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Schäferlauf
Mehr Tickets, mehr Geld von Firmen

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Die Zuschauerränge auf dem Stoppelfeld sind zum Rennen, den Tänzen oder den Auszügen aus dem Festspiel voller gewesen als etwa im Jahr zuvor, so die Verantwortlichen.Fotos: H. Wolschendorf
Die Zuschauerränge auf dem Stoppelfeld sind zum Rennen, den Tänzen oder den Auszügen aus dem Festspiel voller gewesen als etwa im Jahr zuvor, so die Verantwortlichen.Fotos: H. Wolschendorf
Den Abschluss markiert traditionell das Feuerwerk am Montag.Foto: Karsten Thalau
Den Abschluss markiert traditionell das Feuerwerk am Montag.Foto: Karsten Thalau
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Der erste Schäferlauf mit dem Titel als immaterielles Kulturerbe ist am Montagabend zu Ende gegangen. Auch wenn noch nicht alle Zahlen vorliegen: Veranstalter, Polizei und DRK ziehen eine positive Bilanz.

Markgröningen. Eigentlich ist der Schäferlauf seit Jahrhunderten das Gleiche, es gibt das Rennen selbst, das Festspiel mit dem treuen Bartel, den Umzug zur Bartholomäuskirche und raus aufs Stoppelfeld in Begleitung von viel Lokalprominenz sowie die verschiedenen Märkte – doch diesmal kann man die Zeitrechnung wieder auf das Jahr 1 stellen. Zumindest, wenn man im Vorfeld die Verantwortlichen hörte, die immer wieder auf den von der Unesco verliehenen Titel als immaterielles Kulturerbe verwiesen, den die Organisation Ende 2018 dem Schäferlauf – auch den Festen in den Partnerkommunen Wildberg und Bad Urach – offiziell verliehen hatte.

Wie viel diese Auszeichnung, die bundesweit nur 97 „lebendige Kulturformen“ wie etwa das Sternsingen oder die schwäbisch-alemannische Fastnacht inne haben, tatsächlich bringt, lässt sich direkt nach dem Abschluss nicht in Zahlen fassen, so Bürgermeister Rudolf Kürner. Für ihn hat der Schäferlauf aber auch so schon deutlich gewonnen. Geschätzt mehr als doppelt so viele Eintrittskarten für das Stoppelfeld seien verkauft worden, sagt er. Auch am Rand des Festzugs, der wieder die 2018 eingeführte Route ohne die enge Ostergasse nahm, sei es voller gewesen als beim letzten Mal. Vorab hatte Kürner mit rund 100.000 Besuchern gerechnet.

Auch der Schäferlauf-Sprecher Günther Mertz zieht eine positive Bilanz, er habe von der Resonanz der vergangenen Tage einen „sehr sehr guten Eindruck“ gewonnen. Und das gelte nicht nur mit Blick auf die Besucherzahlen in der Stadt und auf dem Stoppelfeld, sondern auch qualitativ, wie er es nennt. „Es war ein tolles Publikum, das viel Beifall gespendet hat.“ Vor allem auch, wenn er in seinen Moderationen immer mal wieder den Unesco-Titel erwähnt habe – was ihn beim ersten Mal auch überrascht habe. „Aber das zeigt, dass das Interesse an der Auszeichnung doch nicht marginal ist“, spielt er auf die Zweifel an, ob sich der Titel auszahlt.

Doch das scheint es auch mit Blick auf das Finanzielle zu tun – schließlich ist der Schäferlauf defizitär und Markgröningen im zweistelligen Millionenbereich verschuldet. Zum ersten Mal habe die Stadt ein Sponsorenkonzept erstellt und bei Unternehmen aktiv um Unterstützung geworben, es gab Bandenwerbung auf dem Stoppelfeld und eigens produzierte Infotafeln zum Festgeschehen, auf denen man die Namen ebenfalls lesen konnte. Für eine Premiere sei die „Bereitschaft doch sehr ansehnlich“ gewesen, sagt Mertz.

Und er nennt noch mehr Neuerungen, die man als Gesamtpaket ansehen müsse, das auch wegen des Unesco-Titels geschnürt wurde. Da wären zum einen die beiden neuen Gruppen beim Festzug, was von der Unesco wegen der Einbindung der Bevölkerung gelobt worden sei. Aber auch für die Besucher selbst wurde mehr getan, mit dem Ausbau des Busshuttle-Verkehrs und dem Online-Service für den Kartenverkauf. Besucher von weiters weg hätten bislang immer vorher einmal herfahren oder auf gut Glück kommen und hoffen müssen, dass es noch Tickets für das Festspiel oder das Stoppelfeld gibt – nun war der Kauf bequem von zuhause aus möglich, so Mertz.

Doch bei einem Aspekt gibt es zum Abschluss wenig zu berichten – was ebenfalls positiv ist. Denn sowohl Polizei wie auch DRK sprechen von einem „ruhigen und nahezu störungsfreien“ Fest. Es habe nur zwölf Anzeigen gegeben, drei davon wegen Körperverletzung. Das Rote Kreuz hatte 250 Alarme verzeichnet, 95 Personen mussten medizinisch versorgt werden, sechs davon kamen in ein Krankenhaus. Ein Notarzt sei nicht gefordert gewesen, so der Vorsitzende Georg Hoppe. Gründe, warum das DRK eingreifen musste, waren seiner Statistik nach vor allem Kreislaufprobleme, Insektenstiche und ein Ausnahmezustand infolge hohen Alkoholkonsums – was vermutlich jedes Jahr tatsächlich das Gleiche sein dürfte.