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Sommerserie

Lamm in Steinheim - Lothar Späth und die Küche

In einer großen Serie stellen wir die schönsten und traditionsreichsten Gasthäuser im Kreis Ludwigsburg vor. Von Adler in Asperg bis Ratsstüble in Besigheim. Oft dazu: das Lieblingsrezept aus der Küche zum nachkochen und genießen.

Das ganze Gebäude in der Marktstraße in Steinheim steht unter Denkmalschutz – auch die bleiverglasten Fenster in der Gaststube.Fotos: Holm Wolschendorf
Das ganze Gebäude in der Marktstraße in Steinheim steht unter Denkmalschutz – auch die bleiverglasten Fenster in der Gaststube. Foto: Holm Wolschendorf

Steinheim. Mit mehr als 400 Jahren ist das Lamm wahrscheinlich das älteste Haus in Steinheim, Caspar Lempp aus Affalterbach war der erste Lammwirt, der sich die Konzession gegen den Willen der bestehenden Wirte von der Krone und vom Adler erstritt. Heute betreiben Ute und Bernd Ritzmann das Traditionslokal.

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Lamm in Steinheim

Von außen ist das Fachwerkhaus ein historisches Schmuckstück, innen wurde allerdings mehrmals umgebaut. Die bunten Scheiben sind bleiverglast und sollten möglichst nie kaputt gehen. „Es gibt sie kaum noch, eine Scheibe kostet Hunderte Euro“, weiß Ute Ritzmann. Dabei stammen die Fenster erst aus den 60er Jahren. Das Fachwerk des ersten Baus enthielt wohl noch fränkische Elemente, es brannte aber beim großen Stadtbrand 1643 ab. Danach wurden die Gebäude in der Marktstraße mit einfachem Fachwerk wieder errichtet. Im 19. Jahrhundert wechselte fast alle zehn Jahre der Besitzer, Metzger und Bäcker waren darunter. Karl Kässer schließlich erwarb das Lamm am 22. Juli 1921 und führte es bis 1965. Dann kauften es Friedrich Fischer und sein Schwiegersohn Hans Ritzmann. Sie sanierten es fast eineinhalb Jahre von Grund auf. „Die Räume waren sehr klein, die Böden 40 Zentimeter höher als heute“, erinnert sich Bernd Ritzmann. Sein Opa war Metzger, über den Krieg verschlug es ihn nach Pforzheim, wo er ebenfalls eine Gaststätte betrieb. Da auch sein Vater Metzger war, wurde in den Anfangszeiten auch an der Theke Wurst verkauft. Opa, Vater und Mutter kochten. Es gab Schnitzel, Jägerschnitzel und viel gemischten Braten, erinnert sich Ute Ritzmann. „Heute kann man mit Schweinebraten nicht mehr punkten, die Leute sind anspruchsvoller geworden“, weiß sie. Heute gibt es gutbürgerliche bis gehobene Küche – von der Kalbsleber über die Dorade zur Thai-Curry-Suppe. Das Lokal brummte, damals war die Stuhlindustrie noch groß in Steinheim, in zwei Schichten wurden bis zu 100 Mittagessen gekocht. Obwohl er sich mehr für Autos und Motorsport interessierte, absolvierte Bernd Ritzmann eine Lehre zum Koch im Adler in Asperg. Eigentlich wollte er danach noch eine Weile ins Ausland, doch wegen eines Bandscheibenvorfalls seines Vaters wurde er gleich nach der Lehre im Lamm gebraucht, da war er 20 Jahre alt. Vielleicht war dies Schicksal, denn so lernte er seine Frau Ute kennen. Diese war bereits als Kind immer sonntags mit ihren Eltern ins Lamm zum Essen gekommen. Und als die Ritzmanns für den Bürgerkeller, den sie als Kellerlokal eröffneten, eine Bedienung suchten, bewarb sie sich für den Nebenjob und verliebte sich. „Meine Familie hat mich gewarnt, da müsse ich die ganze Zeit schaffen, aber die Liebe war stärker“, erzählt sie lächelnd. Also half das junge Paar nebenher in der Gaststätte mit und betrieb außerdem den Kiosk im Freibad Wellarium. Ende 2003 übernahmen die beiden das Lokal und renovierten Wirtschaft und Hotelzimmer. Als Letztes folgte der Anbau mit Terrasse. Obwohl es wegen Corona schwierig geworden sei, bereuen es beide auch nach 17 Jahren nicht. Bernd Ritzmann ist noch heute stolz darauf, dass Ministerpräsident Lothar Späth immer erst einen Abstecher in die Küche machte, bevor er zu den CDU-Treffen im großen Saal ging.

Info: Hier finden Sie alle weiteren Teile unserer Sommerserie zu Traditionsgasthäusern im Kreis Ludwigsburg.

Rezept: Kürbissuppe

Zutaten:

1kg Muskat- oder Hokkaidokürbis

1 weiße Zwiebel

3 Kartoffeln

1,5 Liter Gemüsebrühe

2-3 TL Madras-Curry- pulver

etwas Chiliöl

400ml Sahne

Salz, Pfeffer, Muskat

Zubereitung:

Zwiebel in Würfel schneiden, in Rapsöl andünsten, den gewürfelten Kürbis und die geschnittenen Kartoffeln zugeben und mit dem Currypulver bestreuen. Das Ganze mehrmals umrühren und mit der Gemüsebrühe auffüllen und circa 30 Minuten köcheln lassen. Dann flüssige Sahne zugeben und mit den Pürierstab mixen. Nochmals aufkochen lassen und mit Salz, Pfeffer, Muskatnuss und etwas Chiliöl abschmecken. Sollte die Suppe etwas zu dick sein, mit Gemüsebrühe verdünnen. Wir reichen dazu in Kräuterbutter gebratene Garnelen und Ciabattabrot.

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