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Kindertagesstätten

Öffnen? – „Abwarten!“, heißt das Motto

Wie geht es weiter mit den Kindertagesstätten? Wann werden sie wieder öffnen? Schrittweise vielleicht? Und welche Kinder dürfen dann kommen? Die Unsicherheit war gestern bei den Kommunen greifbar, aber auch Gelassenheit war herauszuhören. Allgemeiner Tenor: Erst mal abwarten, was die Politik entscheidet.

Verwaist sind während der Corona-Pandemie die Kindertagesstätten. Jetzt wird diskutiert, wann und für welche Jahrgänge sie wieder öffnen könnten. Foto: dmitrimaruta /StockAdobe
Verwaist sind während der Corona-Pandemie die Kindertagesstätten. Jetzt wird diskutiert, wann und für welche Jahrgänge sie wieder öffnen könnten. Foto: dmitrimaruta /StockAdobe

Kreis Ludwigsburg. Wenn die Politik das umsetzt, was die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina für Kindertagesstätten vorschlägt, bedeutet das: Für die jüngeren Jahrgänge sollten die Kitas bis zu den Sommerferien geschlossen bleiben und wie bisher nur den Notbetrieb aufrechterhalten.

Für die Fünf- bis Sechsjährigen dagegen, die nach den Sommerferien in die Grundschule wechseln, sollte ein Regelbetrieb mit reduzierten Gruppengrößen – maximal fünf Kinder pro Raum – stattfinden. Wörtlich heißt es in dem Leopoldina-Vorschlag: „Es sollten alle Anstrengungen – auch in den Sommerferien – unternommen werden, um diese Kinder so gut wie möglich auf den Übergang in die weiterführende Schule vorzubereiten.“

Gestern Nachmittag war aber noch niemandem in den Kommunen klar, ob die Ministerpräsidenten der Länder diesem Vorschlag folgen würden, ob es einen bundesweit einheitlichen Weg geben oder ob jedes Bundesland für sich entscheiden würde. „Abwarten!“, lautete deshalb das Motto in den Kommunen oder, wie Mona Trinkner, Hauptamtsleiterin bei der Stadt Großbottwar, formuliert: „Wir haben verschiedene Szenarien durchgespielt und warten jetzt gespannt, was in Stuttgart entschieden wird.“

Dass eine schrittweise Öffnung der Kitas bereits am Montag möglich ist, könne sie sich allerdings nicht vorstellen: „Wir gehen davon aus, dass wir Vorlauf bekommen.“ Mit den Kleinstgruppen zu je maximal fünf Kindern hat Großbottwar während der derzeitigen Notbetreuung Erfahrungen gesammelt. Die insgesamt sieben Kinder, deren Eltern in „systemrelevanten Berufen“ arbeiten, sind in zwei der sechs städtischen Einrichtungen untergebracht, „und wir achten darauf, dass nicht mehr als fünf Kinder in einer Gruppe sind“, sagt Mona Trinkner.

„Wir wissen noch nichts, wir müssen abwarten“, sagt Mathias Marmein, der bei der Stadt Marbach für die Kinderbetreuung zuständig ist. Die Stadt sei sowohl auf eine weitere Notbetreuung als auch auf eine schrittweise Öffnung vorbereitet; konkrete Gedanken über das weitere Vorgehen werde man sich machen, wenn die Politik entschieden hat.

In Bietigheim-Bisingen werden zu normalen Zeiten rund 1500 Kinder in 27 Einrichtungen betreut, die sich in städtischer, kirchlicher oder freier Trägerschaft befinden. Auch hier herrscht Gelassenheit vor: „Wir organisieren erst mal nichts, aber wir machen uns Gedanken, wie es weitergeht“, sagt Stadtsprecherin Anette Hochmuth. Sie erwarte nicht, dass es auf eine kurzfristige Öffnung der Kindertagesstätten hinauslaufe, stattdessen rechne sie mit einem steigenden Bedarf an Notbetreuung: „Ich schätze, dass viele Eltern inzwischen sagen, sie kriegen das nicht mehr auf die Reihe.“ Das sei ein größeres Problem als die Betreuung Fünf- und Sechsjähriger in Fünfergruppen. „Das wäre gerade noch zu schaffen“, sagt Anette Hochmuth. Sie schätzt diesen ältesten Jahrgang auf rund 400 Kinder, die in 80 Gruppen betreut werden müssten; „normal“ sind in Bietigheim-Bissingen 73 Gruppen. Wenn man ein paar Neben- und Gemeinschaftsräume dazunehme, sei das zu schaffen.

Auch Ludwigsburgs Erster Bürgermeister Konrad Seigfried glaubt nicht, dass Kitas bereits nächste Woche wieder öffnen: „Wir halten es für sinnvoll – und gehen auch derzeit davon aus –, dass der Betrieb in Schulen und Kindertageseinrichtungen nicht überstürzt wieder startet. Daher ist ein Restart am 4. Mai eine vertretbare Lösung mit einer dann gestuften Vorgehensweise, die die aktuellen Hygieneanforderungen erfüllt.“ Trotzdem bleibe auch die teilweise Wiederinbetriebnahme ein Risiko, das aber – „nach Ansicht von Experten“ – in Kauf genommen werden könne.

Elke Kogler, die Leiterin des Möglinger Kinderhauses Lerchenweg, ist da skeptisch: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir den geforderten Abstand einhalten können oder dass wir mit Mundschutz dasitzen.“ Für sie ist es deshalb derzeit kaum denkbar, wieder schnell zur Normalität zurückzukehren. Wenn der Betrieb wieder aufgenommen wird, ist aus ihrer Sicht nicht am relevantesten, welche Altersgruppen es betrifft, sondern wie dringend die Eltern auf die Betreuung angewiesen sind. Und was sagen die Eltern selbst?

Der Gesamtelternbeirat der Kitas in Bietigheim-Bissingen schreibt dazu: „Sicherheit und Gesundheit aller Beteiligten – sowohl Kinder, Eltern als auch natürlich der Betreuer – hat aus unserer Sicht derzeit absoluten Vorrang. Die Entscheidung, wann und in welcher Form die Kinderbetreuungseinrichtungen wieder öffnen, müssen wir an dieser Stelle den Experten überlassen, auch wenn es im Einzelfall für die Eltern eine schwierige Situation bedeuten kann. Wir hoffen natürlich, dass wir möglichst bald wieder zur Normalität zurückkehren können.“

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