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Motorbootmeisterschaft
Motorboot-Meisterschaft in Benningen: Eine Randsportart mit Familienanschluss

Rennatmosphäre auf dem Neckar. Der MBC Benningen richtete am Wochenende die Jugendlandesmeisterschaften aus. Fotos: Ramona Theiss
Rennatmosphäre auf dem Neckar. Der MBC Benningen richtete am Wochenende die Jugendlandesmeisterschaften aus. Fotos: Ramona Theiss
Rennatmosphäre auf dem Neckar. Der MBC Benningen richtete am Wochenende die Jugendlandesmeisterschaften aus. Fotos: Ramona Theiss
Rennatmosphäre auf dem Neckar. Der MBC Benningen richtete am Wochenende die Jugendlandesmeisterschaften aus. Fotos: Ramona Theiss
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Wettbewerbsatmosphäre herrschte am Neckarufer auf dem Gelände des Motorbootclubs (MBC) Benningen. Der Verein war am Wochenende Gastgeber der Jugend-Landesmeisterschaften.

Benningen. Die Teilnehmer starten beim Motorboot-Slalom in acht Altersklassen. Sie müssen sich auf Schlauchbooten möglichst schnell durch einen mit Bojen abgesteckten Slalomparcours kämpfen und dabei beweisen, dass sie verschiedene Manöver beherrschen. Wer eine Boje touchiert, wird mit Strafsekunden sanktioniert. Drei Durchgänge werden absolviert, das schlechteste Ergebnis gestrichen. Wenn die Wasserratten wieder Land betreten, ist Fingergefühl gefragt, denn auch Knotenkunde ist Teil des Wettbewerbs. Wer zum Beispiel den Kreuzknoten nicht perfekt ausführt, bekommt ebenfalls Strafsekunden aufgebrummt.

Geschicklichkeitsparcours auf Parallelstrecken

Am Sonntag steht dann der MS-11-Wettbewerb auf dem Programm. „Dabei handelt es sich um die kleinste Rennbootklasse“, erläutert Sandra Doderer, Leiterin der MBC-Jugendabteilung. Sie weist ausdrücklich darauf hin, dass ausschließlich mit Biosprit gefahren wird. Die MS-11-Starter müssen mindestens 14 Jahre alt sein und einen Geschicklichkeitsparcours mit Speedrunde zurücklegen. Beim Motorboot-Slalom sind die jungen Motorbootsportler alleine auf dem Wasser, in der MS-11-Konkurrenz liefern sie sich auf zwei Parallelstrecken KO-Duelle. Jeweils die drei Besten qualifizieren sich für die Deutschen Meisterschaften .

Im ganzen Land nur sechs Vereine

In ganz Baden-Württemberg gibt es nur sechs Motorbootsportvereine. Sie alle haben Sportler nach Benningen geschickt, insgesamt sind 42 Teilnehmer zwischen sechs und 27 Jahren am Start. Das Feld ist hochkarätig besetzt. Ron Bofinger (YC Plochingen) etwa hat 2014 die Europa- und Weltmeisterschaften im Parallelslalom gewonnen. Damals war er 13, schon mit sieben Jahren hat er mit dem Motorbootsport angefangen. Dass er gleich bei seinem ersten Versuch auf internationalem Terrain den Jackpot holte, war einem glücklichen Umstand geschuldet. „Ich bin damals wegen einiger Ausfälle in den Nationalkader gerutscht“, erzählt Bofinger. „Im Kadertraining konnte ich dann richtig viel mitnehmen und wurde perfekt auf den Wettbewerb vorbereitet.“

Auch Sebastian Doderer vom MBC Beningen hat schon auf internationalem Parkett abgeräumt: 2015 wurde er Vize-Weltmeister im Parallelslalom, im Motorboot-Slalom belegte er den dritten Platz. Bis heute nimmt er regelmäßig an Deutschen Meisterschaften teil. „Ich mache einen eher ungewöhnlichen Sport“, meint er, „aber es macht einfach Spaß“. Wer glaubt, dass der Motorbootsport ein elitäres Hobby ist, liegt übrigens falsch. „Die Boote werden vom Verein gestellt“, erklärt Doderer. „Das kann jeder machen, so wie jeder Mitglied in einem Fußballverein werden kann.“

Schlachtenbummler am Neckarstrand

Die Stimmung auf dem MBC-Vereinsgelände ist ausgelassen. Die Sportler haben Anhang mitgebracht und werden lautstark von ihren Schlachtenbummlern angefeuert. Dabei geht es allerdings ausgesprochen fair zu. Natürlich will jeder gewinnen. „Aber der Konkurrenzkampf ist nur auf dem Wasser da“, betont Jugendleiterin Doderer. „Zurück an Land verstehen sich alle wieder.“ Im Motorbootsport gehe es sehr familiär zu, es seien auch viele vereinsübergreifende Freundschaften entstanden. „Wir wissen, dass wir hier nicht Fußball spielen, sondern eine Randsportart betreiben“, sagt Doderer. „Aber diese Randsportart leben wir.“