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Geschichte

Marcus und Nick Weiberle sammeln und erhalten alte Motoren und landwirtschaftliche Geräte - Ein wenig rostig mit kräftigem Sound

Marcus und Nick Weiberle sammeln und erhalten alte Motoren und landwirtschaftliche Geräte

Ein alter Getreidetrieur gehört neben rund 40 Stationärmotoren zur Sammlung von Marcus Weiberle und seinem Sohn Nick. Fotos: Alfred Drossel
Ein alter Getreidetrieur gehört neben rund 40 Stationärmotoren zur Sammlung von Marcus Weiberle und seinem Sohn Nick. Foto: Alfred Drossel
Ein Typenschild, ebenfalls ein wenig angerostet.
Ein Typenschild, ebenfalls ein wenig angerostet.

Sachsenheim. In einem Schuppen unterhalb des Bergdorfes Hohenhaslach tuckert ein kraftvoller Dieselmotor. Er hat einige Jahre auf dem Buckel und lief zuletzt in einem Schwarzwälder Sägewerk. Vater Marcus und Sohn Nick Weiberle ist es gelungen, die Maschine wieder zum Laufen zu bekommen. Neu in der Sammlung ist ein hundert Jahre alter Getreidetrieur. Alte Motoren und landwirtschaftliche Maschinen haben es dem 47-jährigen Marcus Weiberle angetan. Seit Jahren beschäftigt er sich mit den Geräten. Sein Sohn Nick ist immer dabei. Inzwischen hat er über 40 Stationärmotoren zusammengetragen. „Und alle laufen“, vermerkt er stolz.

Das Tuckern der Hohenhaslacher Dieselmotoren ist immer wieder bei Ausstellungen zu hören. Dort treiben Transmissionen verschiedene Geräte an. Da Marcus Weiberle auch zweiter Vorsitzender der Hohenhaslacher Schlepperfreunde ist, leistet er mit seiner Sammlung einen wertvollen Beitrag bei Ausstellungen. Doch seit Corona findet nichts mehr statt. Die Weiberles überbrücken diese Zeit mit Schrauben und Tüfteln. „Wichtig ist uns, diese Motoren und Geräte in Schwung zu erhalten, und zwar so, wie sie sind, rostig und verbogen“, sagt Marcus Weiberle.

Derzeit arbeiten die beiden Tüftler an einem Mercedes-Stationärmotor, der im Berliner Werk in den Fünfzigerjahren gebaut wurde. Ein Stationärmotor dient dazu, in erster Linie Antriebsenergie für industrielle Anlagen und Maschinen bereitzustellen. Zum Einsatz kommen diese Motoren auch auf Schiffen und in Elektrolokomotiven. Dort liefern sie elektrische Energie mit einem angeschlossenem Generator. Weiberles Motor hat 55 PS und war zuletzt in einem Sägewerk im Schwarzwald im Einsatz.

Neu in der Sammlung ist ein sehr seltenes Gerät. Den Getreidetrieur, den hat Weiberle von einem Sammler in Besigheim bekommen. Gebaut wurde das Gerät vor rund hundert Jahren in der „Kalker Trieurfabrik und Fabrik gelochter Bleche Mayer & Co“, wie auf dem gusseisernen Typenschild zum Lesen ist. Die Fabrik war 1862 vom Kölner Silberschmied Johann Mayer gegründet worden und hatte sich Ende des 19. Jahrhunderts zu einem der weltweit größten Produzenten von Unkraut- und Getreideauslesemaschinen entwickelt. Trieure sind besonders wichtig in der Züchtung und der Saatgutproduktion. Saatgut muss nämlich sortenecht und sortenrein sein. Es darf kein Unkrautsamen mitgeliefert werden, der vor allen bei Neophyten zu einer unerwünschten Verbreitung führen würde.

Die Auslese erfolgt in einer Trommel mit vielen kleinen eingeprägten „Näpfchen“. Das Getreide wird innen auf einer Seite auf den Zylinder gegeben. Die „guten“ Körner kippen beim Drehen leicht aus den Näpfchen heraus und rutschen so langsam durch den Zylinder auf die andere Seite. Kurze Körner bleiben bei der Drehung länger in den Näpfchen hängen und fallen deshalb erst weiter oben aus dem Zylinder in eine zentral angeordnete Mulde. Sie werden dort getrennt aufgefangen.

Marcus Weiberle ist es wichtig, nicht nur die Geräte zu erhalten, sondern auch deren einstige Bedeutung nachfolgenden Generationen weiterzugeben. Seine Motoren und Geräte sind zum Anfassen und unterscheiden sich dadurch von Museumsexponaten.

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