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Landesstraße
L 1115 bei Großbottwar: Anwohner beklagen Lärmschutz in der Warteschleife

Während des Treffens in der Wagrainstraße fahren auf der L 1115 bei Großbottwar viele Lkws vorbei und erschweren das Gespräch. Foto: Ramona Theiss
Während des Treffens in der Wagrainstraße fahren auf der L 1115 bei Großbottwar viele Lkws vorbei und erschweren das Gespräch. Foto: Ramona Theiss
Die beiden Landtagsabgeordneten Tayfun Tok (Grüne) und Tobias Vogt (CDU) haben sich in Großbottwar mit lärmgeplagten Anwohnern der L 1115 getroffen. Der Stadt sind die Hände gebunden – und das Regierungspräsidium sieht bislang keinen Handlungsbedarf. Teil des Problems ist der unklare Status des Autobahnzubringers, der irgendwann zur Bundesstraße werden könnte.

Großbottwar. „Warum wähle ich, wenn hinterher immer das Regierungspräsidium entscheidet, ohne vom Schreibtisch aufzustehen?“, macht der Großbottwarer Werner Wetjen bei einem Ortstermin zum Lärmschutz seinem Ärger Luft. Er wohnt in der Harzbergstraße und damit in Sicht- sowie vor allem in Hörweite der Landesstraße L 1115, die im Südwesten von Großbottwar direkt am Stadtrand verläuft. Sie verbindet den Großraum Backnang mit der Autobahn A 81. „Es vergehen keine 30 Sekunden, in denen nicht mehrere Lkws vorbeikommen“, so der Anwohner.

Der Termin gibt ihm recht: In der Dreiviertelstunde, in der sich die beiden Landtagsabgeordneten Tayfun Tok (Grüne) und Tobias Vogt (CDU), der Großbottwarer Bürgermeister Ralf Zimmermann und weitere Vertreter der Stadt sowie des Gemeinderats mit den Anwohnern über ihre Sorgen und mögliche Verbesserungen des Lärmschutzes unterhalten, ist ein Gespräch über mehrere Meter hinweg in normaler Lautstärke oft nur schwer möglich. Doch laut Werner Wetjen ist 15 Uhr noch eine recht ruhige Phase des Tages. Eine nasse Fahrbahn verstärke den Lärm zusätzlich. In dieser Jahreszeit wächst zudem das Laub der Bäume und Sträucher zwischen Straße und Häusern.

Im Lärmaktionsplan fordert die Stadt erneut Maßnahmen für die L 1115

Da es sich um eine Landesstraße handelt, sind der Stadt Großbottwar beim Lärmschutz größtenteils die Hände gebunden. Die übergeordneten Behörden sind bislang recht taub für das Anliegen der Anwohner. Daher nun der Ortstermin. Doch auch die beiden Abgeordneten wollen nicht gleich Versprechungen machen, sondern erst einmal die Sachlage verstehen. In der Fortschreibung des Lärmaktionsplans fordert die Stadt erneut Maßnahmen für die L 1115: eine Reduzierung des Tempos auf 60 Stundenkilometer tags und nachts entlang der kompletten Bebauung, den Einbau eines lärmoptimierten Asphalts sowie den Lückenschluss der Lärmschutzwand und eine Verbesserung der bestehenden Wände und Wälle.

„Woran scheitert das Ganze?“, wollte Tayfun Tok wissen. Ein Grund ist, dass die Werte, die Lärmaktionsplänen zugrunde liegen, nicht gemessen, sondern berechnet werden. Diese Dezibelzahlen ergeben laut Hauptamtsleiterin Mona Trinkner keine ausreichende Betroffenheit dieser Anwohner, um die Forderungen durchzusetzen: „Eine klassische Aussage von Regierungspräsidium und Landratsamt ist, dass sich eine Maßnahme nicht aufdrängt.“ Letzteres wäre für eine Temporeduzierung zuständig. Die reine Lautstärke ist für die Anwohner aber weniger das Problem als die dauerhafte Belastung. „Es ist unerträglich. Wenn ich das Geld hätte, würde ich mein Haus verkaufen und wegziehen“, sagt etwa eine Großbottwarerin, die an der Ampelanlage beim Storchenkreisel wohnt.

Bereits 2011 waren Politiker vor Ort, aber seither ist wenig passiert

Laut dem Bürgermeister ist künftig mit einer weiteren Zunahme des Schwerlastverkehrs zu rechnen. Seit Jahren ist zudem im Gespräch, die Landesstraße zur Bundesstraße aufzustufen und auszubauen. „Das Umbenennen der Straße löst gar kein Problem“, so Ralf Zimmermann. Es schafft laut SPD-Stadträtin Angelika Maier sogar eher ein neues: „Weil die Straße immer in der Schwebe ist, wird auch nichts gemacht.“ Die letzten Pläne seien in Stuttgart einfach in der Schublade verschwunden. Werner Wetjen stört zudem, dass bei der nun erneut aufgenommenen Ausbauplanung zwar eine Verkehrsprognose bis 2040 erstellt wird, aber eine Lärmkartierung aus dem Jahr 2017 herangezogen werden soll. Das geht aus einer E-Mail-Antwort des Regierungspräsidiums vom vergangenen Sommer hervor, die unserer Redaktion vorliegt.

„Wir können es total nachvollziehen“, zeigt Tobias Vogt Verständnis. Doch das Regierungspräsidium sei ein Verwaltungsapparat, in den nicht jeder Abgeordnete mit Wünschen kommen könne. Ein erster Schritt ist nun aber gemacht, man will im Gespräch bleiben. Der Termin war nicht der erste seiner Art. Bereits 2011 hatten sich der damalige Grünen-Landtagsabgeordnete Daniel Renkonen und Staatssekretärin Gisela Splett nach Großbottwar begeben. Die Lärmschutzbeauftragte der Regierung ließ danach Maßnahmen prüfen, eineinhalb Jahre später wurden drei Häusern Lärmschutzfenster finanziert. Außerdem sollten Lärmschutz und Ausbau der Straße getrennt werden.