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Corona

Musiker spielen für Musiker

Von Pop bis Rock, von Jazz bis Hip-Hop: Beim Picknick-Konzert im Stadion Regental in Remseck kamen Musikfans am Sonntag voll auf ihre Kosten. Und weil es sich um eine Benefizveranstaltung handelte, geht jeder eingenommene Euro an die Berufsmusiker der Stadt.

Mit ausreichend Sicherheitsabstand genießen die Zuschauer das Benefizkonzert im Stadion im Regental. Foto: Andreas Becker
Mit ausreichend Sicherheitsabstand genießen die Zuschauer das Benefizkonzert im Stadion im Regental. Foto: Andreas Becker

Remseck. „Dieses Konzert ist für uns Gold wert“, sagte Klaus Ackermann am Rande des Konzerts, das die evangelische Kirchengemeinde gemeinsam mit der Stadt Remseck veranstaltete. Der studierte Schlagzeuger leitet hauptberuflich zwei Chöre beim Liederkranz Neckargröningen (Rock und Pop sowie Gospel) und einen Gospelchor in Schorndorf. Er wird immer wieder von Bands engagiert und musiziert auch auf Hochzeiten und Beerdigungen. Mit dem Lockdown Mitte März wurde ihm, wie allen anderen Berufsmusikern, die Basis zum Geldverdienen entzogen. Von seinen 80 bis 90 Auftritten, die er sonst im Jahr hat, konnten lediglich 15 stattfinden. Auch seine Tätigkeit als Dozent an der Jungen Akademie Stuttgart musste er auf Eis legen. Bis Juli lebte er von 17 Prozent seines sonstigen Gehalts und Rücklagen. Seit Juli darf er unter strengen Auflagen wieder mit den Chören arbeiten, was sein Gehalt immerhin auf 50 Prozent hochschraubte. Die Hilfe vom Staat ist ein Tropfen auf dem heißen Stein. Anderen Künstlern ergeht es nicht anders. „Ich kenne einen Musiker, der jetzt als Landschaftsgärtner arbeitet“, sagte Ackermann.

Auch Sven Heine von Lautmacher.com Veranstaltungstechnik, der beim Benefizkonzert für den guten Ton sorgt, kann ein Lied von der Krise singen. Seit Mitte März sind rund 30 Mitarbeiter des Unternehmens in Kurzarbeit. „Wir hatten bis dahin ein stetiges Wachstum, das durch Corona gekappt wurde“, sagte Heine. Doch weil das Unternehmen gut gewirtschaftet und Rücklagen gebildet habe, „kommen wir ganz gut über die Runden“. Doch die Finanzen seien lediglich bis Ende des Jahres gesichert, weshalb er auf weitere Unterstützung hoffe.

Hilfe gab es jetzt auch von der evangelischen Kirchengemeinde und der Stadt. Nachdem Diakon Nathanael Maier die Idee zu dem Benefizkonzert hatte, reichte die Kirchengemeinde ein siebenseitiges Hygienekonzept bei der Verwaltung ein, das an wenigen Stellen ergänzt wurde. Innerhalb von acht Wochen wurde schließlich das Konzert auf die Beine gestellt. Klaus Ackermann lud mit seinen Kontakten die Musiker ein, die in Gruppen aber auch solo auftraten. Sie stammten allesamt aus Remseck und der näheren Umgebung. Von den 35 Musikern, die auf der Bühne loslegten, sind 14 Profis. Es spielten Change Over, Felix Hack, Lilia Huber, Mad-C, Ruben Fritz, Irina Schwertfeger, Till Ohlhausen mit der Trommelgruppe Taktlos, Lukas Großmann mit dem Lukas Diller Quartett und das Ennea Vokalensemble mit Klaus Ackermann.

Insgesamt sechs Stunden lang wurde im Stadion im Regental über den Tag verteilt vor insgesamt rund 400 Zuschauern musiziert. Durchschnittlich etwa 100 Interessierte verfolgten das Konzert außerdem im Livestream, der auf www.remseck-evangelisch.de zu sehen war. Das Geld, das die teilnehmenden Berufsmusiker der Stadt bekommen sollen, setzt sich aus dem Erlös vom Getränkeverkauf sowie aus Spenden zusammen.

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