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Müllchaos im Kreis Ludwigsburg: Bilanz nach erstem Monat fällt schlecht aus

Ein Müllauto des Entsorgers Alba. Die AVL sieht ihre Erwartungen an das Unternehmen im ersten Monat als nicht erfüllt. Fotos: Ramona Theiss
Ein Müllauto des Entsorgers Alba. Die AVL sieht ihre Erwartungen an das Unternehmen im ersten Monat als nicht erfüllt. Fotos: Ramona Theiss
In Löchgau reihen sich verschiedene Mülltonnen aneinander.
In Löchgau reihen sich verschiedene Mülltonnen aneinander.
Mit dem Jahreswechsel kam das Chaos: Das vom Landkreis Ludwigsburg für die Entsorgung der Restmüll- und Bioabfälle beauftragte Unternehmen Alba lässt haufenweise volle Tonnen zurück, und im Streit um den Austausch der vielfach unbeliebten blauen Altglasboxen gegen 120-Liter-Tonnen ist kein Ende in Sicht. Nach einem Monat steht fest: Es ist noch viel Luft nach oben.

Kreis Ludwigsburg. Noch immer melden sich zahlreiche Leser unserer Zeitung und schildern ihre schlechte Erfahrung mit der Müllentsorgung. So schreibt Wolfgang Herbert aus Murr am Dienstag, dass die Restmüllabfuhr nicht, wie im Abfallkalender angekündigt, am Montag erfolgte. „Leider stehen in unserer Zeppelinstraße heute Morgen die vollen Restmülltonnen noch immer nicht geleert vor den Häusern“, wandte er sich an unsere Redaktion sowie an die Abfallverwertungsgesellschaft des Landkreises (AVL).

Auch der Tausch der Glasboxen gegen Tonnen beschäftigt die Nutzer nach wie vor. So hat Peter Vieres aus Tamm bereits am 5. Dezember eine blaue 120-Liter-Tonne für seine Glasbox angefordert. Doch selbst eine zweite Glasbox, die er am 10. Januar orderte, hat er bis Montag dieser Woche noch nicht erhalten. Und Familie Ulrich aus Vaihingen-Horrheim macht per E-Mail deutlich: „Wir möchten keinen zweiten, dritten oder weiteren blauen Korb. Wir können gut darauf verzichten, dass die Nachbarschaft erfährt, was bei uns gegessen und getrunken wird. Wir möchten eine blaue Tonne!“

Nach dem ersten Monat Zusammenarbeit mit Alba sieht die Bilanz seitens der AVL schlecht aus. „Unsere Erwartungen an Alba wurden im ersten Monat nicht erfüllt, auch wenn wir zuletzt Verbesserungen erkennen“, teilt AVL-Sprecher Markus Klohr auf Anfrage unserer Zeitung mit. In den ersten drei Wochen seien mehrere Tausend Bio- und Restmüllbehälter nicht wie geplant geleert worden. Auch bei der Abarbeitung von Reklamationen hatte Alba massive Probleme. Von den Schwierigkeiten sei der gesamte Landkreis betroffen gewesen. Reklamationen bei der AVL über nicht geleerte Behälter nehmen laut Markus Klohr inzwischen ab. Die AVL führt das darauf zurück, dass die Fahrer zunehmend ihre Touren und die Gegebenheiten vor Ort besser kennen. Zudem setze Alba zur Unterstützung vier weitere Fahrzeuge ein.

Die Ortskenntnis der Müllwerker wird besser

Dass die Leerung der Restmülltonnen auch nach einem Monat noch nicht flächendeckend funktioniert, erklärt Alba-Sprecherin Susanne Jagenburg erneut unter anderem damit, dass die Müllwerker eine gewisse Zeit benötigen würden, sich auf die ihnen unbekannten Örtlichkeiten einzustellen. Bei den Zwei-Rad-Tonnen befinde sich Alba jetzt im dritten Zyklus. „Somit wird die Ortskenntnis zwar besser, allerdings kommt es immer noch zu Ausfällen, weil einzelne Straßen oder Einfahrten vergessen oder übersehen werden“, teilt Jagenburg auf Anfrage mit. Alba arbeite eng mit der AVL zusammen, um auch diese Gebiete dauerhaft in den Griff zu bekommen.

Wenn vielerorts trotz Reklamation noch immer keine Müllabfuhr stattfindet, liegt das laut Jagenburg daran, dass die Schwierigkeiten zu Jahresbeginn dazu führten, dass zwischenzeitlich sehr große Mengen abgefahren werden müssen. Dadurch habe die Bearbeitung der Reklamationen etwas gelitten, was jetzt durch zusätzliche Kapazitäten kompensiert werden soll. Insbesondere bei den Vier-Rad-Tonnen ist Alba derzeit mit Mehrkapazitäten dabei, den Rückstand aufzuholen, „bis wir im Regelbetrieb sind“, wie Jagenburg mitteilt. Ein weiteres Problem für die Alba-Fahrer: Die großen Behälter können auf Wunsch der Kunden unter Einhaltung diverser Bedingungen vor Ort auch von einem bestimmten Behälterstandplatz geholt werden. Die AVL hat die genauen Standorte bei den Kunden abgefragt und an Alba weitergeleitet. Dennoch war es für die Fahrer offenbar nicht immer einfach, die Tonnen anzufahren. „Bis hier die einzelnen Standorte exakt ausfindig gemacht wurden, kostete es leider sehr viel Zeit“, räumt Jagenburg ein. „Hier können wir uns nur für die entstandenen Unannehmlichkeiten entschuldigen.“

Um das Abfuhrproblem geregelt zu bekommen, werden weiterhin Sonderschichten gefahren, wie die Alba-Sprecherin betont: „Wir fahren derzeit mit mindestens zwei Fahrzeugen täglich im Spätschichtbetrieb. Darüber hinaus setzten wir zum Abbau der aufgelaufenen Übermengen mehrere Fahrzeuge und erfahrene Teams ein.“ Inklusive der Abholung von Sperrmüll, E-Schrott und Altholz sowie mehreren Reklamationen hat Alba mehr als 30 Fahrzeuge im Landkreis im Einsatz. Entgegen anders lautender Gerüchte verfügen laut der Alba-Sprecherin alle Müllfahrzeuge über Navigationsgeräte sowie über Kartenmaterial zu den Touren mit speziellen Infos zu Engstellen, besonderen Orten und dergleichen. Die Tourenplanung werde von Alba-Fachleuten im Bereich Logistik und Disposition vorgenommen und sei für die Fahrer plausibel.

Wann sich Alba im Regelbetrieb befinden wird, ist noch Zukunftsmusik. „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir in der aktuellen Pandemiesituation und angesichts der steigenden Inzidenzzahlen hierzu kein konkretes Datum nennen können. Wir setzen alles daran, den Regelbetrieb schnellstmöglich herzustellen“, teilt Sprecherin Susanne Jagenburg mit. Im Januar hatte das Unternehmen im Übrigen mit elf Prozent quarantänebedingten Ausfällen zu kämpfen. Für die AVL ist unterdessen klar, dass die Müllabfuhr bald ordentlich funktionieren muss: „Wir erwarten von Alba, dass sich der positive Trend bei den Zwei-Rad-Regeltouren auch im Vier-Rad-Bereich zeitnah einstellt“, sagt Sprecher Markus Klohr.