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Langer Atem bei Schlosshotel Kaltenstein in Vaihingen nötig

Planungen für das 80-Zimmer-Hotel gestalten sich schwieriger als gedacht — Feuerwehrzufahrt ist der Knackpunkt

Das westliche Tor und der bestehende Anbau waren bisher der Knackpunkt. Hier soll ein neuer Anbau für den Empfang des Schlosshotels entstehen.Foto: Alfred Drossel
Das westliche Tor und der bestehende Anbau waren bisher der Knackpunkt. Hier soll ein neuer Anbau für den Empfang des Schlosshotels entstehen.Foto: Alfred Drossel

Vaihingen. Im Juli 2020 hat das Land mit dem Pforzheimer Investor, Braumeister und Hotelier Wolfgang Scheidtweiler einen sogenannten Baukonzessionsvertrag über 28 Jahre für das Schloss Kaltenstein über Vaihingen geschlossen. Doch seither ist zumindest sichtbar nichts passiert.

Scheidtweiler hat sich verpflichtet, das Schloss mit einem zweistelligen Millionenbetrag zu renovieren, um es anschließend für die Dauer des Vertrags zu nutzen. Da die Renovierung des alten Gemäuers eine besondere Herausforderung ist, beteiligt sich das Land mit einer Anschubfinanzierung von maximal sechs Millionen Euro.

Kaltenstein passe in seine Private Schloss-Collection GmbH, zu der Schloss Liebenstein bei Neckarwestheim und Schloss Brackenheim gehörten, betont Scheidtweiler. Der Pforzheimer Unternehmer will auf Schloss Kaltenstein ein Fünf-Sterne-Hotel mit bis zu 80 Zimmern und Gastronomie eröffnen.

Für den fast 73-Jährigen ist ein Umbau eines historischen Gemäuers nichts Neues, wie er sagt. „Die Gebäude stehen oft Jahrhunderte und da kommt es bei neuen Planungen auf ein paar Wochen hin oder her nicht an. Im Falle von Vaihingen wäre es jetzt aber Zeit, dass man endlich in die Pötte komme. Immerhin haben wir gut eineinhalb Jahre verloren, die uns von der Nutzungszeit abgehen“, beklagt Scheidtweiler.

Probefahrten der Feuerwehr

Allein neun Monate habe es gedauert, bis die Zufahrtsfrage geklärt gewesen sei, sagt Bauherr Scheidtweiler. Die einzige Zufahrt zum Schloss ist über den westlichen Weg durch ein historisches Tor möglich. Dort, wo jetzt ein flacher Anbau steht, soll ein Neubau für die Hotelrezeption entstehen. Der Torbogen steht unter Denkmalschutz und die ursprünglichen Pläne haben den Behörden nicht gefallen. Knackpunkt war die Feuerwehrzufahrt. Wie Kreisbrandmeister Andy Dorroch bestätigt, seien Probefahrten mit Löschfahrzeugen gemacht worden. Da sei es tatsächlich um Zentimeter gegangen. Nach Angaben von Dorroch habe man einen Kompromiss mit der Absenkung der Fahrstraße und einer Abstufung des Neubaues gefunden.

Jetzt sollen die Planungen soweit sein, dass Scheidtweilers Architekten die Entwürfe sowohl dem Landesdenkmalamt wie auch der Stadt vorlegen können. Finden die Pläne Zustimmung, wird sich der Vaihinger Gemeinderat mit dem bereits 2019 aufgestellten, projektbezogenen Bebauungsplan beschäftigen.

Der projektbezogene oder vorhabenbezogene Bebauungsplan ist eine Sonderform des Bebauungsplanes. Dieser findet Anwendung, wenn ein bereits präzise umrissenes Projekt von einem Investor realisiert werden soll. Der Vorhaben- und Erschließungsplan wird zwischen Vorhabenträger und Kommune auf Grundlage des Baugesetzbuches abgestimmt. Über einen Durchführungsvertrag regelt die Kommune mit dem Investor die Erschließungsmaßnahmen.

Das Verfahren kann bis zu acht Monate dauern, weil auch hier die Vertreter öffentlicher Belange, beispielsweise Naturschutzverbände, angehört werden müssen. Nach Angaben von Scheidtweiler habe man durch die sich „hinziehende Planungen“ bisher schon mehrere Hunderttausend Euro ausgegeben.

Scheidtweiler wünscht sich, dass die Stadt, wenn sie dann die Unterlagen bekommen hat, das Verfahren zügig bearbeitet. „Sobald die behördlichen Genehmigungen erteilt sind, legen wir mit dem Umbau und der Sanierung los“, sagt Scheidtweiler.

Er weist noch einmal darauf hin, dass er kein „elitäres Schlosshotel“ auf Kaltenstein bauen wolle. „Es wird ein Hotel- und Gastronomiebetrieb für jeden“, betont er. Mit Kosten zwischen zehn und 13 Millionen Euro soll das Schloss zu einem „touristischen Anziehungspunkt mit Strahlkraft“ werden. Scheidtweiler hat inzwischen zehn Vier-Sterne-Hotels unter seiner Regie.

In Bönnigheim hofft man insgeheim auf ein Engagement von Scheidtweiler beim Stadionschen Schloss. Der Investor ist gut informiert und weiß, dass Bönnigheim an einer europaweiten Ausschreibung des Schlosses für ein Hotel arbeitet. In der Ganerbenstadt könnte man sich einen Baukonzessionsvertrag nach Vaihinger Vorbild für die gegenwärtig leerstehende und ungenutzte Immobilie gut vorstellen.

Scheidtweiler will aber zunächst seine Projekte Schloss Liebenstein, Schloss Brackenheim und natürlich Schloss Kaltenstein voranbringen. „Dann schau’n mer mal“, sagt Scheidtweiler und lacht.

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