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Hobby mit Distanz

„Manchmal fängt man einen Goldfisch“

Geangelt werden kann auch weiterhin ohne Bedenken – Natur und ruhige Umgebung sind ein guter Ausgleich

Jorell Theilacker (vorne) und Timo Dworschak am Baggersee.Foto: Andreas Becker
Jorell Theilacker (vorne) und Timo Dworschak am Baggersee. Foto: Andreas Becker

Benningen. Der leichte Regen hat gerade aufgehört, die Oberfläche des Baggersees kräuselt sich im Wind. Leise rauscht im Rücken der Verkehr zwischen Benningen und Freiberg vorbei, nach vorn geht der Blick auf die Weinberge jenseits des Neckars. Es ist 9 Uhr. Timo Dworschak und Jorell Theilacker angeln seit dem frühen Morgen. Neben Karpfen, die sie schon gefangen haben, gibt es im See auch Welse, Zander, Hechte, Rotaugen und einiges mehr.

Zum Angeln sind beide über ein Familienmitglied gekommen. Bei Timo Dworschak war es der Vater, der ihn im Alter von fünf Jahren mit an einen Forellensee genommen hat. „Seitdem angle ich“, sagt der 15-Jährige aus Freiberg. Zwar fährt er auch Ski und spielt Tennis, hauptsächlich hält er aber die Angel in der Hand. „Man ist draußen, hat seine Ruhe und fängt Fische“, beschreibt er, was er an seinem Hobby mag. Einen Lieblingsfisch habe er nicht und angle eigentlich auf alles, am häufigsten jedoch auf Karpfen.

Sein bislang bestes Angelerlebnis? „Letztes Jahr habe ich in Mexiko beim Hochseeangeln einen Segelfisch gefangen, der war über zwei Meter groß“, erzählt Timo Dworschak und strahlt. Er habe auch schon in weiteren Ländern wie Spanien oder der Schweiz die Angel ausgeworfen, die Familie plane den Urlaub aber nicht extra danach: „Wenn es sich anbietet, angle ich.“

Der beste Fang von Jorell Theilacker war bisher ein Graskarpfen aus dem Neckar mit einem Gewicht von 19 Kilogramm. Das Besondere daran sei, dass diese Fischart hier nicht heimisch ist, sondern eigentlich aus Asien stammt. Wie der Graskarpfen in den Neckar gekommen ist, wisse man nicht so genau. Es komme aber auch vor, dass Menschen ihre Aquarien in Gewässer entleeren. „Manchmal fängt man auch einen Goldfisch“, so der 16-Jährige, „es ist spannend, wenn man etwas dran hat und nicht weiß, was es ist.“

Den Sonnenaufgang genießen

Das Draußensein in der Natur gefällt auch Jorell Theilacker an seinem Hobby am meisten: „Wenn man früh kommt, sieht man auch mal den Sonnenaufgang. Den bekommt man ja sonst meist nicht zu Gesicht.“ Mit dem Angeln hat er erst vor zwei bis drei Jahren angefangen, als ihn sein Opa mitgenommen hat. Zu weiteren Hobbys kommt er derzeit eher nicht, weil der Realschulabschluss ansteht. Die Prüfungen wurden wegen des Coronavirus um einen Monat auf Ende Mai verschoben. Das Angeln sieht Jorell Theilacker als guten Ausgleich zum Lernen.

Immer mehr junge Angler

„Es werden immer mehr Jugendliche“, so René Vogel vom Fischereiverein Benningen. Etwa drei bis vier neue kommen pro Jahr dazu, so dass unter den 80 aktiven und 25 passiven Mitgliedern des Vereins inzwischen 14 Jugendliche sind. Ein allgemeiner Trend ist das laut René Vogel jedoch nicht: In einigen Vereinen sei die Situation ähnlich wie in Benningen, während andere Probleme hätten, jugendliche Mitglieder zu bekommen.

Zum Jugendprogramm des Benninger Vereins gehören zwei Camps im Jahr, bei denen am Wochenende an anderen Seen übernachtet und geangelt wird. Zudem gibt es mehrere Treffen mit dem Partnerverein in Maulbronn. Fester Bestandteil des Kalenders sind auch Workshops, bei denen je nach Wetter nur Theorie besprochen oder auch gleich geangelt wird. Doch alle diese Veranstaltungen können derzeit nicht stattfinden.

Das Hobby selbst wird jedoch kaum beeinträchtigt. „Man darf angeln gehen, aber am besten allein“, sagt René Vogel. Da zudem jeder Angler eine eigene Angel habe, könne man das Hobby bedenkenlos weiterhin ausüben. Seitdem das Coronavirus umgeht, hat René Vogel sogar eine Beobachtung gemacht: „Es sind jetzt deutlich mehr Angler unterwegs.“

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