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Hauptversammlung

Kurs enttäuscht W&W-Aktionäre

Börsennotierung unter den Erwartungen – Dividende von 65 Cent beschlossen – Verjüngung des Aufsichtsrates abgelehnt

Der Vorstand von Wüstenrot & Württembergische musste sich einigen kritischen Fragen stellen: Michael Gutjahr, Jens Wieland, Jürgen Steffan und Vorsitzender Jürgen Junker (von links).Foto: Holm Wolschendorf
Der Vorstand von Wüstenrot & Württembergische musste sich einigen kritischen Fragen stellen: Michael Gutjahr, Jens Wieland, Jürgen Steffan und Vorsitzender Jürgen Junker (von links). Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Mit der Geschäftsentwicklung „ihres Unternehmens“ sind die Aktionäre von Wüstenrot & Württembergische (W&W) durchaus zufrieden, mit der Entwicklung des Aktienkurses indes nicht. Das wurde aus mehreren Wortmeldungen von Aktionärsvertretern und kritischen Einzelaktionären gestern bei der Hauptversammlung des Konzerns im Ludwigsburger Forum am Schlosspark deutlich.

Der Stuttgarter Rechtsanwalt Moritz Weber, der die Belegschaftsaktionäre und die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) vertrat, forderte eine höhere Dividende, um die W&W-Aktie für Kapitalanleger attraktiver zu machen. Beschlossen wurde gestern eine Vergütung von 0,65 Euro pro Anteilschein. Damit blieb die Dividende auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr.

Einzelaktionär Matthias Gaebler, der auf vielen Hauptversammlungen als kritischer Fragesteller auftritt, erinnerte daran, dass die W&W-Aktie im Lauf des vergangenen Jahres von 25 auf zeitweise 15 Euro abgerutscht sei. Und vor 20 Jahren habe der Kurs noch bei über 40 Euro gelegen. Wer die Papiere als Altersvorsorge gekauft und langfristig angelegt habe, müsse nun deutliche Verluste verkraften. Gestern Abend lag das Wertpapier bei 18,66 Euro.

Die hohe Dividendenrendite von knapp über vier Prozent, auf die W&W-Vorstandschef Jürgen Junker in seiner Rede verwiesen hatte, hält Gaebler für nicht relevant. „Mir wäre ein höherer Aktienkurs lieber als eine hohe Dividendenrendite“, sagte er. Um den Kurs nach oben zu bringen, müsse der Vorstand „Gas geben“.

Der hält die Papiere des Finanzdienstleistungskonzerns ebenfalls für unterbewertet, wie Finanzchef Michael Gutjahr erklärte. Die Möglichkeiten, über höhere Dividenden auf den Kurs Einfluss zu nehmen, sieht er aber als begrenzt an. W&W könne seine Gewinnausschüttung nicht wesentlich erhöhen, weil der Konzern sein Wachstum und seine Investitionen weitgehend aus eigenen Mitteln finanzieren müsse.

Nicht infrage gestellt wurde die wirtschaftliche Entwicklung und strategische Ausrichtung des Bauspar- und Versicherungskonzerns. Der kommt bei seinem Aufbruch ins digitale Zeitalter gut voran, wie Vorstandschef Junker betonte. Und die insgesamt positive Entwicklung spiegele sich auch in den Geschäftszahlen für 2018 wider. So habe der Konzernüberschuss mit 215 Millionen Euro klar über der Mindest-Zielmarke von 200 Millionen Euro gelegen, so Junker. Dass er auch deutlich niedriger lag als 2017, begründete der Vorstandschef mit der Umstellung des Rechnungslegungsstandards und den hohen Investitionen im vergangenen Jahr.

Optimistisch ist die W&W-Führungsriege auch für das laufende Jahr. Nachdem das erste Quartal sehr gut gelaufen sei, erwarte man, dass der Jahresüberschuss nahe an 250 Millionen Euro liegen werde, kündigte Junker an.

Vom kommenden Monat an wird das bislang dreiköpfige Spitzengremium des Konzerns um einen weiteren Vorstand verstärkt. Jürgen Steffan (57), bisher Finanzvorstand der Bausparkasse Wüstenrot und Generalbevollmächtigter der gesamten W&W-Gruppe, wird dann das neue Vorstandsressort Controlling, Compliance und Konzernrisikomanagement übernehmen.

Zu keiner Neubesetzung kam es im Aufsichtsrat, obwohl sich mehrere Aktionäre und Aktionärsvertreter für eine Verjüngung stark gemacht hatten. Sie legten dem Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Dietmar Sauer (77), Reiner Hageman (71) und Hans-Ulrich Schulz (75) nahe, bei der turnusmäßig anstehenden Wahl nicht noch einmal zu kandidieren. Sauer verwies darauf, dass er zwar nicht an seinem Posten klebe, aber von der Wüstenrotstiftung gebeten worden sei, weiterzumachen. Diese hält rund zwei Drittel der W&W-Aktien.

Durchsetzen konnten sich die Kritiker nicht. Der ganze Aufsichtsrat wurde in seinem Amt bestätigt. Und die drei „Methusaleme“, wie sie Gaebler nannte, bekamen zwischen 95 und 98 Prozent der Stimmen.

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