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Schulunterricht

Ohne klare Vorgaben läuft nicht viel

Die Schulen haben in der nächsten Wochen alle die gleiche Herausforderung, zumindest die Abschlussklassen kommen wieder ins Haus. Bisher fand der Unterricht online statt, mit mehr oder weniger großem Erfolg. In der Erich-Bracher-Schule wurde diese Phase aber gut über die Runden gebracht. Ein Vorbild für andere Schulen?

Unterricht mit dem Rechner. Die Bracher-Schule ist technisch gut ausgestattet, nur so eng darf nicht zusammengearbeitet werden. Archivfoto: privat
Unterricht mit dem Rechner. Die Bracher-Schule ist technisch gut ausgestattet, nur so eng darf nicht zusammengearbeitet werden. Foto: privat

Pattonville. Es ist einsam und trist in der kaufmännischen Berufsschule in Pattonville. Kein Schülergeschrei auf den Fluren, keine rasenden Jugendlichen im Treppenhaus. Doch eines ist klar: Es ist nur die Ruhe vor dem Sturm. Denn von heute an rücken die Abschlussklassen an und werden auf ihre Prüfungen vorbereitet. „Wir haben rund 1800 Schüler, davon sind 700 Absolventen. Da ist schon ganz schön was los bei uns in der Schule. Da wird es schwierig, ausreichend Abstand zu halten“, sagt Schulleiter Oliver Schmider.

Die eigentliche Arbeit hat aber bereits stattgefunden. Denn auch die Schüler der Bracher-Schule mussten in den vergangenen Wochen online unterrichtet werden, wie an anderen Schulen auch. Viele Einrichtungen hatten ihre Probleme mit den neuen Medien, auf die sie jetzt für ihren Unterricht angewiesen waren. Und oftmals hat es nicht funktioniert.

Ganz anders an der Erich-Bracher-Schule. Weil sie ein berufliches Schulzentrum mit Schwerpunkt auf kaufmännischer Ausbildung ist, hatte sie auch schon vor der Schließung Mitte März eine gute technische Ausstattung. „Doch das ist nicht alles. Man braucht eine Struktur, in die man die Technik integriert. Sonst verläuft sich alles bei den Schülern. Und man benötigt eine motivierte Lehrerschaft“, so Schulleiter Schmider.

Das bedeutet, dass in den ersten drei Wochen die Formate bestimmt wurden. Das ist an einer beruflichen Schule nicht einfach, weil hier ganz unterschiedliche Schultypen angeboten werden. Für die einen findet hier die Berufsschule statt. Die anderen absolvieren ihr Wirtschaftsgymnasium. Dann gibt es noch das Berufskolleg, das zur Fachhochschulreife führt, sowie die Flüchtlingsklassen. Zuerst wurde ein fester Stundenplan erarbeitet, an den sich die Schüler halten mussten.

„Sonst planen wir im Zeitraum von einem halben Jahr, jetzt sind es gerade mal 14 Tage. Wir wollen schließlich unserem Bildungsauftrag nachkommen und unseren Absolventen die Chance zu einem guten Abschluss geben“, so Oliver Schmider. Doch ohne Lehrer lassen sich die schönsten Pläne nicht umsetzen. Es wurde beschlossen, ein Computer-Programm für den Unterricht zu wählen, das auch bei den Firmen eingesetzt wird.

Dann wurde festgesetzt, dass der Online-Unterricht in zwei bis drei täglichen Doppelstunden stattfindet. „Das bedeutet großen Einsatz der Lehrer. Da muss viel geplant werden, bis so ein Online-Unterricht stimmt“, sagt Lehrerin Angelika Schober-Penz. Doch die Mühen haben sich gelohnt, denn die Schüler sind bei der Stange geblieben.

Auch sie hätten festgestellt, dass es schwieriger ist, sich ständig selbst zu motivieren, als in einem recht festen System zu arbeiten. Die Schüler sähen sich so regelmäßig, zumindest auf dem Bildschirm. So gingen die sozialen Kontakte nicht ganz verloren. Schober-Penz: „Es gibt sogar sehr positive Reaktionen auf den Unterricht. Die Schüler loben unser Vorgehen, auch wenn sie für den vorgelegten Stoff nicht ganz so aktiv sein müssen“.

In der nächsten Wochen wird der Schulleiter Gespräche mit der Stadt Kornwestheim führen. Der gehört die Sporthalle hinter der Schule – und nur dort hat man genügend Platz für die Prüfung.

Wenn dann alles klappen sollte und die Prüfungen überstanden sind, macht der Chef einen Sekt auf. Und danach gehen die ersten Überlegungen los, wie das nächste Schuljahr gestaltet werden soll. Doch das hat noch eine Weile Zeit.

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