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OB-Wahl

„Mehr Proteststimmen als erwartet“

Für die Fraktionsvorsitzenden ist das gute Abschneiden von Stephan Muck sehr überraschend.

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Bietigheim-Bissingen. Er war nach Bekanntgabe seiner Kandidatur von vielen nur als Außenseiter gesehen worden – doch am Tag nach der Wahl zeigen sich viele Kommunalpolitiker noch überrascht über das Abschneiden von Stephan Muck, Wengerter, Wirt und Stadtrat der Freien Wähler – selbst der langjährige Kessing-Kritiker Georg Mehrle (FDP) hatte mit maximal 35 Prozent für ihn gerechnet. Wohl auch deshalb teilte der Gegenbewerber für OB Jürgen Kessing (SPD) am Montag noch einmal „Freude und Stolz über das tolle Ergebnis“ mit.

Kein Wunder, schließlich hatte Muck wie berichtet 43,5 Prozent der abgegebenen Stimmen auf sich vereinen können – in vier Wahlbezirken lag er gar vorne –, Kessing kam auf 54,7 Prozent. Er selbst sei wohl „der einzige im Gemeinderat, der die Situation richtig eingeschätzt hat“, so Muck. Er versprach, nun „gestärkt durch das Ergebnis mein Engagement im Stadtrat fortzusetzen“. Und er werde „weiter nah bei den Bürgern sein und deren Interessen vertreten“. Genau das fehle mittlerweile bei Kessing, so die Kritiker. Der Zuspruch für den OB sei nicht so groß, wie er das darstelle, sagte auch Claus Stöckle (CDU). Kessing sollte darüber durchaus nachdenken, und nicht nur mit dem Finger auf andere zeigen , so Stöckle mit Blick auf Äußerungen des OB, der das Ergebnis in einer ersten Reaktion auf die niedrige Wahlbeteiligung von 38 Prozent und eine Angst vor dem Coronavirus begründete. Ähnlich äußerte sich Kessings Parteifreund und Chef der SPD-Fraktion, Thomas Reusch-Frey, der nicht „mit so vielen Proteststimmen gerechnet hat“. Das Ergebnis spiegele aus seiner Sicht nicht die Stimmung in der Bevölkerung wider. Und auch die Gegenstimmen kämen nicht zwingend aus einer Unzufriedenheit mit Kessing heraus, sondern wegen einer „Aversion gegen die da oben“. Doch das sei in Bietigheim-Bissingen „Jammern auf hohem Niveau“, sagte Traute Theurer (GAL), die es sich „deutlicher gewünscht“ hätte für Kessing. Für viele hätte offenbar nicht gezählt, dass Muck keine Verwaltungserfahrung und stattdessen nur viel versprochen habe.

Und das tut der Mann, der „sich nicht als Verlierer fühle“, auch in seiner Mitteilung vom Montag, überschrieben mit „Die Inhalte bleiben“ – er hatte sich vor allem für Bissingen und ein Kulturzentrum anstelle des zum Abriss vorgesehenen Hallenbads eingesetzt. Muck ist nun gespannt, wie das Verhältnis bei künftigen Ratssitzungen sein wird, schließlich habe es durchaus unschöne Vorwürfe gegeben, vor allem wegen angeblich zerstörter Kessing-Wahlplakate. Da sei eine Grenze im Umgang erreicht worden.

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