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Westrandbrücke

Nur noch zwei Fahrspuren statt drei

Die Remsecker Stadtverwaltung hat in einer Sondersitzung des Gemeinderats am Mittwochabend eine neue Variante zur Westrandbrücke vorgestellt, die den einstimmigen Segen der Räte bekommen hat. Sie ist nun Grundlage des Bürgerentscheids am 15. November.

Die Variante 1 (oben) der Westrandstraße beinhaltet zwei große Knotenpunkte im Westen und Osten. Die Variante 3 (unten) ist filigraner und hat auf der Brücke statt drei nur noch zwei Fahrspuren. Planungen: Modus Consult
Die Variante 1 (oben) der Westrandstraße beinhaltet zwei große Knotenpunkte im Westen und Osten. Die Variante 3 (unten) ist filigraner und hat auf der Brücke statt drei nur noch zwei Fahrspuren. Planungen: Modus Consult
Die Variante 1 (oben) der Westrandstraße beinhaltet zwei große Knotenpunkte im Westen und Osten. Die Variante 3 (unten) ist filigraner und hat auf der Brücke statt drei nur noch zwei Fahrspuren. Planungen: Modus Consult
Die Variante 1 (oben) der Westrandstraße beinhaltet zwei große Knotenpunkte im Westen und Osten. Die Variante 3 (unten) ist filigraner und hat auf der Brücke statt drei nur noch zwei Fahrspuren. Planungen: Modus Consult

Remseck. Rund 320 Remsecker nutzten die Gelegenheit, der mehr als drei Stunden dauernden Sitzung zu folgen – und zwar nicht in der Hochberger Bürgerhalle, wo die Veranstaltung stattfand, sondern von zu Hause aus. Weil die Sitzplätze in der Halle aufgrund der Coronaverordnung stark begrenzt waren, entschloss sich die Verwaltung zu einer Liveübertragung auf dem städtischen YouTube-Kanal.

34.000 Fahrzeuge auf der Brücke

Es war im Februar 2019, als die Verwaltung in der Aldinger Gemeindehalle die Vorentwürfe zur Vorplanung der Westrandbrücke vorstellte. Seitdem sind dazu bei der Verwaltung viele Anregungen aus Gemeinderat und Bürgerschaft eingegangen. „Das war ein klarer Auftrag an uns, nochmals in eine Konzeption zu gehen“, leitete Oberbürgermeister Dirk Schönberger am Mittwochabend in das Thema ein.

Für Planer Frank Gericke vom Büro Modus Consult in Karlsruhe war es keine leichte Aufgabe. Schließlich waren am Ende nicht nur vier Varianten zu untersuchen. Es galt auch zu betrachten, welche Auswirkungen die Varianten mit und ohne Nord-Ost-Ring auf den Verkehr in Remseck haben.

Grundlage seiner Berechnungen war eine Verkehrsuntersuchung, die vom 21. bis 23. Mai sowie am 7. November vergangenen Jahres stattgefunden hat. Eines der Ergebnisse: Auf der bestehenden Neckarbrücke sind täglich mehr als 34.000 Fahrzeuge unterwegs. Mit knapp 3500 Fahrzeugen ist der Anteil des Schwerlastverkehrs erheblich. Selbst auf der Wehrbrücke, die eher von Ortsansässigen genutzt wird, seien wegen des Schleichverkehrs 6200 Fahrzeuge gezählt worden.

Da schneidet die Variante 4, welche die Bürgerinitiative „Wir für morgen“ ins Spiel gebracht hat, mit für 2035 prognostizierten 28.000 Fahrzeugen auf der Neckarbrücke zwar besser ab. Doch bei der von ihm favorisierten Variante 3 wären es künftig nur noch rund 1000.

Zwar würde Variante 4 auch andere Straßen entlasten, insbesondere die südliche Umgehung von Aldingen, und dadurch für weniger Staus sorgen, doch Planer Gericke machte deutlich, dass der Vorschlag der Bürgerinitiative bezüglich der Streckenführung nicht nur die längste, sondern auch teuerste Lösung wäre.

In der Variante 3 führt die von Stuttgart kommende L.1100 unter der Westrandstraße durch, macht einen Bogen und wird oben an die neue Trasse angebunden. Auf der Meslay-du-Maine-Straße wäre eine Durchfahrt bis nach Neckargröningen möglich. Einer der größten Unterschiede zur ursprünglich vorgestellten ersten Planung: Die Westrandbrücke der neuen Variante hat nur noch zwei statt drei Fahrspuren. Gericke hob hervor, dass die Westrandbrücke für eine Entlastung des Verkehrs auch dann nötig bleibe, wenn der Nord-Ost-Ring gebaut werde. Dieser alleine bringe auf der bestehenden Neckarbrücke zwar eine Entlastung von 21,8 Prozent. Dennoch wären dort dann immer noch 29.000 Fahrzeuge pro Tag unterwegs.

Lärmschutz für Schlossberg

Frank Dröscher vom gleichnamigen Ingenieurbüro in Tübingen, der Variante 3 auf schalltechnische Auswirkungen untersuchte, stellte fest, dass insbesondere Neckargröningen weniger Verkehrslärm abbekommen würde. Die Lärmbelastung für die Schlossbergsiedlung sei dagegen höher. Die zulässigen Werte seien dort bereits heute teilweise überschritten. Erst mit dem Bau der Westrandbrücke gebe es dort allerdings einen Anspruch auf Lärmschutzmaßnahmen wie zum Beispiel eine 4,5 Meter hohe Lärmschutzwand.

Baubürgermeisterin Birgit Priebe zählte vor der Aussprache nochmals die Vorzüge der Variante 3 auf. Die weitere Realisierung der Neuen Mitte hänge stark mit der Verkehrssituation zusammen. Nur mit dem Bau der Westrandbrücke könne Neckargröningen erweitert werden. Die Variante 3 erfülle alle erforderlichen Kriterien. Sie sei leistungsfähig, entlaste den innerörtlichen Verkehr und stelle die Erreichbarkeit der Stadtteile per Auto, Bus, Fahrrad und zu Fuß sicher. Auch seien damit keine tiefen Eingriffe in die Landschaft nötig. Und was ihr besonders wichtig war: „Die Westrandbrücke kann nie ein Ersatz für den Nord-Ost-Ring sein“, sagte Priebe.

Das sah auch Stadtrat Gerhard Waldbauer (Freie Wähler ) so. Variante 3 bringe „massive Verbesserungen“ mit, weshalb seine Fraktion auch beim Bürgerentscheid dafür werben wolle.

„Wenn wir die Westrandbrücke nicht bauen, haben wir auf der Neckarbrücke in 15 Jahren eine noch schlechtere Situation“, sagte Karl Burgmaier (Grüne). Zudem sei sie Voraussetzung für die Entwicklung der Neuen Mitte.

Auch Steffen Kirsch (CDU) warb für Variante 3. „Wir haben damit die einmalige Chance, städtebaulich etwas Einheitliches zu realisieren“, sagte er. Das wolle seine Fraktion auch für den Bürgerentscheid so vermitteln.

„Es kann keiner sagen, ob die Westrandbrücke Fluch oder Segen für Remseck sein wird“, sagte Gustav Bohnert (FDP). Seine Fraktion hoffe, dass bis zum Bürgerentscheid noch weitere offene Fragen geklärt werden.

Für Harald Sommer (SPD) ist „der Schallschutz ein sehr wesentlicher Aspekt in der Realisierung der Westrandbrücke“. Er kritisierte, dass beim Bürgerentscheid nicht alle Varianten der Trasse zugelassen sind.

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