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Auszeichnung

Meisterfeier im eigenen Wohnzimmer

Handwerkskammer Region Stuttgart erhebt 632 Absolventen auf digitalem Weg in den Meisterstand – Ministerpräsident Kretschmann grüßt per Video

Im Studio: HWK-Präsident Rainer Reichhold im Gespräch mit Moderatorin Angela Julie Wadenpohl. An der Tür: Bote Matthias Winter (links) und Leandro Costa mit Meisterbrief.Fotos: HWK/Ramona Theiss
Im Studio: HWK-Präsident Rainer Reichhold im Gespräch mit Moderatorin Angela Julie Wadenpohl. An der Tür: Bote Matthias Winter (links) und Leandro Costa mit Meisterbrief. Foto: HWK/Ramona Theiss
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Stuttgart/Ingersheim. Mit einer digitalen Meisterfeier unter dem Motto „Egal wo du bist“ hat die Handwerkskammer Region Stuttgart (HWK) am Freitagabend neue Formate ausprobiert. Viele Meisterbriefe wurden dennoch persönlich übergeben – an der Haustür. Unter Einhaltung der Coronaregeln entstand so das maximal mögliche Maß an Nähe.

Während vor einem Jahr noch über 2500 Gäste gemeinsam in der Stuttgarter Messe feierten, wurde die Veranstaltung nun erstmals per Livestream in die Wohnzimmer der 632 Absolventen übertragen. Um dennoch in Kontakt zu stehen, konnten sie Fotos und Videos von ihrer Feier zu Hause in Sozialen Medien posten, die dann von einer Redaktion aufbereitet und während der Veranstaltung gezeigt wurden. Für die Übergabe der Meisterbriefe in 28Gewerken von Bäcker bis Zimmerer waren in der Region zudem zahlreiche Boten unterwegs. Einige wurden von mobilen Kamerateams begleitet, sodass das Publikum an den Hausbesuchen teilhaben konnte. So bekamen Julia Drexler in Kirchberg und Marc Tonhäuser in Erdmannhausen ihre Meisterbriefe als Metallbauer überreicht und brachen mit dem Boten vor laufender Kamera in Jubel aus.

Abseits der Kamera konnte sich bereits zu Beginn der Feier Leandro Costa in Ingersheim über ein Lebkuchenherz und seinen Meisterbrief im Behälter- und Apparatebau freuen, wie er im Gespräch erzählt. Vorab hatte er wie die anderen Absolventen ein Partypaket mit Snacks, einer Partybrille und Konfetti erhalten. Am Abend klingelte bei ihm der Mundelsheimer Matthias Winter, Mitglied des Meisterprüfungsausschusses im Elektrohandwerk. „Die persönliche Übergabe fand ich recht gut“, so Leandro Costa, der bei Rieger Behälterbau in Bietigheim-Bissingen arbeitet. Denn so hatte er gleich noch die Gelegenheit, sich mit dem Boten über die berufliche Zukunft zu unterhalten. Den Live- stream seiner Meisterfeier schaute der 22-Jährige dann bei einem Abendessen mit Eltern, Bruder und Freundin an. „Man hat das Beste aus der Situation gemacht“, fand auch Matthias Winter. Doch bei der Erinnerung an seine eigene Meisterfeier vor zehn Jahren, wünschte er sich für die künftigen Meister eine Rückkehr zum alten Format.

Den digitalen Abend moderierte Angela Julie Wadenpohl aus einem TV-Studio in Ludwigsburg, wo sie nacheinander mehrere Gäste empfing. Während HWK-Präsident Rainer Reichhold in Anzug und Krawatte erschien, trug Hauptgeschäftsführer Thomas Hoefling Staude und Weste. Denn auch er machte sich im Anschluss in einem kleinen Fiat auf den Weg, um Meisterbriefe zu überbringen.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) grüßte die Jungmeister mit einer Videobotschaft, in der er die Bedeutung des Handwerks hervorhob. Es sei viel mehr als ein bloßer Wirtschaftssektor und präge unser Lebensumfeld: „Das Handwerk ist auch Heimat.“ Lob gab es zudem für die Verlegung der Veranstaltung ins Digitale: „Sie lassen sich eben nicht von Corona ins Handwerk pfuschen.“ Auch der in Stuttgart geborene Rapper und Singer-Songwriter Max Herre gratulierte per Videobotschaft.

Einige Male wurde zwischendurch ins Forum der Handwerkskammer in Stuttgart geschaltet, wo sich Moderator Rafael Treite mit zwei Handwerkerinnen über ihre Meisterstücke aus den Bereichen Tischlerei und Mode unterhielt. Ein Video mit weiteren Meisterstücken machte deutlich, welche Vielfalt sich hinter den Handwerksberufen verbirgt. Im Forum wurden auch einige der diesjährigen Bestmeister persönlich ausgezeichnet. Die Namen der weiteren Bestmeister wurden vorgelesen, darunter die Zahntechnikerin Barbara Blum aus Schwieberdingen.

Gegen Ende des Abends nahm Rainer Reichhold die Erhebung in den Meisterstand vor. „Als Meister haben Sie nun alle Möglichkeiten: Sie können mehr verdienen. Sie können selbst ausbilden. Und vor allem: Sie können einen Betrieb übernehmen oder gründen“, machte er die Jungmeister auf ihre neuen Chancen aufmerksam. Erstmals dürfen sich die Meister zusätzlich „Bachelor Professional“ nennen. So soll laut Reichhold die Gleichwertigkeit von Berufsausbildung und akademischer Bildung zum Ausdruck kommen. Die Nationalhymne zur Erhebung sang der Neue Kammerchor Heidenheim – ebenfalls als Videoaufzeichnung.

Während des Livestreams konnten die Zuschauer Fragen an Rainer Reichhold stellen. Viele wollten wissen, wann die von der Landesregierung in Aussicht gestellte Meistergründungsprämie komme. Der HWK-Präsident antwortete darauf mit einem dringenden Appell: „Wir brauchen diese Gründungsprämie, und zwar jetzt.“ Denn die Meistergründungsprämie sei zwar bereits vom Landtag beschlossen worden, wann sie aber konkret umgesetzt werde, sei noch unklar. Die neue Meisterprämie wurde hingegen bereits ab Anfang 2020 eingeführt, sodass jeder Meisterabsolvent nun 1500 Euro erhält.

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