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Unwetter

Nacht mit Einsätzen im Minutentakt

Heftige Gewitter haben in der Nacht zum Mittwoch große Schäden im Kreis verursacht. Ein Autofahrer starb, nachdem er bei Aquaplaning die Kontrolle verloren hatte. In Ditzingen und Schwieberdingen stürzten Äste auf besetzte Wagen.

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Viele Einsätze fordern die Feuerwehren Ditzingen (oben) und Schwieberdingen (Mitte unten). Auf der A 81 bei Gerlingen stirbt ein Autofahrer bei einem Unfall auf nasser Fahrbahn. In Remseck kämpft die Feuerwehr vor allem gegen die Wassermassen. Fotos:
Viele Einsätze fordern die Feuerwehren Ditzingen (oben) und Schwieberdingen (Mitte unten). Auf der A 81 bei Gerlingen stirbt ein Autofahrer bei einem Unfall auf nasser Fahrbahn. In Remseck kämpft die Feuerwehr vor allem gegen die Wassermassen. Foto: Feuerwehr, 7aktuell (2), Rosar/dpa
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Strohgäu/Remseck. Eigentlich war das Schlimmste schon vorbei, am Mittwochmorgen kurz nach halb sechs. Das schwere Unwetter war gut sechs bis acht Stunden zuvor auch über den Kreis gezogen, hatte Bäume entwurzelt und Keller volllaufen lassen. Doch gegen 5.40 Uhr ziehen neue Gewitter mit Regen und Sturm von Westen her über das Strohgäu und weiter Richtung Bottwartal, weist der Dienst Kachelmannwetter aus.

Just zu diesem Zeitpunkt verlässt ein 60-Jähriger mit seinem Smart den Engelbergtunnel bei Gerlingen, will auf der A.81 Richtung Norden fahren. Doch er kommt nur wenige Meter weit. Vermutlich wegen der nassen und glatten Fahrbahn verliert er die Kontrolle, sein Wagen rutscht rechts in die Leitplanken, schleudert dann über alle Spuren. Das Auto prallt auf die Mittelleitplanke – so heftig, dass der Fahrer durch die Windschutzscheibe geschleudert wird und der Smart auf der Seite landet. Der Mann stirbt sofort. Auch auf der A.8 zwischen Heimsheim und Rutesheim sind Aquaplaning und unangepasste Fahrweise zur selben Zeit Grund für einen Unfall. Sechs Menschen werden verletzt.

Gefordert sind in den Unwetterstunden vor allem die Feuerwehren im Strohgäu, aber auch in Remseck, Ludwigsburg (19 Einsätze bis Mitternacht) und Kornwestheim. 92 Einsätze kreisweit verzeichnet die Leitstelle allein von 21.40 Uhr bis Mitternacht. 98 Notrufe gehen binnen der ersten Stunde ein, weshalb dienstfreie Mitarbeiter nachalarmiert werden, um mit bis zu elf doppelt so viele wie üblich zur Verfügung zu haben, so das Landratsamt.

Auch draußen sind die Kräfte stark gefordert. In Ditzingen sind 70 Feuerwehrleute im Einsatz. Die lange Nacht beginnt für sie um 21.46 Uhr mit einem Blitzeinschlag am Turm der katholischen Kirche. Ein Feuer zu den Rauchwolken finden sie zwar nicht. Dafür gehen weitere Meldungen im Minutentakt ein. Auch die über einen Astbruch in der Hohenstaufenstraße – direkt auf ein Auto. Die vier Insassen haben Glück, bleiben unverletzt, sagt Kommandant Andreas Häcker. Um sie aber zu befreien, muss die Feuerwehr den Weg frei sägen. Auch an anderen Stellen müssen Bäume und Äste von den Straßen geräumt werden. Auf dem Friedhof ist es damit noch nicht getan, denn zumindest heute muss er laut Rathaus gesperrt bleiben, bis die Gefahr durch weitere herabfallende Äste oder instabile Bäume behoben ist.

Die sorgen am späten Dienstagabend für mehrere Einsätze auf der B.10 rund um Schwieberdingen, der Abschnitt bis zur A.81 ist deshalb für rund drei Stunden gesperrt. Auch hier knallt ein Ast auf ein Auto, eine Frau und ein Kind können sich selbst befreien, den Fahrer muss die Feuerwehr herausholen. Aber auch hier haben alle Glück im Unglück, so der stellvertretende Kommandant Bodo Schmidt. Der Sturm wütet auf der Gemarkung so stark, dass er einen nahe der B.10 abgestellten leeren Lkw-Anhänger umstößt.

Auch anderes kann nicht standhalten. In Remseck-Hochberg bricht ein Dachständer auf einem Haus in der Neckarremser Straße ab, die Stromleitung stürzt hinab. Die Feuerwehr muss mit Drehleiter und einem Techniker der Energieversorgung anrücken und die Leitung trennen, um die größte Gefahr zu beseitigen, für einige Stunden sind die Anwohner ohne Strom. In der Wasenstraße in Neckargröningen werden Keller und Tiefgaragen überflutet.

Doch es sind mancherorts auch Gullydeckel, die dem vielen Wasser nicht standhalten können. In Ludwigsburg ist der Druck so stark, dass das hochschießende Teil einen vorbeifahrenden Bus in der Schlossstraße trifft. Fünf Fenster gehen laut Polizei zu Bruch, verletzt wird keiner der drei Insassen.

Folgen haben die Unwetter auch für den Bahnverkehr. In Korntal schlägt ein Blitz gegen 22.30 Uhr in Oberleitungen ein. Die Folge ist ein Kurzschluss in einer S.6, die S-Bahn muss abgeschleppt werden, erklärt ein Sprecher. Direkt betroffen sei nur „eine überschaubare Zahl an Reisenden“, die Verspätungen für S.4- und S.5-Züge in der Folge nur gering. Aber: Meteorologen warnen da schon vor weiteren Unwettern.

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