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VfB-Fanclub

Leidenschaft auch auf der Ersatzbank

Seit 30 Jahren gibt es den Fanclub des VfB Stuttgart in Kirchheim. Er hat sich nach seiner topographischen Lage „Neckarschleif“ genannt und begrüßte nun bei seiner Weihnachtsfeier als Spezialgast Jens Grahl, den Ersatztorhüter des VfB.

Weihnachtsfeier mit einem Profi: Der VfB-Fanclub „Neckarschleif“ empfängt Jens Grahl. Foto: Ramona Theiss
Weihnachtsfeier mit einem Profi: Der VfB-Fanclub „Neckarschleif“ empfängt Jens Grahl. Foto: Ramona Theiss

Kirchheim. Ein 15 Quadratmeter großes Banner vor dem Eingang des Gemmrigheimer Schlemmerbesens zeigte am Dienstagabend, wer im Lokal feierte. Auf der Plane prangte das Emblem des VfB Stuttgart und daneben war zu lesen „VfB-Fanclub Neckarschleif 1988“. Die Vereinigung von heute 25 Enthusiasten des Stuttgarter Fußballvereins beging ihre Weihnachtsfeier in der Nachbargemeinde. „Heute leben viele von uns nicht mehr in Kirchheim“, ließ Frank Maslowski, zweiter Vorsitzender des Fanclubs, wissen. Und so ist auch Steffen Langjahr auf die andere Seite des Neckars gezogen und hat den Kontakt zum Feierlokal hergestellt.

Bereits 1984, als der VfB zum ersten Mal Deutscher Meister in der Bundesliga wurde, ging eine Gruppe Kirchheimer öfter ins Stadion. „Am 8. August 1988 haben wir dann schließlich den Fanclub gegründet“, erinnerte sich Jens Bröllos, erster Vorsitzender. Alle Mitglieder haben eine Dauerkarte für Heimspiele und sind sogar oftmals auswärts dabei. Aus Anlass des 30. Geburtstags des Clubs hatte der VfB Stuttgart seinen Ersatztorhüter Jens Grahl geschickt. Er wurde mit einem großen Applaus empfangen. „Wir merken alle, wie er von der Bank aus mitfiebert und voll dabei ist. Das ist als Ersatztorwart nicht selbstverständlich“, so Maslowski.

Allerdings konnte Grahl seine Leidenschaft für den VfB erklären. Er wurde wenige Wochen nach Gründung des Fanclubs Neckarschleif in Bad Cannstatt geboren. „Ich bin einen Steinwurf vom Stadion weg aufgewachsen“, sagte Grahl. Und wem diese Beteuerung noch nicht reichte, der war spätestens dann überzeugt, als Grahl den linken Ärmel seines Pullovers zurück krempelte. Dort ist eine große Tätowierung des Neckarstadions, wie die Mercedes-Benz-Arena bis Mai 1993 hieß, zu sehen. Grahl selbst spielte zuletzt bei 1899 Hoffenheim, ist jedoch froh, wieder in Württemberg zu sein. Er habe zwar hinter dem Stammtorwart Ron-Robert Zieler noch kein Spiel gemacht in zwei Jahren. Allerdings ist er bestens auf das Reservistendasein eingestellt. „Es wäre schön, wenn meine Karriere dort aufhört, wo sie begann“, sagte der 30-Jährige.

Für den Fanclub „Neckarschleif“ geht es jedoch auch nach dem Karriereende von Jens Grahl weiter. Die Mitglieder hatten in den vergangenen drei Jahrzehnten mit zwei Meisterschaften (1992, 2007), einem Pokalsieg (1997) und der Teilnahme an der Champions League viel Freude an ihrem Club. Absoluter Höhepunkt war das Heimspiel gegen Manchester United am 30. September 2003. Damals gewann der VfB unerwartet mit 2:1 in einem packenden Spiel. „Das war schon toll“, so Maslowski.

Er hofft, dass der Fußball weiterhin gewaltfrei bleibt. Das Fanleben solle Freude machen. Zudem sei Respekt für den Gegner wichtig. Natürlich seien der FC Bayern, RB Leipzig und 1899 Hoffenheim Vereine, die polarisierten. „Aber am Ende des Tages muss man immer in der Lage sein, mit den Fans der anderen Seite ein Bier zu trinken.“

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