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Sommerserie

Ochsen Prevorst - Die Seherin zieht die Gäste an

In einer großen Serie stellen wir die schönsten und traditionsreichsten Gasthäuser im Kreis Ludwigsburg vor. Von Adler in Asperg bis Ratsstüble in Besigheim. Oft dazu: das Lieblingsrezept aus der Küche zum nachkochen und genießen.

Laut einer alten Postkarte ist das Haus 1411 erbaut worden, die Familie Wolf hat 1997 die Fassade aufwendig saniert. Foto: Ramona Theiss
Laut einer alten Postkarte ist das Haus 1411 erbaut worden, die Familie Wolf hat 1997 die Fassade aufwendig saniert. Foto: Ramona Theiss

Oberstenfeld. Es ist wahrscheinlich eines der ältesten Gasthäuser im Landkreis Ludwigsburg, auf jeden Fall aber das höchstgelegene: der Ochsen in Prevorst. Die Gastwirtschaft „Zum Ochsen“ ist auch das älteste Haus von Prevorst. Die Jahreszahl 1428 geistert in einigen Schriften herum, aber es gibt Anzeichen dafür, dass das Haus älter ist. „Der Ortsarchivar Herr Schedler hat eine Karte gefunden, nach der stammt das Gebäude aus dem Jahr 1416“, erzählt Roland Wolf, Inhaber des Ochsen. Die Personen auf dieser Karte hätten schon Schürzen getragen, weshalb die Vermutung naheliege, dass hier auch schon früher Gäste bewirtet wurden. Nach dem steilen Anstieg hinauf nach Prevorst brauchten die Pferde wahrscheinlich eine Pause. Während die Tiere im Stall ausruhten, gönnten sich die Besitzer ebenfalls eine Rast.

Berühmt ist das Haus auf jeden Fall dank der Försterstochter Friederike Wanner, die am Ende ihres kurzen Lebens berühmt wurde als die „Seherin von Prevorst“ und als Hauptfigur eines Bestsellers der Biedermaierzeit. Viel ist in ihrem Geburtshaus nicht mehr von ihr zu finden. Als Irma Wolf und ihr Mann Werner das Haus in den 60er Jahren kauften, war nicht mehr viel da. Ein zusammengebrochenes Tischle und ein Sessel. Den Tisch warf das Paar hinaus, den Sessel ließen die Wolfs wachsen und richten. Berühmte Gäste fanden schon den Weg nach Prevorst: Ministerpräsident Lothar Späth mit Helmut Kohl im Gefolge, die Schauspielerin Thekla Carola Wied. Heute zieht das Lokal Ausflügler und Wanderer an. Am Sonntag wissen der gelernte Metzgermeister, der kocht, und seine Mutter, die mit 81 Jahren immer noch die Tabletts die 15 Treppen hinunter in den Biergarten balanciert, was sie getan haben. „Teilweise haben wir Wadenkrämpfe.“

Schon in den 30er Jahren betrieb die Schwester des Schwiegervaters von Irma Wolf das Gasthaus, nach mehreren Wechseln kauften Irma und Werner Wolf das Gebäude. Werner Wolf war gelernter Metzger, Irma Metzgereiverkäuferin, die aus einer Wirtschaft stammte. „Das Haus war total verkommen“, erinnert sich Irma Wolf. Es gab noch Plumpsklos, die Eckbank war mit alten Lumpen ausgestopft. „Mein Vater hat immer gesagt, es wäre billiger gewesen, einen Lastwagen drüberfahren zu lassen, als es zu sanieren“, sagt Roland Wolf. Drei Einfamilienhäuser habe der Vater schon investiert, er eines. Gerade als man die Fassade habe richten und die Hälfte der Balken habe ersetzen lassen, sei zum Beispiel die Wand zur Gaststube eingefallen, die Eichenbalken im Innern aus dem 15. Jahrhundert strich Roland Wolf während der Corona-Zwangspause selbst. „Wir haben immer geschafft, es gab keinen Urlaub, wir mussten weitermachen, man hatte ja schon viel Geld und Kraft reingesteckt“, sagt Irma Wolf. Der Ochsen ist auch ihr Jungbrunnen. „Man darf sich nicht gehen lassen, es muss weitergehen“, sagt sie. Das Haus ist Heimat, erklärt auch der 49-jährige Roland, warum er nach dem Tod des Vaters 1998 das Gasthaus und damals auch die Metzgerei übernahm – trotz Sieben-Tage-Woche und einigen deshalb gescheiterten Beziehungen. Das Gasthaus ist ihr Haus, die Gaststube ihr Wohnzimmer. Und so stellt sich Roland Wolf gern hinter den Herd und brät, was die Gäste am liebsten mögen: Rostbraten und Schnitzel.

Info: Hier finden Sie die anderen Teile unserer Sommerserie.

Rezept: Rostbraten mit Soße

Zutaten Rostbraten:

Roastbeef, gut abgehangen

1 Zwiebel

Rinderfond

Rotwein

Salz und Pfeffer

Zubereitung:

Das Roastbeef salzen und pfeffern. In einer Pfanne beide Seiten scharf anbraten, dann aus der Pfanne nehmen. Eine Zwiebel in Scheiben schneiden und hellbraun anbraten, mit Rotwein ablöschen. Danach den Rinderfond angießen. Rostbraten wieder in die Pfanne legen und wie gewünscht rosa, medium oder durch köcheln lassen.

Zutaten Soße:

1 Zwiebel

2 Karotten

1/2 Stangensellerie

1/2 Paprika

1/2 TL Tomatenmark

1/2 EL Mehl

50 ml Rotwein

250 ml Gemüsebrühe

Salz und Pfeffer

Zubereitung:

Die Zwiebelhälfte in Streifen schneiden, in einem Topf mit Öl braun anrösten. Das Gemüse in Stücke schneiden, zu den Zwiebeln geben und rösten, Mehl und Tomatenmark dazu und anrösten. Mit Rotwein ablöschen, einkochen lassen. Gemüsebrühe dazu und 10 bis 15 Minuten köcheln. Alles pürieren, durch ein Sieb streichen und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

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