper und einem Wandervorschlag angeboten, teilt der Verein mit. Diese Angebote seien auch sehr gut von den Gästen angenommen worden. Dem Bericht des Statistischen Landesamtes ist zu entnehmen, dass auch im Rems-Murr-Kreis die Auslastung der Beherbergungsbetriebe von 2019 auf 2020 deutlich gesunken ist. In Remseck stellten fünf Betriebe 153 Betten zur Verfügung. Die Zahl der Übernachtungen sank im Vergleich von 2019 zu 2020 von 6528 auf 4023, die Auslastung damit von 36,4 auf 26,6 Prozent. Waiblingen verbuchte einen Rückgang von 30,9 auf 18,9 Prozent. In Weinstadt sank die Zahl von 25,5 auf 10,8 Prozent, in Kernen von 39,2 auf 21,7 Prozent.

Auch im Bereich des Kraichgau-Stromberg-Tourismusverbands sind die Übernachtungszahlen im ersten Halbjahr 2021 im Vergleich zu 2020 zurückgegangen, wie Geschäftsführerin Christina Lennhof auf Anfrage unserer Zeitung mitteilt. Insgesamt 233923 Übernachtungen von Januar bis Juni 2020 standen 202492 Übernachtungen in diesem Jahr entgegen. Dabei sind laut Lennhof zwei Aspekte besonders interessant: So sank die Zahl der Ankünfte von 74389 (2020) deutlich auf 42652. Und: Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer stieg von 3,4 auf 5 Tage. 2019 lag sie noch bei 2,5 Tagen.

„Im ersten Halbjahr 2021 sind also weniger Gäste gekommen, die dafür länger geblieben sind“, interpretiert Christina Lennhof die Zahlen. Dabei handelte es sich allerdings weniger um Touristen (Lennhof: „Die sind völlig weggebrochen“) als um Geschäftsleute, die für die längere Aufenthaltsdauer gesorgt haben. Die Gründe für das Ausbleiben der touristischen Gäste seien mannigfaltig. Insbesondere der lange Lockdown habe es dem Tourismus schwer gemacht. „Außerdem war ja auch das Wetter nicht so toll – das spielt durchaus eine Rolle“, sagt Christina Lennhof.

Im Juli und August sei die Auslastung deutlich besser gewesen, wurde ihr von Thorsten Gemmrig vom Naturparkhotel und Landgasthof Stromberg im Sachsenheimer Stadtteil Ochsenbach berichtet. Der Anteil an Privatreisenden sei dort mittlerweile wesentlich höher als der an Geschäftsreisenden. Die Gäste würden aus Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Rheinland Pfalz sowie aus dem Rheinland kommen. Ein Problem sieht Gemmrig darin, dass ungeimpfte Gäste einen Test vorlegen müssen. Das sei im ländlichen Raum schwierig, da es dort nur wenige Teststationen gebe. Er habe Verständnis dafür, es Impfskeptikern unbequem zu machen. Das Problem werde aber auf dem Rücken der Gastronomen ausgetragen, erst recht, wenn ab Oktober die Tests gebührenpflichtig sind.

Auch im 3B-Land (Bönnigheim, Besigheim und Bietigheim-Bissingen) war das erste Halbjahr 2021 geprägt durch das Beherbergungsverbot für Touristen, das erst mit Beginn der Pfingstferien Ende Mai gelockert wurde. 2020 setzte das Beherbergungsverbot Mitte März ein. „Das führt dazu, dass das erste Quartal 2020 deutlich besser war als der Vergleichszeitraum 2021“, teilt Anette Hochmuth, Leiterin des Presseamts der Stadt Bietigheim-Bissingen, mit. Im zweiten Quartal 2021 hätten die Übernachtungen leicht zugelegt. Da touristische Übernachtungen verboten waren, sei der Zuwachs vorwiegend dem Geschäftsreisesegment zuzurechnen. „Wir hatten im ersten Halbjahr 18810 Übernachtungen und 5830 Ankünfte“, so Anette Hochmuth. Im Vorjahr seien es im gleichen Zeitraum 29082 Übernachtungen und 11029 Ankünfte gewesen. Der Rückgang betrage rund 37 Prozent.

Der Tagestourismus habe sich im 3B-Land am schnellsten erholt und für gute Nachfrage bei Gastronomie, Freizeit- und Kultureinrichtungen sowie hoher Frequenz auf Rad- und Wanderwegen gesorgt. Bleibt es bei diesen Bedingungen, werden laut Anette Hochmuth bis in den Spätsommer und Herbst noch einige Gäste die Region besuchen. Auch Gruppenreisen würden jetzt wieder beginnen, nachdem sie im ersten Halbjahr völlig zum Erliegen gekommen seien.

„Bei den internationalen Gästen wird es länger dauern, wieder annähernd die gewohnt hohen Anteile in der Region zu erzielen“, so Anette Hochmuth. Vor allem werde sich der Business-Tourismus, der im 3B-Land und der gesamten Region Stuttgart einen Anteil von etwa 70 Prozent eingenommen habe, voraussichtlich spürbar verändern. Es werde davon ausgegangen, dass die Reiseintensität im Bereich der Geschäftsbeziehungen aufgrund der Digitalisierung und den sich hieraus ergebenden technischen Möglichkeiten zurückgeht und sich dauerhaft auf ein schwächeres Niveau als vor Corona einpendelt.

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