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Neckar-Zaber

Ohrfeige für die Union trotz Direktmandat für Gramling

Fabian Gramling holt für die CDU das Direktmandat im Wahlkreis Neckar-Zaber. Er beerbt damit seinen Parteifreund Eberhard Gienger, der den Wahlkreis fünfmal in Folge gewonnen hatte und nicht mehr antrat. Über die Landesliste seiner Partei kehrt der AfD-Abgeordnete Marc Jongen nach Berlin zurück.

Gespannt auf die erste Hochrechnung: der CDU-Landtagsabgeordnete Tobias Vogt, Fabian Gramling und sein Vorgänger Eberhard Gienger Foto: Alfred Drossel
Gespannt auf die erste Hochrechnung: der CDU-Landtagsabgeordnete Tobias Vogt, Fabian Gramling und sein Vorgänger Eberhard Gienger Foto: Alfred Drossel

Kreis Ludwigsburg. Trotz der Verteidigung des Direktmandats ist das Ergebnis eine Ohrfeige für die bisher so erfolgsverwöhnte Union im Norden des Landkreises Ludwigsburg und im Süden des Landkreises Heilbronn. Ganze 25 Prozent der Zweitstimmen holten die Christdemokraten gestern, ein Minus von acht Punkten gegenüber 2017 und sogar von über 20 Prozent gegenüber 2013.

Union nur noch hauchdünn vor der SPD

Der Abstand zur SPD, vor vier Jahren noch satte 18 Punkte starke, ist damit auf schmale 1,7 Prozent zusammengeschmolzen. In Marbach, Freudental und Kirchberg, aber auch in Lauffen und Pfaffenhofen sind die Sozialdemokraten sogar stärkste Kraft geworden. In anderen Kommunen – so etwa in Löchgau oder Erdmannhausen – beträgt der christdemokratische Vorsprung noch nicht einmal ein halbes Prozent. Nur in den Bottwartal-Bastionen wie Oberstenfeld und Großbottwar konnte die Union die SPD weiter klar auf Abstand halten.

Gramling selbst liegt mit 30,4 Prozent der Erststimmen deutlich über dem Ergebnis der Partei, kann aber an die Maßstäbe, die der populäre Eberhard Gienger gesetzt hat, bei Weitem nicht heranreichen. Der ehemalige Reckweltmeister hatte 2017 noch über 40, vor acht Jahren sogar über 53 Prozent der Erststimmen geholt. Lediglich der frühere Staatsminister Hans Martin Bury hatte 1998 bei der Wahl der ersten Regierung Schröder die schwarze Vormacht an Neckar und Zaber ein einziges Mal für die SPD durchbrechen können.

Dass Gramling dennoch deutlich mehr Zustimmung einfahren konnte als die Union als Partei, dürfte vor allem an seiner Bekanntheit nach fünf Jahren im Landtag liegen. Sein bestes Einzelergebnis im Ludwigsburger Teil des Wahlkreises holte Gramling im gewohnt konservativen Hessigheim: Hier gewann er 37,93 Prozent der Erststimmen, die Union erzielte hier deutlich überdurchschnittliche 30,52 Prozent der Zweitstimmen.

Deutlicher Wahlgewinner sind auch im Wahlkreis SPD und Grüne: Die Sozialdemokraten legten gegenüber ihrem Tiefstand von 2017 um fast sechs Punkte zu. Kandidat Thomas Utz, der sich bereits 2017 erfolglos um das Direktmandat bewarb, konnte sich bei den Erststimmen zwar leicht verbessern, kam damit aber kaum über das Ergebnis seiner Partei hinaus: An die SPD gingen 22,3 Prozent der Zweitstimmen, Utz konnte 22,5 Prozent der Erststimmen für sich gewinnen. Sein „Trostpreis“: Daheim in Murr liegt er mit 31,5 Prozent deutlich vor Gramling und über dem SPD-Ergebnis im Ort wie im Wahlkreis.

Neckar-Zaber gilt seit Ewigkeiten auch als liberale Hochburg – Wolfgang Weng und Harald Leibrecht vertraten den Wahlkreis per Zweitmandat im Bundestag. Mit 16,6 Prozent konnte die FDP ihr gutes Ergebnis von 2017 sogar nochmals um 1,7 Prozent ausbauen. Wahlkreis-Kandidat Marcel Distel, der ebenfalls schon 2017 antrat und damals 8,8 Prozent holte, verbesserte sich auf 12,3 Punkte.

Grüne trotz Zugewinnen nur auf Platz vier

Die Grünen, die bei der Landtagswahl 2019 den Norden des Landkreises gewannen, müssen bei Bundestagswahlen auch an Neckar und Zaber deutlich kleinere Brötchen Backen. Sie landeten bei 15,7 Prozent – immerhin ein Plus von 2,6 Punkten gegenüber 2017. Lars Maximilian Schweizer bekam als Direktkandidat genau so viele Stimmen wie die Partei – für den politischen Newcomer ist das zweifellos ein Erfolg. Seine Vorgänger von 2017 und 2013, Catherine Kern und den inzwischen als Querdenker aus der Partei geworfene Andreas Roll, lässt Schweizer damit deutlich hinter sich.

13 Prozent – so lautete das Wahlziel von Marc Jongen von der AfD. Daraus ist nicht geworden: Die AfD verlor drei Punkte und landete wie Jongen bei zehn Prozent. Dank eines sicheren Platzes auf der Landesliste sitzt er dennoch wie Gramling im 20. Deutschen Bundestag.

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