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ÖPNV

Neues Kapitel auf der Schusterbahn

Die Region hat den Weg für eine Betriebsstudie für eine Express-S-Bahn von Bietigheim über Ludwigsburg und die Schusterbahn in den Kreis Esslingen frei gemacht. Doch in die Euphorie mischt sich auch Skepsis.

Eine Schusterbahn steht im Kornwestheimer Personenbahnhof: An ihre Stelle soll nun eine Express-S-Bahn treten, die aber nur noch im Rangierbahnhof hält. Foto: Ramona Theiss
Eine Schusterbahn steht im Kornwestheimer Personenbahnhof: An ihre Stelle soll nun eine Express-S-Bahn treten, die aber nur noch im Rangierbahnhof hält. Foto: Ramona Theiss
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Kreis Ludwigsburg. Eine Viererallianz in der Stuttgarter Regionalversammlung ist sich einig. Auf der Schusterbahn zwischen Kornwestheim und Untertürkheim wird schon bald eine neue Zeitrechnung beginnen. Grüne, SPD, FDP und Linke prophezeien auf der Route, die auf die ehemaligen Salamanderarbeiter anspielt, rund 19.000 Fahrgäste an Werktagen, Entlastung für die S-Bahn-Linien 1, 4 und 5, den Stuttgarter Hauptbahnhof und die überlasteten Straßen – wenn sie Teil einer Express-S-Bahn zwischen Bietigheim, Ludwigsburg und dem Kreis Esslingen werden wird. „Wir gehen jetzt den logischen nächsten Schritt“, sagte der Grünen-Fraktionschef André Reichel am Mittwoch im regionalen Verkehrsausschuss, „und schlagen ein neues Kapitel auf der Schusterbahn auf“. Die Linken preisen das enorme Potenzial und die moderaten Investitionen, die für die Infrastruktur anfallen würden. Die SPD freut sich nach rund zehnjähriger Debatte über einen breiten Konsens, und die FDP preist die moderaten Betriebskosten, die mit neun Millionen Euro pro Jahr finanzierbar seien.

Doch bis die ersten Züge auf den vorhandenen Gleisen rollen werden, steht noch ein Betriebskonzept, das die Bahntochter DB Netz für rund 15.000 Euro nach der Sommerpause erstellen soll. Fest steht, dass die Rahmenbedingungen auf der Strecke nicht ohne sind. Die 11,5 Kilometer lange Schusterbahn nutzen auch 60 bis 80 Güterzüge am Tag. Auf der kompletten Trasse ist zudem Fern- und Regionalverkehr unterwegs. Darüber hinaus sollen die Gutachter erörtern, ob die Express-S-Bahn, Arbeitstitel S.11, auch in Markgröningen statt in Bietigheim starten könnte. „Das müssen wir jetzt klären lassen“, sagte der regionale Verkehrsdirektor Jürgen Wurmthaler gestern in Stuttgart.

Gut möglich, dass die S-Bahn zunächst in Abschnitten realisiert wird. Zum Start könnte ein halbstündiges Angebot zwischen Kornwestheim und Untertürkheim umgesetzt werden, dann Verlängerungen bis Esslingen, Plochingen, Ludwigsburg, Bietigheim oder Markgröningen.

Gerade die Verlängerung in den Kreis Ludwigsburg könnte sich als schwierig herausstellen. Hier müsste ein Überleitungsbauwerk entstehen, das bis zu 40 Millionen Euro kosten würde. Die Viererallianz will das Problem umschiffen, indem sie den Kornwestheimer Personenbahnhof von der Express-S-Bahn abhängt und die Züge über den Rangierbahnhof führt. Kein Thema auf absehbare Zeit ist zudem eine noch zu bauende Haltestelle am neuen Campus des Finanzkonzerns W&W (wir berichteten gestern). Das wurde im Verkehrsausschuss noch einmal deutlich. „Für uns ist das ein Wermutstropfen“, sagte die Ludwigsburger CDU-Regionalrätin Elke Kreiser. „Hier muss noch eine Lösung gefunden werden.“

Die Freien Wähler kritisieren unterdessen die „wacklige Wirtschaftlichkeit“ des Projekts. Der ehemalige Böblinger Landrat Bernhard Maier führte am Mittwoch ins Feld, dass auf der Schusterbahn derzeit „ein paar Hundert Fahrgäste“ unterwegs seien. „Es ist eine Illusion, dass wir auf 19.000 Fahrgäste kommen, wenn wir Kornwestheim von der S..11 abhängen“, so Maier. Nach seinen Berechnungen wären zudem zehn Fahrzeuge nötig, um den Betrieb stabil zu fahren. Die Freien Wähler (und die AfD) sehen jedenfalls „erhebliche Schwierigkeiten“, zeitnah eine schnelle S-Bahn zwischen den Kreisen Ludwigsburg und Esslingen zu installieren.

Das ist aber das Ziel der Antragsteller. „Es gibt keinen Grund, mit der Bestellung des Verkehrs auf S..21 zu warten“, behauptet der Stuttgarter Linke Wolfgang Hoepfner. „Alles spricht für die Schusterbahn.“

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