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Lesung

Margot Käßmann und ihr Partner über die vielen Wirrungen der Liebe – Start einer neuen Serie „Liebesgeschichten“

Es sind die Zufälle, die das Leben abwechslungsreich und manchmal auch gefährlich machen. Margot Käßmann, die frühere Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche, und ihr Partner Andreas Helm berichteten von solchen Zufällen und ihre daraus entstehende Liebe. Und die LKZ sucht weitere Liebespaare: Erzählen Sie uns Ihre Geschichte!

Margot Käßmann und ihr Partner Andreas Helm in Großbottwar. Foto: Ramona Theiss
Margot Käßmann und ihr Partner Andreas Helm in Großbottwar. Foto: Ramona Theiss

Großbottwar. Es sind oftmals die kleinen Gesten, die dem Leben einen ganz anderen Lauf geben. Im Fall von Andreas Helm war es sein Mut, zu einer Veranstaltung mit Margot Käßmann zu gehen und ihr ganz einfach Hallo zu sagen. „Ich wollte eigentlich weg, doch eine innere Stimme sagte mir, dass ich bleiben sollte“, so Helm bei einer Veranstaltung am Mittwochabend in der Großbottwarer Harzberghalle. Eingeladen hatte die Stadtbücherei.

Daraus entwickelt sich eine besondere Liebesbeziehung, denn die beiden waren schon einmal ein Paar, doch damals waren sie erst 15 Jahre alt. Nach dem Treffen im Jahr 2014 gaben sie sich eine zweite Chance – und das funktionierte sehr gut. So gut, dass sie im vergangenen Jahr ein Buch darüber schrieben. Damit sind sie jetzt auf Lesereise.

Die beiden traten vor einer fast ausverkauften Harzberghalle auf. Das ist etwas Besonderes, denn Großbottwar gilt als besonders konservative evangelische Kirchengemeinde. Und Margot Käßmann erlangte Berühmtheit mit ihrer Trunkenheitsfahrt im Jahr 2010. Mit über 1,5 Promille fuhr sie damals über eine rote Ampel. „Darauf wird sie heute noch von vielen Menschen reduziert. Dabei hat sie sich vorbildlich verhalten, daran könnten sich viele Politiker ein Beispiel nehmen. Sie ist danach zurückgetreten von ihren Ämtern“, sagt Andreas Helm.

Buch ist als Dialog angelegt

Auch das hat ihrem Leben eine neue Richtung gegeben. Es hat sie zu einer besonderen Beziehung zu ihrer Jugendliebe geführt. Das Buch, aus dem sie lesen, ist als Dialog zwischen beiden angelegt. Hier wird nicht über die Zeit nach ihrer jeweiligen Scheidung philosophiert, sie berichten vielmehr, was ihnen in der Zeit durch den Kopf ging, wie sie sich fühlten, was sie anpackten. Es ist keine geisteswissenschaftliche oder theologische Abhandlung, es ist ein Bericht von zwei Menschen, die sich nach ihrer ersten Familienzeit ein zweites Leben und eine zweite Familie aufbauten. Die aufeinander zugingen und dabei trotzdem ihre Eigenheiten behielten und beim anderen zu tolerieren lernten.

„Vielleicht ging das so gut, weil wir uns schon einmal sehr vertraut waren. Wir mussten nicht mehr fragen, wo kommst du her, was hast du gemacht. Das war uns bekannt. Auch den jeweils anderen Freundeskreis kannten wir teilweise auch“, so Margot Käßmann. Sie werfen sich die Bälle zu während ihres Vortrags. Sie berichten von ihrem gemeinsamen Leben, das natürlich auch von Käßmanns dauernden Reisen bestimmt ist. Noch immer ist sie als Rednerin gefragt, noch immer nimmt sie besondere Positionen innerhalb ihrer Kirche ein. Sie steht zu ihrem Glauben, ist gegen Krieg und unterstützt die Ökumene. Sie unterstützt homosexuelle Paare in der Kirche. All das sind Positionen, mit welchen man in Großbottwar nicht immer punkten kann. An diesem Abend gibt es keinen Widerspruch.

Es sind die kleinen Gesten, die zählen

Da traf es sich gut, dass beide sehr ähnliche Wertvorstellungen haben und sich für die gleichen Sachen interessieren. „Man muss die Veränderung wagen. Doch das schafft man nicht immer allein. Dazu bedarf es auch der Freunde und Verwandten“, sagt Käßmann.

Und wieder sind es die kleinen Gesten, die das andere ausmachen. „Wir können gut miteinander lachen“, sagt er. Für sie liegt das Glück im Geben. So etwas könne man in der Jugend noch nicht verstehen. Sie sehen ihr Alter als Möglichkeit, besser miteinander umzugehen. Man habe gelernt, sich keine Vorwürfe zu machen.

Beide wurden geboren in den Babyboomer-Jahren zwischen 1955 und 1965. Damals wurde man mit der Mondlandung, Raumpatrouille Orion und Flipper groß. Bei der Sendung ging immer wieder ein Raunen durch den Saal, das ältere Publikum verstand sehr gut, wovon die beiden sprachen. Und fühlten sich damit verbunden. Ob das Gleiche auch für die Bonner Hofgarten-Demonstration im Jahr 1981 gegen den Nato-Doppelbeschluss gilt, ist allerdings fraglich.

Es war eine Veranstaltung ganz im Käßmann-Duktus. Ein nicht immer einfaches Thema wurde einfach zur Schau gestellt. Wie kommen zwei ältere Menschen zusammen, die schon einmal in einer längeren Beziehung gelebt haben? Wie viel Rücksichtnahme ist notwendig und wie viel persönliche Eigenheiten kann ich mir erhalten? Wie kann ich ein neues Leben gestalten, ohne mein altes und gewohntes Leben zu verlieren?

Das alles in einem leichten Vortrag aufgearbeitet und mit persönlichen Erlebnissen angereichert ergibt eine Mischung, der sich die Besucher in der Harzberghalle offensichtlich gern hingaben. Margot Käßmann: „Wenn wir uns nicht gemeinsam auf die Reise gemacht hätten, wären wir nie hier in Großbottwar gelandet.“

Erzählen Sie uns IHRE Liebesgeschichte

Adam und Eva in der Bibel, Ödipus und Iokaste in der griechischen Mythologie, Aschenputtel und ihr Prinz im Märchen, Tarzan und Jane im Film und natürlich Romeo und Julia in der klassischen Literatur: Ihre Liebesgeschichten kennt eigentlich jeder. Es sind Geschichten, die unter die Haut gehen und zu Tränen rühren, auch wegen des teilweise tragischen Endes.

Häufig sind es aber auch Paare, die einen Denkanstoß geben, vielleicht weil ihre Liebe anders ist. Früher waren kaum homosexuelle Partnerschaften auf den Bildschirmen zu sehen, heute gibt es doch einige Shows, wie zum Beispiel „Princess Charming“, die lesbische Variante der Bachelorette. Sie zeigen vor allem eines: Liebe ist, Menschen zu finden, die einen akzeptieren und lieben, so wie man ist – bedingungslos.

Und darum soll es in einer neuen Serie der Ludwigsburger Kreiszeitung gehen: Zeigen Sie uns, was wahre Liebe ist! Wie haben Sie sich kennengelernt? Was macht Ihre Liebe so besonders? Egal ob Jung oder Alt, melden Sie sich bei uns und wir berichten darüber. Bitte per E-Mail an kreisredaktion@lkz.de. Die Redaktion behält sich eine Auswahl vor. (pat)

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