Logo

Corona

Nur mit negativem Test ins Heim

Zu Beginn der Coronapandemie waren die Alten- und Pflegeheime besonders gebeutelt. Inzwischen hat sich die Lage dort vor allem durch die Impfungen entspannt. Mit der neuen Coronaverordnung müssen Besucher der Einrichtungen allerdings strenger kontrolliert werden, was dort einen hohen Aufwand verursacht.

Ein Besucher des Kleeblatt Pflegeheim s Hemmingen wird auf das Coronavirus getestet. Nur bei einem negativen Ergebnis darf er in den Wohnbereich. Die Zugangskontrollen sorgen in den Pflegeeinrichtungen für einen hohen personellen Aufwand. Foto: Andre
Ein Besucher des Kleeblatt Pflegeheim s Hemmingen wird auf das Coronavirus getestet. Nur bei einem negativen Ergebnis darf er in den Wohnbereich. Die Zugangskontrollen sorgen in den Pflegeeinrichtungen für einen hohen personellen Aufwand. Foto: Andreas Becker

Kreis Ludwigsburg. Es war vor gut einer Woche, als eine Leserin gemeinsam mit ihrem Lebenspartner einen Angehörigen im Seniorenzentrum am Stadtgarten in Kornwestheim besucht hat. Am Eingang wunderte sie sich, dass weder nach ihrem Immunitätsnachweis gefragt wurde, noch eine Kontrolle darüber stattgefunden hat, ob sie sich registrieren würden. „Es gab einen schriftlichen Hinweis für die Anmeldung per Luca-App sowie als Alternative einen Stehtisch, an dem man ein Formular mit seinen Kontaktdaten ausfüllen konnte – kontrolliert hat das niemand“, wundert sich die Leserin. Dirk Fahrin, Leiter der Awo-Einrichtung, klärt auf: „Es gab zu dem Zeitpunkt keine Verpflichtung, das zu kontrollieren.“ Fahrin bestätigt, dass es für Besucher eine Aufforderung gibt, sich zu registrieren. Außerdem sollten Personen ohne Immunstatus in der Verwaltung oder im Wohnbereich unaufgefordert einen Testnachweis vorlegen. „Das war unsere bisherige Vorgehensweise“, so der Einrichtungsleiter.

Mit der neuen Coronaverordnung, die seit 24. November gilt, müssen die Besucher ungeachtet ihres Immunstatus ein negatives Testergebnis vorlegen. Ein Schnelltest von einer offiziellen Stelle darf nicht älter als 24 Stunden, ein PCR-Test höchstens 48 Stunden alt sein. Dafür wird das Awo-Heim zu gewissen Zeiten ,die noch festgelegt werden“, auch Schnelltests anbieten. „Zusätzlich werden wird das auch kontrollieren“, sagt Fahrin. Dass dies mit einem hohen personellen Aufwand verbunden ist, „bedenken die Entscheidungsträger nicht“, moniert er. In den frühen Morgen- und den Abendstunden, wenn weniger Publikumsverkehr ist, bleibt die Tür verschlossen, und die Besucher müssen klingeln.

Und wie verhält es sich im Seniorenzentrum am Stadtgarten mit den Infektionszahlen, die in manchen Kreisen des Landes nach oben schnellen? „Es ist ruhig“, freut sich Dirk Fahrin. Lediglich vor zwei Wochen habe es im Haus zwei Infizierte gegeben. Der Einrichtungsleiter führt gleich mehrere Gründe dafür an, dass es bei ihm zurzeit nur wenige Corona-Fälle gibt. So werden die Mitarbeiter täglich vor Dienstantritt getestet. Zudem seien über 90 Prozent der Bewohner und über 80 Prozent des Pflegepersonals geimpft. Die Hälfte der Bewohner hat zudem bereits Ende September ihre Auffrischungsimpfung erhalten. Wer noch nicht an der Reihe war, werde vom jeweiligen Hausarzt versorgt. Auch die geimpften Mitarbeiter würden nach und nach geboostert, hätten allerdings Schwierigkeiten, Termine zu ergattern. Auch wenn er gerade keine Infizierten zu beklagen hat, stehen Fahrin und sein Team weiterhin unter Hochspannung: „Bei den täglichen Infektionszahlen bin ich froh, wenn es keine stationäre Einrichtung trifft.“

