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Historischer Mordfall

Nachfahren erhalten Belohnung

Für Hinweise zum 1835 verübten Mord am Bönnigheimer Stadtschultheiß Johann Heinrich Rieber ist seinerzeit eine Belohnung ausgesetzt worden. Es hat einige Zeit gedauert, doch jetzt hat Bürgermeister Kornelius Bamberger in den USA die damals ausgelobten 200 Gulden – 1000 Euro – an die Nachfahren übergeben.

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Bürgermeister Kornelius Bamberger (rechts) übergibt den Scheck an die Nachfahren Friedrich Rupps. Mit dabei ist sein US-Amtskollege Jud Ashman ( Zweiter von rechts).Foto: Bruce Guthrie

Bönnigheim. Stadtschultheiß Johann Heinrich Rieber wurde 1835 in der Nähe des Forstgefängnisses erschossen. 37 Jahre später konnte August Friedrich Rupp den entscheidenden Hinweis zum Mörder geben (siehe zweiter Text). Die Belohnung wurde allerdings nicht gezahlt. Die ehemalige US-Staatsanwältin Ann Marie Ackermann, die in Bönnigheim lebt, hatte über den Fall geforscht und bereits vor vier Jahren im Gespräch mit unserer Zeitung darauf hingewiesen, dass es eine tolle Sache wäre, wenn die Stadt Bönnigheim die Belohnung an die Nachfahren übergeben würde. Schultes Bamberger sagte zu, die Belohnung persönlich zu überbringen. Akribisch suchte derweil Ann Marie Ackermann die Adressen der Nachkommen von Rupp in den USA. Vier der fünf Urururenkel kamen nun zur Übergabe, die beim Buchfestival nach Gaithersburg bei Washington D.C. stattfand.

In Bönnigheim hatten sich Spender gefunden, die den USA-Flug des Bürgermeisters finanzierten. Bamberger wurde von seinem Sohn Marcus begleitet. Beim Buchfestival in Gaithersburg, nördlich der Hauptstadt Washington, stellte Ann Marie Ackermann ihr Buch „Death of an Assassin: The True Story of the Murderer“ vor, das von dem Mordfall an Rieber handelt. Das Buch ist in den USA ein Erfolg, am 27. Mai bekommt sie in New York eine literarische Auszeichnung verliehen.

Bürgermeister Kornelius Bamberger berichtet über die Übergabe und das Festival: „Es fand in einer Parkanlage neben dem Rathaus statt. Bürgermeister Jud Ashman hatte im Vorfeld dafür gesorgt, dass Frau Ackermann ihr Buch in jenem Pavillon vorstellen konnte, aus dem ein Spartensender USA-weit 45 Minuten live übertrug.“ Nach einem Vorwort habe Ackermann mit einer Power-Point-Präsentation sowohl ihr Buch als auch Bönnigheim vorgestellt.

Danach betrat Bamberger die Bühne, um die Belohnung in Höhe von 1000 Euro – 1200 Dollar – in Form eines überdimensionalen Schecks an die Rupp-Nachfahren zu übergeben. Eines der Familienmitglieder, Richard V. Humphreys aus Fanwood, bedankte sich im Namen der anderen vier Verwandten für die Übergabe des Geldes. Viel wichtiger als der Dollarbetrag sei aber für sie gewesen, einen wichtigen Teil der Familiengeschichte kennenzulernen, der ihnen bisher völlig unbekannt gewesen sei, berichtet Bamberger.

Am Tag davor hatten Bamberger und sein Sohn bei einem Rundgang durch Washington D.C. die Sehenswürdigkeiten besichtigt – beispielsweise das Lincoln Memorial, das Weiße Haus und das Capitol. Die 67 000-Einwohner-Stadt Gaithersburg gab für die Buchautoren des Festivals und die Bönnigheimer Delegation einen Empfang.

In lockerer Atmosphäre sei über Literatur, aber auch über das Weltgeschehen gesprochen worden, berichtet Kornelius Bamberger. Präsident Trump sei in dieser Runde sehr kritisch gesehen worden. Mit den anwesenden Mitgliedern des Gemeinderates sei auch Kommunales diskutiert worden. Erstaunlich sei gewesen, dass das Budget der deutlich größeren amerikanischen Stadt kaum höher sei als das Haushaltsvolumen von Bönnigheim, nämlich etwa 45 Millionen Euro (54 Millionen Dollar).

Kornelius Bamberger wertet den USA-Besuch als einen überragenden Erfolg mit einem nicht zu erwartenden Medienecho. Neben der Fernsehübertragung sei nicht nur in der örtlichen Zeitung, sondern auch in der Washington Post ein großer Artikel erschienen. Der Kontakt zu den Verantwortlichen bei der Stadt Gaithersburg und zu den Menschen sei überaus herzlich gewesen.