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Corona

ÖPNV mit voller Wucht getroffen

Leere Züge, krankes Personal: Das Coronavirus sorgt auch auf der Schiene für Ausnahmezustände. Dabei haben die Bahnmanager so schon genug zu tun.

Regionalbahn zwischen Vaihingen und Stuttgart: Das grassierende Coronavirus sorgt für leere Züge. Wegen massiver Verspätungen und Zugausfällen in der Vergangenheit sollen Stammkunden entschädigt werden. Foto: Drossel
Regionalbahn zwischen Vaihingen und Stuttgart: Das grassierende Coronavirus sorgt für leere Züge. Wegen massiver Verspätungen und Zugausfällen in der Vergangenheit sollen Stammkunden entschädigt werden. Foto: Drossel

Kreis Ludwigsburg. Aus Angst vor Covid-19 fahren offenbar auch im Kreis Ludwigsburg immer weniger Menschen mit dem Zug. In den vergangenen Wochen sank das Fahrgastaufkommen um zwei Drittel bis drei Viertel. Diese Zahlen nannte der Amtschef im Verkehrsministerium, Uwe Lahl, am Mittwochabend während einer Telefon-Pressekonferenz, die die Landtagsabgeordneten Markus Rösler aus Vaihingen und Stefanie Seemann aus dem Enzkreis (beide Grüne) organisiert hatten. Positiv bewertete Lahl, dass die Menschen in den Zügen die Anweisungen der Behörden befolgen, und einen hinreichenden Infektionsabstand voneinander halten.

Sorge bereitet dem Ministerialdirektor Lahl allerdings, dass die Krankenstände bei Lokführern oder Zugbegleitern deutlich nach oben zeigen. Sie liegen wohl bei 20 bis 30 Prozent. „Wir müssen uns darauf einrichten, dass die Zahlen weiter steigen“, so Lahl.

Das Verkehrsministerium und die Bahnunternehmen ziehen aus diesen Trends jetzt Konsequenzen und specken ab kommendem Montag das Angebot im Regionalverkehr ab. Vorgesehen ist nur noch ein Stundentakt, wenn möglich mit Verdichtung zu den Stoßzeiten morgens (wir berichteten). „Der öffentliche Verkehr soll bei reduziertem Betrieb stabil funktionieren“, sagte Lahl. Der Ministerialbeamte Markus Gericke betonte, dass der Fahrplan nach Ostern wieder scharfgestellt werden könnte, sollte das öffentliche Leben dann hochgefahren werden. „Wir wissen aber nicht, ob es so kommen wird.“

Auch ohne Corona sind die Fahrgäste zwischen Vaihingen und Stuttgart auf der Residenzbahn oder in Besigheim und Kirchheim auf der Frankenbahn seit Monaten Kummer gewöhnt. Die Gründe: Betreiberwechsel von der DB zu den privaten Anbietern Go-Ahead und Abellio, neue Züge, die nicht rechtzeitig ausgeliefert werden oder Mängel aufweisen sowie Fahrpläne, die kaum eingehalten werden können. Lahl: „Wir müssen nicht drumherum reden. Der Umstieg hat nicht perfekt geklappt.“

Der Spitzenbeamte hatte zuletzt jedoch den Eindruck, dass die Züge stabiler unterwegs gewesen seien. „Für 2020 verzeichnen wir bessere Werte. Vor Corona haben wir Licht am Ende des Tunnels gesehen.“ Zurückgegangen sei auch die Zahl der „bösen Briefe“, die enttäuschte Fahrgäste ans Ministerium geschrieben hätten.

Trotzdem sollen Fahrgäste wegen der Zugausfälle und Verspätungen ab dem kommenden Juni entschädigt werden. Um welche Strecken es konkret geht, will der Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) laut Lahl nächste Woche bekannt geben. Inhaber einer Jahreskarte oder einer Monatskarte könnten damit rechnen, dass ihnen bis zu einem Monat rückerstattet werde. „Die Zahlungen leisten das Land und die Eisenbahnunternehmen“, sagte Lahl. Letztere würden die Hauptschuld für die mangelhafte Qualität tragen. Er machte auch klar, dass sie für die Schlechtleistungen Strafen zahlen müssen und Fahrten nicht bezahlt bekommen – ohne jedoch genaue Zahlen zu nennen. Mit den Einnahmen solle die Infrastruktur verbessert werden.

Gelegenheitsfahrer gehen mit Blick auf Entschädigungen wohl leer aus. „Das ist vom Verwaltungsaufwand nicht zu leisten“, räumte Lahl am Mittwochabend ein. „Wir haben keine Lösung gefunden, die umsetzbar wäre.“

Der Abgeordnete Rösler kündigte an, dass „wir weiter beim Ministerium und den Bahnunternehmen auf der Matte stehen werden, wenn wir Verbesserungsbedarf sehen“. Der Vaihinger weiter: „Wir wollen, dass Verkehr umgeschichtet und die Züge bald wieder voller sein werden.“

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