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Corona

Lage in Kreiskliniken entspannt sich

Zahl der Covid-Patienten zeigt nach unten, trotzdem fordert Krankenhaus-Chef Jörg Martin einen Lockdown bis Ende Februar

Intensivstation im Ludwigsburger Klinikum: „Wir sind froh, dass sich die Situation wieder normalisiert“, sagt der ärztliche Direktor Götz Geldner. Foto: RKH/p
Intensivstation im Ludwigsburger Klinikum: „Wir sind froh, dass sich die Situation wieder normalisiert“, sagt der ärztliche Direktor Götz Geldner. Foto: RKH/p

Kreis Ludwigsburg. Am Freitagmittag nimmt der Ludwigsburger Kliniken-Chef Jörg Martin einen großen Schluck Kaffee aus einer Tasse, auf der das Motto seiner Lieblingsband Die Toten Hosen steht: „Bis zum bitteren Ende“. Kurz vor Weihnachten schlug der habilitierte Anästhesist Alarm. „Wir sind an der absoluten Kapazitätsgrenze angelangt.“ Mittlerweile registriert der Kopf der Regionalen Kliniken-Holding RKH, zu der die Häuser im Kreis Ludwigsburg sowie Enz und Karlsruhe gehören, allerdings eine „gewisse Entspannung“.

Wie viele Covid-Patienten werden derzeit in den Kliniken der Holding behandelt?

Keine 150 mehr. So viele waren es vor Weihnachten nach Angaben der RKH allein in den Häusern in Ludwigsburg und Bietigheim. Damals ermittelten die Krankenhausmanager mit 231 Patienten holdingweit den vorläufigen Höhepunkt. Das Problem mit den aktuellen Zahlen beschreibt Martin so: „Sie fallen nicht mehr so gravierend ab.“

Wie ist die Lage auf den Intensivstationen?

Auch hier scheint sich die Situation zu normalisieren. „Wir sind aus dem Krisenmodus heraus“, sagt der Ludwigsburger Intensivmediziner Götz Geldner. Die RKH hatte die Zahl der Betten während der Krise deutlich aufgestockt. Mittlerweile stehen ihr mehr als 100 auf Überwachungs- und Intensivstationen zur Verfügung. Covid-Patienten machen in der Intensivmedizin einen Anteil von knapp 25 Prozent aus. Es waren schon mal 40 Prozent.

Außerdem wurden Kollegen aus anderen Abteilungen angefordert, was dazu führte, dass Stationen in Ludwigsburg geschlossen wurden und es noch sind. Geldner hofft, dass die Leistungsfähigkeit in seinem Haus jetzt wieder auf 80 Prozent gesteigert werden kann.

Um alle Covid-Patienten zu versorgen, zogen die Krankenhausmanager auch Mitarbeiter aus der Orthopädischen Klinik in Markgröningen ab. Der Kliniken-Chef Martin: „Wir konnten in Markgröningen deshalb nicht so viel operieren, wie wir wollten.“ Das sei auch betriebswirtschaftlich schmerzhaft gewesen.

Als Erfolg bewertet Geldner das Cluster-Konzept, das in Baden-Württemberg umgesetzt worden ist. Kern des Vorhabens ist ein gemeinsames Bettenmanagement an sechs Standorten im Land. „Dadurch gab es keine Versorgungseinschränkungen“, so Geldner. Insgesamt seien bis zu 250 Covid-Patienten im Südwesten verlegt worden. „Auch diese Zahl geht jetzt stark zurück“, sagt der Intensivmediziner.

Wie geht es dem Personal?

„Ein relevanter Anteil ist an Covid erkrankt“, sagt Geldner, auch wenn die RKH ihrem Personal zweimal in der Woche Coronatests anbietet. In Ludwigsburg geht eine mobile Einheit von Station zu Station. Außerdem sollen die Pflegekräfte nicht mit Bussen und Bahnen zum Dienst fahren. Dafür investiert die Klinikenleitung in Taxis. „Unsere Mitarbeiter an der Front sind müde“, räumt Martin ein, „aber sie sind nach wie vor hoch motiviert.“

Von der Politik fordert er finanzielle Unterstützung und einen neuen Coronaschutzschirm für Krankenhäuser.

Welche Regelungen gelten für Besucher?

Sie müssen wie andere Externe FFP2-Masken tragen und einen negativen Coronatest vorweisen. So wollte es die Politik. Mittlerweile besteht der Gesetzgeber aber wohl nur noch auf einer der beiden Vorgaben. Die RKH bleibt dennoch weiter bei FFP2-Masken und negativem Test. „Wir setzen auf ein höheres Sicherheitslevel“, sagt Stefan Weiß, der Leiter des Krisenstabs.

Welche Rolle spielt die mutierte Variante aus Großbritannien?

Derzeit offenbar keine allzu große. Im Kreis ist sie laut der Mikrobiologin und ärztlichen Direktorin Sabine Gfrörer bislang nur bei einem Menschen nachgewiesen worden, der beruflich im Ausland war. „Wir haben aber keine verlässlichen Zahlen“, sagt sie. Ab kommender Woche sollen positive Proben in Speziallabors auf mutierte Viren untersucht werden. Deutschland sei auf diesem Gebiet nicht vorne mit dabei. Gfrörer: „Vieles spricht aber dafür, dass die Mutante bei uns noch nicht so verbreitet ist, sonst hätten wir einen sprunghaften Anstieg der Zahlen wie in England oder Irland erleben müssen.“

Wie geht es jetzt weiter?

Der Klinken-Chef Martin ist überzeugt, dass der Lockdown „bis Ende Februar“ dauern müsse. Besser hätte er es gefunden, wenn Deutschland schon im Oktober heruntergefahren hätte. Außerdem hält er eine Inzidenz von zehn bis 20 für erstrebenswert. „Wenn wir einmal bei 50 sein sollten, ist noch nicht alles gut.“

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