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Blühpatenschaften

Landwirte bringen mehr Natur aufs Feld

Diese Aktion ist was für Natur, Tiere und das Auge: Mehrere Löchgauer Landwirte wollen an ihren Feldrändern Blühstreifen einsäen, um für Bienen und Insekten neue Lebensräume zu schaffen. Damit das funktioniert, sind die Bürger und Bürgerinnen gefragt: Sie können ab sofort Blühpatenschaften übernehmen.

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Löchgau. Im vorigen Jahr urlaubt Jens Millow in Eckernförde an der Ostsee. Was er dort sieht, gefällt ihm so gut, dass er die Idee unbedingt auch nach Löchgau bringen will: Überall hatten die Bauern dort an ihren Feldrändern Blühstreifen eingesät. Die unterschiedlichen Blumen sehen nicht nur toll aus, sondern bieten für Bienen und Insekten auch zusätzliche Nahrung und neuen Lebensraum. Das muss doch auch in Löchgau funktionieren, denkt sich der Hauptamtsleiter, holt sich Landwirt Philipp Weigel und Christof Hettich vom BUND mit ins Boot und entwickelt eine Idee, die jetzt umgesetzt wird: Alle Löchgauer können mithelfen, dass an den Feldrändern künftig vielfältige, regionale Blumen blühen, indem sie Patenschaften für die Blühstreifen übernehmen.

Ein Quadratmeter kostet einen Euro. „Wir werden den Betrag 1:1 an den betreffenden Landwirt weitergeben, der daraufhin die entsprechende Fläche mit Blühmischung einsät“, erläutert Jens Millow. Diese werde dann für drei Jahre erhalten. Den Bauern entstünde dadurch kein wirtschaftlicher Schaden, beispielsweise weil sie weniger Ertrag auf den entsprechenden Feldern erwirtschaften können. Der Euro, den die Landwirte pro Quadratmeter erhielten, orientiere sich am Verkaufsertrag für Mais. Das Lukrativste, was die Bauern derzeit anbauen könnten, erklärt Millow.

Insgesamt sechs Löchgauer Bauern stellen zunächst 14 Hektar Feldrand zur Verfügung. Die Flächen sind gezielt ausgesucht, beispielsweise am Wald Richtung Bietigheim-Bissingen. „Dort gibt es bisher wenig blühende Natur und daher großen Handlungsbedarf“, begründet Millow die Auswahl. Vermutlich werde man es nicht schaffen, für die kompletten 14 Hektar Paten zu finden, deshalb werde sich auf jeden Fall auch die Gemeinde engagieren. Und auch Millow selbst hat die ersten Euro schon investiert. Jetzt hofft er auf möglichst viele Nachahmer.

Die ersten Blühmischungen könnten dann bereits in diesem Herbst ausgesät werden, jeder Blühstreifen ist übrigens drei Meter breit. „Wo vorher Weizen und Gerste wuchs, wird es dann blühen und summen“, freut sich Millow über schnelle Ergebnisse. Zumal viele der ausgewählten Feldränder an Wanderstrecken lägen und damit auch hübsch anzuschauen seien.

Doch was wird eigentlich ausgesät? Bei der richtigen Auswahl hat Christof Hettich vom BUND geholfen. Ihm war wichtig, dass heimische Pflanzen und Blumen von einem Saatguthersteller aus der Region geliefert werden und die Aktion nicht bloß auf ein Jahr angelegt ist. „Wildbienen und Falter überwintern zum Beispiel in den trockenen Pflanzenstängeln“, erläutert Hettich. Würden diese im Herbst gemäht, hätte die Aktion wenig Nutzen. Die vertrockneten, braunen Stängel könnten zwar „ziemlich hässlich aussehen, aber das muss man aushalten“, betont Hettich.

Eine Herausforderung für die Landwirte könnte das Unkraut werden, das gegebenenfalls mit der Hacke von Hand entfernt werden müsste, glaubt Philipp Weigel vom Petershof. Auch die Anbauplanung beziehungsweise Fruchtfolge würde durch die Blühstreifen erschwert. Einige Landwirte hätten deshalb zunächst skeptisch reagiert, die meisten habe er aber schnell überzeugen können, mitzumachen.

Man wolle so etwas für die Artenvielfalt und die Biodiversität tun, betont Weigel, der schon jetzt an seinen Feldern Blühstreifen eingesät hat. Zumal Landwirte im besonderen Maße auf Insekten angewiesen seien, beispielsweise bei der Bestäubung von Obstbäumen. Außerdem würden landwirtschaftliche Flächen durch Bebauung immer weniger. Die Blühstreifen seien deshalb auch ein Beitrag der Löchgauer Bauern gegen den Flächenverbrauch.

Info: Die Gemeinde Löchgau vergibt die Blühpatenschaften. Weitere Infos dazu gibt es im Internet unter www.loechgau.de.

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