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Unterrichtsversorgung

Lehrermangel schon zu Schuljahresbeginn

Ausreichend. Aber auch das nur mit Ach und Krach und dank viel Nachhilfeunterricht. So benotet die neue Schulamtsleiterin Sabine Conrad die Lehrerversorgung in den Grund-, Werkreal- , Gemeinschafts- und Realschulen des Landkreises. Und das schon zu Beginn des neuen Schuljahres.

Das neue Schuljahr beginnt – und es gibt nicht genug Lehrerinnen und Lehrer im Kreis. Nach den Schulschließungen wegen Corona drohen damit nun Unterrichtsausfälle aus Personalmangel. Archivfoto: Caroline Seidel/dpa
Das neue Schuljahr beginnt – und es gibt nicht genug Lehrerinnen und Lehrer im Kreis. Nach den Schulschließungen wegen Corona drohen damit nun Unterrichtsausfälle aus Personalmangel. Foto: Caroline Seidel/dpa

Landkreis Ludwigsburg. Es gibt zu wenig Lehrerinnen und Lehrer. Das ist auch im Landkreis an sich keine Neuigkeit. Bislang aber zeigten sich die Ludwigsburger Schulamtschefs zumindest zu Schuljahresbeginn noch optimistisch, eine Unterversorgung mussten sie dann meist irgendwann nach den Weihnachtsferien einräumen, wenn die Unterrichtsausfälle zunahmen.

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„An allen Schularten konnten nicht die erforderlichen Stellen besetzt werden.“

Sabine Conrad
Schulamtsleiterin

Ein Ritual, mit dem die neue Schulamtsleiterin Sabine Conrad bricht: Die Unterrichtsversorgung im Staatlichen Schulamt Ludwigsburg sei „insgesamt nicht zufriedenstellend“, teilte sie am Freitag schon unmittelbar vor Beginn des neuen Schuljahres am heutigen Montag mit. „An allen Schularten konnten nicht die erforderlichen Stellen besetzt werden.“

Zwar sei die Einstellung neuer Lehrkräfte noch nicht endgültig abgeschlossen, so Conrad weiter. Bis Ende September würden bei „kurzfristig auftretenden Ausfällen alle noch zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ausgeschöpft, um die Schulen bestmöglich zu versorgen“ – von der regulären Besetzung noch ausgeschriebener Stellen über Deputatsaufstockungen, Abordnungen, und befristete Verträge bis hin zur Beschäftigung pensionierter Lehrerinnen und Lehrer, die einzuspringen bereit sind. Um eine wenigstens „ausreichende Unterrichtsversorgung zu gewährleisten“, seien – als Ersatz für bereits bekannte längerfristige Ausfälle etwa wegen Krankheit oder Schwangerschaft – schon jetzt über alle Schularten hinweg 56 Lehrkräfte befristet eingestellt worden.

Insgesamt kann die Leitende Schulamtsdirektorin in dieser Woche 164 neue Kolleginnen und Kollegen im Kreis begrüßen, nämlich 119 neu eingestellte Lehrerinnen und Lehrer und 45 so genannte Zuversetzungen aus anderen Schulämtern. Die Verteilung der Neuzugänge auf die Schularten entspricht in etwa dem Proporz der Schülerzahlen: 62 neue Lehrkräfte werden an Grund- und Werkrealschulen unterrichten, 54 an Realschulen, 29 an Gemeinschaftsschulen sowie 19 an den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren im Landkreis.

Ein Grund für den fortdauernden Lehrermangel, den Baden-Württemberg vor allem an den landesweit 4500 Grundschulen seit Jahren nicht abbauen kann: Wegen der Sparzwänge durch die Coronakrise liegen die in den Koalitionsverhandlungen diskutierten Pläne der Landesregierung, 3000 neue Lehrerstellen zu schaffen, vorerst auf Eis. Schon seit Jahren geht im Südwesten zudem die Zahl der neuen Lehramtsreferendare zurück – laut Angaben des Statistischem Landesamts von 2020 binnen zehn Jahren um insgesamt 22,9 Prozent, an den Grund-, Werkreal- und Realschulen sogar um 31,8 Prozent. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft macht dafür unter anderem die Lehrerbesoldung und fehlende Karriereoptionen im Land verantwortlich. Zudem trafen demografische Prognosen zur Zahl der Schülerinnen und Schüler nicht ein. So ist die Zahl der Erstklässler im Kreis auch im neuen Schuljahr bei 4902 ABC-Schützen stabil, wenngleich die Gesamtschülerzahl an den Grundschulen geringfügig sinkt. Angesichts der ebenfalls leicht rückläufigen Übergangszahlen der Fünftklässler an den Gemeinschafts- (693) und Realschulen (1725) ist zu vermuten, dass das Gymnasium seine Spitzenposition als weiterführende Schulart erneut ausbaut, die Zahlen des Regierungspräsidiums zu den Gymnasien liegen aber noch nicht vor.

Trotz fehlender Lehrkräfte ist für die Schulamtschefin das Tilgen der durch Corona entstandenen Defizite ein zentrale Ziel für das neue Schuljahr. Pandemiebedingte Lernrückstände müssten „nun mit aller Kraft aufgeholt werden müssen, damit möglichst niemand den Anschluss verliert“, so Conrad. Dabei setzt sie auf das auf zwei Jahre angelegte Förderprogramm „Lernen mit Rückenwind“ des Kultusministeriums. Die Schulen sollten bis zu den Herbstferien intern Lernstandserhebungen und erste Angebote im Bereich der sozial-emotionalen Förderung der Schülerinnen und Schüler planen und möglichst „Unterstützungskräfte“ gewinnen. Nach den Herbstferien solle dann zusätzlich die fachliche Förderung einsetzen.

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