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Bürokratie

Landwirt kämpft um seinen Hofverkauf in Erligheim

Sechs Jahrzehnte hat die Familie Umbach ihre regionalen Erzeugnisse in Erligheim verkauft. Doch nun droht das Angebot unter die Räder der Bürokratie zu kommen.

Kann nur noch dieses Jahr an gewohnter Stelle bleiben: der Hofverkauf der Familie Umbach in der Löchgauer Straße. Archivfoto: Holm Wolschendorf/LKZ
Kann nur noch dieses Jahr an gewohnter Stelle bleiben: der Hofverkauf der Familie Umbach in der Löchgauer Straße. Archivfoto: Holm Wolschendorf/LKZ

Erligheim. Seit gut 60 Jahren betreibt Klaus Umbachs Familie einen Hofverkauf in Erligheim. Zentral in der Ortsmitte gelegen gibt es direkt am Gehöft, Löchgauer Straße3, von Frühjahr bis Herbst saisonale Früchte sowie Kräuter im Topf und Gemüsesetzlinge. Und das wolle man auch künftig frisch vom Feld in Erligheim anbieten, sagt Klaus Umbach, wenn auch an einem anderen Standort. Denn das Areal Große Scheune/Grüner Baum soll im Rahmen des Programms zur Ortskernsanierung umgestaltet werden. Für die kleine Gemeinde Erligheim ist es ein Mammutprojekt, das sie dort mit der Unterstützung eines Investors umsetzen möchte. Seine Familie wolle dem Vorhaben der Kommune nicht im Weg stehen. Deswegen und auch altersbedingt hätten seine Cousine und ihr Mann den landwirtschaftlichen Familienbetrieb vor einem Jahr aufgegeben, berichtet Umbach. Er möchte den Verkauf eigener Erzeugnisse in Erligheim fortführen – und zwar auf einem unbebauten Grundstück hinter der örtlichen Bäckerei. Mit den Eigentümern sei man sich einig. So weit, so gut. Aber weil Umbach saisonal eine Zeltkonstruktion als Verkaufsstand errichten möchte, braucht es hierfür eine Baugenehmigung. Und damit schlägt nun die Bürokratie zu.

Problem: Grundstück liegt im Wohngebiet

Formal spricht nämlich alles dagegen, dass Umbach auf dem Grundstück einen Selbsterzeugerverkauf betreibt. Denn es liege in einem allgemeinen Wohngebiet, erläuterte die Bauamtsleiterin Johanna Zeller im Gemeinderat die Problematik: „Es sind nur nicht-störende Handwerksbetriebe sowie Läden, die der Versorgung des Gebiets dienen, zulässig.“ Beides treffe auf Umbachs Stand allerdings nicht zu, wie man in Rücksprache mit der Baurechtsbehörde am Landratsamt Ludwigsburg erfahren habe. „Daher muss der Bauantrag abgelehnt werden.“

Bebauungsplan müsste geändert werden

Damit will sich das Erligheimer Ortsparlament nicht abfinden. Geschlossen stimmten die Gemeinderäte gegen den Beschlussantrag, das Einvernehmen für den Bauantrag zu versagen. Er würde es sehr bedauern, wenn Umbachs ihren Verkauf im Ort nicht weiter betreiben könnten, bezog Joachim Obert, Fraktionsvorsitzender der Freien Erligheimer Wählergemeinschaft, Stellung: „Das wäre ein großer Verlust für Erligheim.“ Bürgermeister Rainer Schäuffele teilte Oberts Meinung, enthielt sich aber der späteren Abstimmung. Die Situation am neuen Standort wäre besser als am bisherigen, sagte er. Auf dem Grundstück sind für den Verkauf nämlich auch Parkplätze vorgesehen. Doch falls man dem Bauantrag zustimme, werde das Ludwigsburger Landratsamt diesen Beschluss wegen des geltenden Bebauungsplans voraussichtlich einkassieren, meinte der Bürgermeister. Wolle man also den Hofverkauf in Erligheim erhalten, so gehe dies wohl nur mit einem geänderten Bebauungsplan. Zeit, hierfür zu sorgen, hätte der Gemeinderat. Denn für dieses Jahr können Umbachs am bisherigen Standort noch bleiben.

In Erligheim deutlich höherer Umsatz

Klaus Umbach ist froh, dass ihm die Gemeinde noch für dieses Jahr „Asyl gewährt“, wie er es bezeichnet. Denn obwohl er in Heilbronn aufgewachsen ist und dort nun in zweiter Generation die Gärtnerei seines Vaters, einem gebürtigen Erligheimer, fortführt, sei auch seine Verbundenheit zu Erligheim stark. Zudem sei der Verkaufsstandort in Erligheim Teil seiner Unternehmensstrategie, gänzlich auf Bio-Ware umzustellen mit regionaler Vermarktung. „Deswegen möchten wir ihn unbedingt halten.“ Zwar sei Erligheim nicht sein einziger Verkaufsstandort in der Region, doch der dortige Verkauf sei ihr umsatzstärkster. „Er ist unsere Nummer eins mit deutlichem Abstand.“ Zudem habe man ein gutes Team für den Verkauf vor Ort.

Sollte der Verkaufsstand hinter der Bäckerei nicht zustande kommen, werde man sich notgedrungen andernorts umschauen müssen. „Wir sind für unseren Verkauf auf Laufkundschaft angewiesen.“ Auf Grund dessen sei die Suche nach einem neuen, ebenso zentral gelegenen Standort in Erligheim schwer gewesen, das Grundstück hinter der Bäckerei die einzige sich bietende Option.

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