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Mit Plakaten gegen geplantes Neubaugebiet am „Schöckinger Weg“

Zahlreiche Anwohner zu Gast im Gemeinderat, als es um die Umlegung für den „Schöckinger Weg“ geht

Einige Anwohner halten Plakate vor sich, auf denen sie sich gegen Hochhäuser und die geplante Verkehrserschließung wehren.Foto: Julia Schweizer
Einige Anwohner halten Plakate vor sich, auf denen sie sich gegen Hochhäuser und die geplante Verkehrserschließung wehren. Foto: Julia Schweizer

Hemmingen. Es war eigentlich nur eine Formalie, die auf der Tagesordnung des Hemminger Gemeinderats stand, ein kleiner Schritt auf dem Weg hin zu einer möglichen neuen Wohnbebauung am südlichen Ortsrand. Doch der Punkt „Anordnung der Umlegung und Bildung eines Umlegungsausschusses“ für das etwa drei Hektar große Baugebiet Schöckinger Weg hatte mit gut zwei Dutzend ungewöhnlich viele Besucher in die Sitzung getrieben. Manche hielten stumm gelbe Plakate, auf denen sie sich gegen Hochhäuser wandten und auf den befürchteten Verkehrskollaps aufmerksam machten. Drei von ihnen nutzten zudem die Bürgerfragestunde zu Beginn, um ihren Unmut kundzutun.

Die zwei, drei bestehenden Straßen, die zur Erschließung gedacht sind, seien zu eng, teils ohne Gehweg, und könnten die geschätzt 450 zusätzlichen Fahrten nicht aufnehmen, so eine Anwohnerin. „Jede dritte Minute fährt so ein Auto rein oder raus. Dann haben wir zwei neue Autobahnen durch Hemmingen.“ Auch ein weiterer Anwohner kritisierte die aus seiner Sicht unzureichende Verkehrsplanung. Dabei sei das seit 40 Jahren in unterschiedlichster Ausprägung immer wieder Thema – und die Gemeinderäte und der Bürgermeister sollten deshalb endlich einmal über das Ende ihrer Amtszeiten hinaus denken. „Klar, eine zusätzliche Erschließungsstraße kostet, aber auf die Zeit gesehen rechnet sich das“, sagte er.

Bürgermeister Thomas Schäfer, der sich angesichts der Regung zu diesem Zeitpunkt erstaunt zeigte – Ende 2019 war das Verfahren eingeleitet und im März lang diskutiert worden –, wies in seinen Antworten vor allem auf die Zwänge hin. Zum einen sei auch eine höhere Bebauung vorgeschrieben, durch den Verband Region Stuttgart, aber ebenso vom Gremium gewünscht, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Und der Verkehr werde in der Tat zunehmen, allerdings von einem derzeit sehr niedrigen Niveau, die prozentuale Steigerung wirke deshalb freilich enorm. Zudem sei eine zusätzliche Erschließung durchaus geplant, und zwar zur Freiherr-von-Varnbüler-Straße. Doch weil das neue Baugebiet beschleunigt mithilfe des Paragraphen 13b entwickelt werden soll, sei noch keine Zeit gewesen, die Straße konkret anzugehen.

Formalien bei einer Enthaltung abgesegnet

Fest steht dagegen, wer Teil des Umlegungsausschusses wird: er ist deckungsgleich mit den Mitgliedern des Ausschusses für Umwelt und Technik. Sie entscheiden nun, welche Spielregeln gelten sollen, wie Grundstücke bewertet werden und wie die Verhandlungen mit den Eigentümern ablaufen, etwa wenn es um den Flächenabzug für öffentliche Wege oder die Zuweisung von Bauplätzen geht. Wie ein großes Puzzle, so der beauftragte Vermessungsingenieur Guido Hils, füge sich dabei alles zusammen.

Und das gilt quasi auch für den weiteren Ablauf – denn der Gemeinderat hat dem Tagesordnungspunkt zwar zugestimmt. Viele weitere Schritte sind aber noch zu tun – und das Baugebiet ist noch lange nicht vor der Umsetzung. Zum einen, weil auch in den folgenden Haushaltsreden einige Fraktionschefs erneut ihre Kritik und Bauchschmerzen vorbrachten. Und zum anderen, weil auch alle Grundstückseigentümer mitmachen müssen. Derzeit – das erfuhren die Zuhörer auf Frage eines Anwohners, der damit offenbar auf Probleme andernorts mit zähen Verhandlungen mit Immobilienfirmen anspielte – ist nur eine Fläche im Besitz der Gemeinde, die übrigen drei sind in privater Hand.

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