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Verkehr

Lärm- und Schadstoffmessung in Kirchheim: Große Hoffnung in kleines Gerät

Der viele Verkehr im Ort stinkt ihnen schon lange: Jetzt lässt die Bürgerinitiative „B 27 raus aus Kirchheim“ mit finanzieller Unterstützung Schadstoffe an der Bundesstraße messen. Ein Messgerät wurde nun an der Kreuzung Schillerplatz installiert.

Dort oben hängt das Messgerät: Bürgermeister Uwe Seibold sowie Andreas Munz und Rolf Riecker von der Bürgerinitiative (von links) stehen an der Kreuzung Schillerplatz.
Dort oben hängt das Messgerät: Bürgermeister Uwe Seibold sowie Andreas Munz und Rolf Riecker von der Bürgerinitiative (von links) stehen an der Kreuzung Schillerplatz.
Mit Plakaten an der Bundesstraße machen die Kirchheimer ihrem Ärger Luft: Sie fordern seit Jahren eine Umgehungsstraße, doch bisher vergebens.Fotos: Alfred Drossel
Mit Plakaten an der Bundesstraße machen die Kirchheimer ihrem Ärger Luft: Sie fordern seit Jahren eine Umgehungsstraße, doch bisher vergebens. Foto: Alfred Drossel

Kirchheim. Die Bürgerinitiative will belegbare Zahlen und Fakten zur Verkehrsbelastung und hat jetzt zusammen mit der Gemeinde Kirchheim und der Firma Bosch eine Messanlage an der Bundesstraße 27 eingerichtet, die sowohl die Schadstoff- wie auch die Lärmbelästigung aufzeichnen soll. Der Vorsitzende der Bürgerinitiative, Rolf Riecker, erwartet belastbare Zahlen, um gegen die Emissionsquellen vorgehen zu können.

Für Kirchheims Bürgermeister Uwe Seibold ist die Aktion ein „verzweifelter Baustein, um die Behörden aufmerksam zu machen“. Bisher habe es für Kirchheim nur einen Kanzleitrost gegeben. Dabei sei die Gemeinde eine der wenigen im Land, die von einer Bundesstraße durchschnitten würde. Im Bundesverkehrswegeplan ist zwar eine Umgehungsstraße für Kirchheim vorgesehen, diese hat aber keinerlei Priorität. Die Bürgerinitiative habe festgestellt, dass die von der Landesanstalt für Umwelt 2019 vorgenommenen Messungen an der Bundesstraße, auf die mit einer Tempo-30-Zone bereits reagiert wurde, nur punktuelle und kurzzeitige Ergebnisse erbracht hätten, sagt Rolf Riecker. Jetzt sollen an drei Stellen im Ort Stickoxid- und Ozonwerte sowie die Feinstaubbelastung gemessen werden. Los geht es damit an der Schillerkreuzung, gemessen wird anschließend auch an der Kurve Richtung Lauffen sowie am Ortseingang aus Richtung Lauffen kommend.

Außerdem zählt ein zweites Gerät in einem Feldversuch gleichzeitig den vorbeifließenden Verkehr, wie Thomas Schmid von Bosch erklärt. So soll es auch für diesen Bereich aktuelle Daten geben. Das Gerät kann dabei nicht nur die Gesamtzahl an Fahrzeugen und deren Fahrtrichtung erfassen, sondern auch zwischen Schwerlastverkehr und Individualverkehr unterscheiden. „Die Messergebnisse stellen wertvolle Mehrinformationen für die Verkehrsanalyse dar“, betont Thomas Schmid. Alle Daten seien in Echtzeit im Internet in einer Cloud verfügbar und könnten abgerufen sowie gespeichert werden. Die Kosten von rund 5000 Euro übernimmt die Gemeinde für ein Jahr. So lange sind die Messgeräte gemietet. In wenigen Wochen würden dann erste aktuelle Daten über die Luftschadstoffe, die Partikelbelastung sowie die Belastung mit Stickstoff, Kohlenmonoxid, Schwefel und der Ozonwert an der B27 vorliegen, sagt Andreas Munz von der Bürgerinitiative. Und Rolf Riecker ergänzt: „Das Ergebnis wird zeigen, ob an der B27 auch gegen die Schadstoffimmissionen kurzfristig etwas unternommen werden muss, wie etwa veränderte Ampelschaltungen und eine Änderung der Lage der Fußgängerüberwege.“ Die Bürgerinitiative will die ermittelten Werte regelmäßig veröffentlichen.

Bisherige Zählungen haben ergeben, dass auf der Bundesstraße täglich rund 20000 Fahrzeuge, darunter 1600 Lastwagen, unterwegs sind (wir berichteten). Bürgermeister Seibold teilt mit, dass über die Schillerplatzkreuzung sogar bis zu 25000 Autos täglich fahren. Der Schultes beobachtet mit Sorge einen stärkeren Stauausweichverkehr durch den Ort.

Nach Auffassung der Bürgerinitiative sei die Lärmbelästigung so groß, dass jegliche Grenzwerte tags und nachts überschritten würden und sogar Gesundheitsschäden bei Bürgern feststellbar seien. Rolf Riecker unterstreicht, dass Kirchheim dringend eine Umgehungsstraße brauche, die den Verkehr um die Gemeinde herumführt. Der Druck auf die handelnden Personen müsse erhöht werden.

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