„Wir haben in Asperg drei positiv getestete Bewohner, die in Absprache mit dem Gesundheitsamt in ihren Zimmern bleiben müssen“, sagt Stefan Ebert, Geschäftsführer der Kleeblatt-Pflegeheime, zuständig für 26 Häuser und vier Tagespflegen im Landkreis. Auch er führt die geringe Infektionsrate auf den Impfstatus zurück. „Weniger als zehn Prozent unserer Bewohner sind nicht geimpft; rund 60 Prozent haben bereits ihre Auffrischungsimpfung erhalten“, sagt Ebert. Nicht ganz so hoch sei die Impfbereitschaft bei den Mitarbeitern der Kleeblatt-Heime. Hier seien knapp über 70 Prozent geimpft. Dass mit der neuen Coronaverordnung insbesondere beim Empfang der Besucher ein höherer Aufwand betrieben werden muss, ärgert auch Stefan Ebert. „Das ist ein Wahnsinn und führt vor Ort bei den Pflegenden zu noch mehr Frust und Unverständnis“, sagt er. Aufgrund des erhöhten Personalaufwands insbesondere durch das Testen der Besucher sei es nötig, die Besuchszeiten noch mehr einzuschränken. Statt von 10 bis 19 Uhr haben die Kleeblatt-Häuser künftig von 10 bis 11.30 Uhr sowie von 14.30 bis 19.30 Uhr geöffnet. „Wir wollen, dass die Fachkräfte in der Mittagspause für die Bewohner da sind“, begründet Ebert die Maßnahme. Damit die Leute nicht einfach so in die Häuser spazieren, werden die Eingangstüren geschlossen. Besucher müssen dann klingeln, sich per Luca-App oder Formular registrieren und schließlich den Testnachweis vorlegen. „Auf diese Weise haben wir die Kontrolle in der Hand – schließlich muss jeder Besuch von uns dokumentiert werden“, so Ebert.

„Die Angst sitzt tief“, sagt Michaela Sowoidnich von der Regionaldirektion Ludwigsburg der Evangelischen Heimstiftung. Sie ist im Landkreis für acht Pflegeeinrichtungen zuständig. Zwei aktive Coronafälle gibt es derzeit in ihrem Zuständigkeitsbereich – einen Bewohner und einen Mitarbeiter. Eine deutlich bessere Situation als im Oktober, wo im Karl-Gerok-Stift in Vaihingen gleich 15 Bewohner positiv auf das Coronavirus getestet worden waren. „Das Virus verbreitet sich vor allem dann schnell, wenn Bewohner mit Demenz betroffen sind“, weiß Michaela Sowoidnich. Erschreckend sei in Vaihingen gewesen, dass von den 15 Betroffenen sieben dreifach geimpft waren. Dennoch: Die Impfquote der Bewohner in den Einrichtungen im Kreis liege bei 90 Prozent und sei damit sehr gut. Für die Boosterimpfung seien im September und Oktober mobile Impfteams in den Häusern gewesen. „Sorge bereitet mir, dass die Mitarbeiter keine Impftermine bekommen und in ihren Hausarztpraxen lange Wartezeiten teilweise bis Februar und März haben“, sagt Michaela Sowoidnich. Ihrer Meinung nach dürfe es ohnehin nicht sein, dass sich die Mitarbeiter einzeln um einen Impftermin kümmern sollen. Umso besser findet sie es, dass jetzt Mitarbeiterimpfungen in Bietigheim-Bissingen im Haus an der Metter und im Haus am Enzpark angeboten werden. „Das erhöht auch die Akzeptanz“, hofft sie, zumal nur 64 Prozent der Mitarbeiter einen Impfschutz haben. Wer nicht geimpft ist, muss einen aktuellen Test vorweisen. Die Mitarbeiter testen sich vor dem Dienstantritt, was von der Schichtleitung überprüft wird. Die Leiterin der Regionaldirektion ärgert sich, dass „uns die Politik wieder die Testungen und die Zugangskontrollen auferlegt hat – dafür haben wir keine personellen Kapazitäten“. Deshalb setzt sie in manchen Standorten auf die Hilfe von Honorarkräften und des DRK. In einem Zeitfenster von täglich zwei Stunden wird es auch Testangebote geben. Dafür müssen sich die Besucher online anmelden.

Autor: