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Studie

Kurze Wege führen zur Musikschule

Wo es viele Musikschulen gibt und die Wege dorthin kurz sind, melden sich auch viele Menschen zum Unterricht an. Laut einer Studie „Wege zur Musik“ des Deutschen Musikinformationszentrums ist die Nähe zur Lernstätte ausschlaggebend für deren Erfolg und Beliebtheit. Das bestätigt auch ein Blick auf Musikschulen im Landkreis Ludwigsburg.

Die Violine ist bei Schülern der Musikschulen sehr beliebt. Die Musikschuldichte in Baden-Württemberg und Landkreis Ludwigsburg sorgt dort für einen guten Zulauf. Archivfoto: Carsten Rehder/dpa
Die Violine ist bei Schülern der Musikschulen sehr beliebt. Die Musikschuldichte in Baden-Württemberg und Landkreis Ludwigsburg sorgt dort für einen guten Zulauf. Archivfoto: Carsten Rehder/dpa

Kreis Ludwigsburg. Anhand eines Bundesländervergleichs zeigt die Studie auf, wie weit Musikschulen durchschnittlich auseinanderliegen und wie hoch der Schüleranteil in verschiedenen Altersgruppen ist. Dabei kommt Baden-Württemberg mit seinen 214 öffentlichen Musikschulen besonders gut weg. Drei Kilometer beträgt hier der durchschnittliche Abstand zwischen zwei Unterrichtsstätten – laut der Studie der geringste aller Flächenländer. Lediglich in den Stadtstaaten Berlin und Hamburg fällt die Musikschuldichte noch höher aus. Der Bundesdurchschnitt beträgt 4,7 Kilometer.

Und die kurzen Wege sind spürbar: Laut der Studie kann Baden-Württemberg mit dem bundesweit höchsten Musikschüleranteil bei den Kindern unter fünf Jahren (9,8 Prozent), den 10- bis 14-Jährigen (16,2 Prozent) und den 15- bis 18-Jährigen (7,3 Prozent) glänzen. Bei den Kindern im Grundschulalter von sechs bis neun Jahren belegt das Land mit 23 Prozent nach Hamburg (24,2 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (23,4 Prozent) ebenfalls einen Spitzenplatz. Ein Blick auf den Landkreis Ludwigsburg zeigt: 26 Prozent der knapp 20000 Musikschüler sind bis zu sechs Jahre alt. Jeweils 36 Prozent macht der Anteil der 7- bis 10-Jährigen sowie der 11- bis 15-Jährigen aus.

Genau 2867 Kinder und Jugendliche waren zum 1. Februar dieses Jahres an der Jugendmusikschule Ludwigsburg angemeldet. Dabei ist dort die Altersgruppe der Sechs- bis Neunjährigen mit 40 Prozent besonders stark vertreten. Laut der Leiterin Christiane Schützer werden die Musikschüler aktuell von 75 Lehrkräften unterrichtet. Besonders beliebt sind Klavier, Gitarre und Violine. Vor der Coronapandemie haben sich die Schülerzahlen beachtlich entwickelt und stiegen von 1709 im März 2011 um fast das Doppelte auf 3305 Schüler im März 2020 an. Die klassischen Instrumental-, Vokal- und Elementarunterrichte finden zentral in den Räumen der Jugendmusikschule im Kunstzentrum Karlskaserne statt. „Die Anfahrtswege hängen in diesem Fall vom Wohnort ab“, sagt Christiane Schützer. Die elementaren Einstiegsunterrichte in den Ludwigsburger Musikimpulsen sowie den instrumentalen und vokalen Grundkursen finden in Kooperation mit den Kindergärten und Grundschulen statt. „In den Kooperationen erreicht die Jugendmusikschule mit aktuell 1600 Schülern mehr als die Hälfte der Belegungen im wohnortnahen Umfeld“, bestätigt Schützer die Studienaussage. Vor Corona im März 2020 seien es 1900 Schüler gewesen.

Knapp 1000 Schüler werden in der Jugendmusikschule Mosaik Freiberg/Pleidelsheim von 25 Lehrkräften unterrichtet. Dabei ist die Altersgruppe von sechs bis 14 Jahren besonders stark vertreten. Die beliebtesten Instrumente sind Klavier, Schlagzeug und Gitarre. Auch Jens Müller, Leiter der Einrichtung, kann die Ergebnisse der Studie nur bestätigen und berichtet, dass in seiner Einrichtung für die räumliche Nähe zu den Musikschülern auch einiges getan werde. Die Jugendmusikschule sei auf allen Ebenen in Freiberg und Pleidelsheim sehr stark vernetzt. Dies beginne in den Kindertagesstätten und setze sich über die Grund- und weiterführenden Schulen fort. „Dieser Service vor Ort – kurze Beine, kurze Wege – erfreut sich einer großen Beliebtheit bei den Eltern. Somit deckt sich unser Eindruck mit der Studie“, sagt Müller. Zu Beginn der Lockdown-Phasen seien allerdings plötzlich keine Räume vor Ort mehr zur Verfügung gestanden. Die aktuelle Coronaverordnung gebe den Musikschulen mittlerweile ausreichend Möglichkeit, Unterricht und Ensemblearbeit durchzuführen.

Von den 860 Personen, die in der Städtischen Musikschule Markgröningen von 18 Lehrkräften unterrichtet werden, sind gut 18 Prozent erwachsen. Die Altersgruppe, die am stärksten vertreten ist, ist der Elementarbereich mit 213 Schülern bis neun Jahre. Klavier, Gitarre und Schlagzeug stehen in der Schäferlaufstadt ganz hoch im Kurs. Die Erfahrung von Musikschulleiterin Franziska Nowak-Frank deckt sich mit den Ergebnissen der Studie. Bei den Wegen gehe es sicherlich nicht nur um die Kilometer, sondern auch um weitere Kriterien wie ungefährliche Wege, Parkmöglichkeiten sowie Nähe zu Kindergärten und Schulen.

„Wir sorgen in Besigheim, Walheim und Gemmrigheim auch mit kooperierenden Vereinen für kurze Wege“, sagt Roland Haug, Leiter der Musikschule Besigheim. Zur Beliebtheit der Musikschule trage allerdings auch das gemeinsame Spielen bei. „Wir wollen die Schüler dahin führen, in der Gruppe zu spielen, gemeinsam ein Programm zu erarbeiten und dann aufzutreten“, sagt Haug. Um so wichtiger seien auf diesem Weg beispielsweise Bläserklassen und Gitarrengruppen. Ein Engagement, das belohnt wird, denn vor Corona sind die Schülerzahlen in der Musikschule Besigheim stetig nach oben gegangen. Im Moment werden dort 762 Personen jeglichen Alters von 25 Lehrern unterrichtet. 28 der Musikschüler sind im Erwachsenenalter. Etwa 60 Prozent der Schüler sind bis 16 Jahre alt. Die Beliebtheit der Instrumente deckt sich mit Freiberg und Markgröningen und wird in Besigheim durch das Saxofon und die Querflöte ergänzt.

Ein ähnliches Bild ergibt sich in der Jugendmusikschule Remseck, wo neben Klavier und Gitarre auch Blockflöte und Violine gerne gespielt werden. 38 Lehrkräfte kümmern sich dort um die rund 800 Musikschüler. Kinder unter sechs Jahren sind die größte Altersgruppe. Laut Aussage von Leiterin Melanie Petcu sind die Schülerzahlen von 2009 an stetig gestiegen – bis zum Beginn der Coronapandemie 2020. Kundenorientierung und damit auch eine gute Erreichbarkeit ist Melanie Petcu ganz besonders wichtig. Da die Jugendmusikschule dezentral organisiert ist und in sechs Stadtteilen Angebote unterbreitet, existiert in Remseck auch kein eigenes Musikschulgebäude. „Daher ist es zwingend notwendig, die Wege für Eltern und Schüler so kurz wie möglich zu halten und in allen Stadtteilen ein möglichst breites Angebot zu haben“, sagt die Leiterin der Jugendmusikschule.

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