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Museen stellen sich auf einen Sparkurs ein

Sie sind der Stolz jeder größeren Kommune – die Museen für die eigene Stadtgeschichte. Doch auch sie haben in der Pandemie zu kämpfen, waren teilweise geschlossen und mussten anschließend ein kleineres Programm fahren. Wir haben bei drei Stadtmuseen nachgefragt, wie die Zeit gelaufen ist. Und wie die Zukunft wird.

Bis vor wenigen Wochen war in Bietigheim eine große Fahrrad-Ausstellung zu sehen.Archivfoto: Alfred Drossel
Bis vor wenigen Wochen war in Bietigheim eine große Fahrrad-Ausstellung zu sehen. Foto: Alfred Drossel

Bietigheim-Bissingen/ Gerlingen/ Ludwigsburg. Natürlich müssen und mussten auch die Museen sich Gedanken machen, wie sie durch die Coronazeit kommen und wie sie später weiterarbeiten werden. Vergangene Woche traf sich der Museumsverband Baden-Württemberg, um sich mit dem Thema zu beschäftigen (siehe Kasten nebenan). Doch wie sind verschiedene Stadtmuseen im Landkreis über die Runden gekommen?

„Wir haben schnell reagiert und virtuelle Angebote gemacht. Doch es ist schon eine große Anzahl von Besuchern, die weniger in unser Museum gekommen ist“, sagt Catharina Raible, Leiterin des Hornmoldhauses in Bietigheim-Bissingen. Sie spüre allerdings, dass den Menschen die Kultur fehle, dass sie in den Museen die Dinge real sehen und Menschen treffen wollten.

Auf zu viel Virtuelles will Raible nicht setzen. Zwar habe man einen Vortrag auch über das Internet gestreamt, doch hauptsächlich versuche man, die Leute wieder in das Museum zurückzuholen. Jugendliche bekamen Basteltüten überreicht, für Erwachsene gab es kleinere Veranstaltungen. „Die jetzt beendete Fahrradausstellung lief ganz gut, doch unter dem Strich fehlen uns Besucher“, so Raible.

Das wird auch Auswirkungen auf die Zukunft haben. Als Nächstes folgt eine Ausstellung über die Farbe Orange und die 70erJahre, doch eines sei klar, zumindest im nächsten Jahr wird mehr aus dem eigenen Depot gemacht. Auch das Stadtmuseum müsse sich an der Sparrunde beteiligen.

Ähnlich sind die Erfahrungen im Stadtmuseum Ludwigsburg. „Klar müssen auch wir unseren Sparbeitrag von wenigstens zehn Prozent leisten. Daher werden wir nächstes Jahr keine Ankäufe tätigen. Wir müssen mehr Drittmittel einwerben – und wir werden auf mehr Kooperationen setzen“, sagt Museumsleiterin Alke Hollwedel. Doch den Besucherrückgang müsse man erst einmal verkraften. Vor allem die Schülergruppen seien stark zurückgegangen.

Auch in Ludwigsburg habe man versucht, mit kleinen Veranstaltungen und Basteltüten das junge Publikum zu halten. In den nächsten Jahren müsse man sich allerdings stärker analog und digital aufstellen. Auch dafür benötige man neue Partnerschaften. 2021 komme in Ludwigsburg eine Fotoausstellung, die Liebespaare in der Pandemie zeige. Dies sei aber ganz analog.

Das kleinste der drei Museen steht in Gerlingen. „Für uns war die Sache besonders schlimm. Wir waren ganz zu und wussten überhaupt nicht, wann wir wieder aufmachen können“, sagt die Leiterin Christina Vollmer. Ende Mai gab es dann wieder eine Ausstellung über Künstler im Lockdown. Dies sei für ihr Haus ein ganz neues Terrain gewesen. Seit Mitte September gebe es Kurzführungen mit einer Dauer von 15 Minuten mit verschiedenen Themen.

„Doch es fehlen die Dinge, die angefasst werden können. Auch Hörstationen sind ein Problem. Wir sind allerdings zu klein, um mehr auf soziale Medien oder Digitales umzustellen“, so Christina Vollmer weiter. Die Gerlinger Kommunalpolitik sei zwar dankbar für die Arbeit, die man leiste, doch klar sei auch, dass das Museum seinen Beitrag leisten müsse, wenn am Ende alles auf den Prüfstand komme.

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