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Bürgermeisterwahl

Markgröningens Rathauschef Rudolf Kürner auf seiner letzten Runde

Die Amtszeit des Markgröninger Langzeitschultes Rudolf Kürner läuft noch bis Mitte Mai. Doch die Kommunalpolitik bastelt ihm bereits Girlanden.

Kann sich nicht mehr als Bürgermeister vom Schäferlauf verabschieden: Markgröningens Rathauschef Rudolf Kürner mit Günther Oettinger und Altlandrat Rainer Haas auf Kutschfahrt im Jahr 2005. Archivfoto: Drossel
Kann sich nicht mehr als Bürgermeister vom Schäferlauf verabschieden: Markgröningens Rathauschef Rudolf Kürner mit Günther Oettinger und Altlandrat Rainer Haas auf Kutschfahrt im Jahr 2005. Foto: Drossel

Markgröningen. Bei Sechstagerennen gibt es einen schönen Brauch. Mit einer Glocke wird die letzte Runde eingeläutet. Fast wirkte es zuletzt auch im Markgröninger Gemeinderat so, als könne man das Läuten hören – zumindest aber wurde in den Haushaltsreden der Fraktionssprecher klar, dass sie Bürgermeister Rudolf Kürner, der seit rund 32 Jahren in Markgröningen regiert, auf seine letzte Runde geschickt haben. Am 20. Februar wird sein Nachfolger gewählt, ehe Kürners Amtszeit dann am 14. Mai zu Ende geht und für ihn der Ruhestand beginnt. Zehn Tage vor Bewerbungsschluss am 24. Januar sind nach wie vor vier Kandidaten im Rennen: der Oberriexinger Stadtkämmerer Jens Hübner, die GAL-Ratsherren Matthias Röttgermann und Arndt Zwicker sowie Stephan Reh, der Vorsitzende des Elternbeirats der Landern-Grundschule.

Eines scheint klar zu sein: Es wird anders

„Eines ist sicher“, sagte die CDU-Stadträtin Claudia Thannheimer im Gemeinderat, „es wird anders werden als zuvor.“ Dem Schultes Kürner attestierte sie, für ein konstruktives Miteinander im Gremium gesorgt und die Ratsmitglieder „seit Jahrzehnten im Zaum gehalten“ zu haben. Der Markgröninger SPD-Fraktionschef Pedro Fernandes rief Kürner zu: „Sie haben diese Stadt geprägt und vorangebracht.“ Fernandes war selbst einige Wochen als Kürner-Nachfolger im Gespräch. Allerdings verzichtete der Betriebswirt dann doch auf eine Kandidatur, weil ihm der nötige Verwaltungsbackground fehle.

Auf der Habenseite des amtierenden Bürgermeisters stehen laut dem SPD-Politiker neu geschaffene Wohngebiete, die Belebung der Industrie, die Umsetzung der Ortsumfahrung, die Ausweisung von Sanierungsgebieten oder die Einführung der Ganztagsbetreuung für Kinder unter drei Jahren.

Fernandes machte aber auch deutlich, dass Kürner „einiges einstecken“ musste. Die Sanierung des Bildungszentrums für mehr als 30 Millionen Euro lief finanziell aus dem Ruder und brockte der Stadt einen Schuldenberg im zweistelligen Millionenbereich ein. Seitdem hat die Kommunalaufsicht ein besonderes Auge auf die Markgröninger Haushalte und fordert, Kosten einzusparen und Einnahmen zu erhöhen. Im vergangenen Jahr scheiterten Kürner und sein Kämmerer Klaus Schmelzer bei dem Versuch, an der Grundsteuerschraube zu drehen. Außerdem blieben Projekte in der Warteschleife hängen, worauf sich Rathaus und Politik gegenseitig Blockade vorwarfen.

Zusammen stehen beide Seiten, wenn es um den Schäferlauf geht. Für die SPD ist Kürner der Hüter „unseres großen Traditionsfestes“. Die Freien Wähler bedauern es, dass sich der Schultes vom Schäferlauf nicht mehr im Amt verabschieden kann, in den vergangenen beiden Jahren verhinderte die Seuche das Spektakel in der Altstadt und auf dem Stoppelfeld. „Sie haben die Stadt in den vergangenen 32 Jahren 30-mal auf dem Schäferlauf vertreten“, sagte der Fraktionschef Matthias Reutter. „Beim Schäferlauf war die politische Prominenz des Landes vertreten – ob Günther Oettinger, Winfried Kretschmann, Nils Schmid oder viele andere.“

Kürner verspricht „volles Engagement“ bis zum Schluss

Kürner selbst sieht sich noch nicht auf Abschiedstour. „Meine Arbeit geht in den kommenden Monaten normal weiter“, sagt er unserer Zeitung, „und zwar mit vollem Engagement.“ Als Projekte nennt er die Reaktivierung der Stadtbahn, die neue Kita in Unterriexingen oder das interkommunale Gewerbegebiet bei Bosch. Außerdem will der Schultes die Sanierung der Landern-Grundschule vorantreiben, einen Standort für eine neue Kita in Markgröningen auswählen und die Erweiterung der Unteren Kelter zu einem größeren Verwaltungssitz forcieren. Mit dem Stuttgarter Regionalverband hat Kürner vor, auf einen gemeinsamen Nenner beim Flächennutzungsplan zu kommen, der Markgröningens Entwicklungschancen der nächsten 30 Jahre skizzieren wird.

Die Ausgestaltung wird aber Sache seines Nachfolgers werden, eine Nachfolgerin scheint nicht in Sicht zu sein. „Unsere Fraktion wird mit dem neuen Bürgermeister gut zusammenarbeiten“, sagt der Freie Wähler Reutter. „Wir werden ein konstruktiver und fairer Partner sein.“ Der SPD-Fraktionschef Fernandes stellt aber auch klar: „Die Messlatte liegt hoch.“

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