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Kultur

Lyrik und Ausstellung zum Neustart

Für künstlerisch freien Ausdruck setzt sich der Verein Rampenfieber in Besigheim ein. Er veranstaltet nun die Theater- und Musiktage. Somit setzen die Organisatoren einen Gegenpunkt zur derzeit kulturell eher tristen Coronaphase. Den Auftakt machten am Sonntag eine Ausstellung sowie eine Hommage an den Dichter Federico Garcia Lorca und seine Liebe zum Mond.

Wieder auf der Bühne: Boris Rodriguez und Sirma Velichkova. Veronika Nadj stellt ihre Werke aus. Fotos: Wolschendorf
Wieder auf der Bühne: Boris Rodriguez und Sirma Velichkova. Veronika Nadj stellt ihre Werke aus. Foto: Wolschendorf
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Besigheim. Der Corona-Lockdown macht der Kultur schwer zu schaffen. Doch jede schwierige Phase bringt neue Energien zum Vorschein. Ein Beispiel ist die Gründung des Vereins Rampenfieber im Herbst 2020. Er umfasst eine Gruppe von Künstlern und Kunstbegeisterten, die sich selbst ein Forum geschaffen haben, um ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Der Anspruch ist einfach: „Ein Besuch bei uns muss sich lohnen“, sagt Rüdiger Erk. Damit dies gelingt, haben die Macher gleich ihr erstes Projekt Theater- und Musiktage auf die Beine gestellt, die bis 27. Juni dauern. Als Veranstaltungsort wurde das ehemalige Fritz-Areal auserkoren. Beteiligt daran sind das „Hinterhofkollektiv 18/04“, das „Theater am Fenster Stuttgart“, die Gruppen Schallou und „Sketchbook for Willam Blake“, sowie das Rampenfieber-Ensemble.

Den Auftakt machte am Sonntagabend ein Themenabend zum spanischen Poeten Federico Garcia Lorca. Veronika Nadj hat ihm unter dem Titel „Der andalusische Hund“ einen Bilderzyklus gewidmet. Zudem traten Sirma Velichkova (Klavier) und Boris Rodriguez auf, um sich sprachlich der Lyrik des Spaniers zu widmen und ihn ins Gedächtnis zu rufen oder sogar neue Facetten zu offenbaren. Rund 20 Besucher waren bei der ersten Veranstaltung des Festivals zu Gast. Für die Organisatoren war der Neustart etwas Besonderes. „Ein bisschen aufgeregt sind wir schon“, so Erk. Es sei nicht immer leicht, die tagesaktuellen Corona-Auflagen zu verfolgen und dann direkt umzusetzen. Doch am Abend selbst lief alles regelkonform und die Stimmung war gut.

Auch der Spielort war gut gewählt. Der raue Charme der Werkshalle verlieh den Werken von Veronika Nadj besonderen Ausdruck. Ob Gemälde oder Collagen –, sie wusste mit Lorcas Worten bildnerisch umzugehen. Vor allem die Verbindungen des Poeten zu anderen Künstlern wurden herausgearbeitet. So erinnert ein Wesen, das eine Art Zentaur darstellt, an das Verhältnis des Spaniers zu Gertrude Stein. Und ein lapidarer Text, der vor Einfachheit strahlt, zeigt auf, dass sogar der kanadische Liedermacher Leonard Cohen so begeistert vom Dichter war, dass er ihm das Lied „Kleiner Wiener Walzer“ gewidmet hat.

Boris Rodriguez machte in Anwesenheit der Künstlerin die Einführung bei der Vernissage. In Windeseile warf er sich danach in sein Kostüm. Schließlich galt es, die Lyrik Lorcas expressiv vorzutragen. In ihr spielt der Mond eine Hauptrolle. Dargestellt von Sirma Velichkova, die auf einer Leiter stand, betete Rodriguez ihn verbal an. Die Kombination aus Bild und Ton kam beim Publikum gut an. Die Besucher Lieselotte und Gustav Bächler freuten sich, dass die Kultur in Besigheim endlich wieder erwacht. „Zudem unterstützen wir alles, was neu ist“, sagte Lieselotte Bächler. Sie kennt Rüdiger Erk und seine vielseitige Arbeit seit Jahren. Ihr Mann Gustav nennt eine weitere Motivation: „Wir wollen mit unserem Enkel über spanische Literatur diskutieren können.“ Denn dieser studiert in Spanien und ist kulturinteressiert. Da kam die Veranstaltung gerade zur rechten Zeit.

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