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Krankentransport

Patienten warten immer länger auf Transport

Wer mit dem Rettungsdienst von einer Klinik in die andere gefahren werden muss, wartet in letzter Zeit immer länger auf einen Transport. Auch der Frau von Gert Hermann ging das so. Das ärgerte diesen, weshalb er sich mit einem Brief an das Rote Kreuz wandte.

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Kreis Ludwigsburg. Acht Stunden wartete seine Frau im Ludwigsburger Klinikum darauf, dass sie in die Reha nach Gerlingen transportiert wird – doch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) kam erst am nächsten Morgen. Eine Unverschämtheit, findet Gert Hermann und macht seinem Ärger in einem Brief an den DRK-Kreisverband Ludwigsburg Luft. Um zehn Uhr sollte seine Frau zu den Schmieder Kliniken auf die Gerlinger Schillerhöhe gefahren werden. Man habe der Ludwigsburger Klinik am Telefon zwar mitgeteilt, dass es etwa zwei Stunden dauern könne, bis der Krankentransport komme. Jedoch sei die Patientin um 18 Uhr immer noch nicht abgeholt worden. „Das Brisante war, dass sie im Krankenhaus noch einen Schlaganfall bekommen hatte“, erklärte Gert Hermann auf Nachfrage unserer Zeitung. Deshalb sei es so wichtig gewesen, dass seine Frau schnell für weitere Behandlungen in die Reha-Klinik komme.

Beim Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands Ludwigsburg, Manfred Hormann, ist bis jetzt noch kein Brief angekommen. „Wir wissen, dass Patienten unzufrieden sind“, sagte er. Jedoch arbeite man daran, die Wartezeiten so gering wie möglich zu halten. Doch die Anzahl an Verlegungsfahrten, diese sind nötig, wenn ein Patient nicht privat oder mit dem Taxi in eine andere Klinik oder in ein Heim gebracht werden kann, steige derzeit an. Im Januar 2018 ist der DRK noch mit 60 Verlegungsfahrten beauftragt worden, ein Jahr später sind es 170 Fahrten im Monat. Zudem sei auch die Einsatzdauer gestiegen, weil etwa mehr Patienten in Kliniken und Heime außerhalb des Landkreises gebracht werden müssen. „Dadurch sind Fahrer und Fahrzeug natürlich länger unterwegs“, sagte Hormann. So komme es dazu, dass einzelne Patienten länger auf einen Transport warten müssten.

Gerd Hermanns Vorschlag: Die Klinik sollte einen anderen Dienst mit dem Transport beauftragen, zum Beispiel den Arbeiter-Samariter-Bund (ASB). Doch das ist nicht möglich, so Alexander Tsongas, der Sprecher der Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim. Denn zum Ende des Jahres 2018 kündigte der Verband der Ersatzkassen (Vdek) den Vertrag mit vielen privaten Anbietern von Krankentransporten. Seitdem muss das Krankenhaus bei der Integrierten Leitstelle, wo auch die Notfälle aufgenommen werden, anrufen. Die schicken dann einen Rettungswagen für den Transport. Ob das DRK, den ASB, die Johanniter oder die Malteser – darauf habe das Krankenhaus keinen Einfluss, erklärte Tsongas.

Es sei jedoch zu beobachten, dass immer mehr Patienten länger auf einen Transport warten müssen. „Wir als Klinik sind deshalb gerade am überlegen, wie wir diese Patienten am besten betreuen können“, sagte Tsongas. Den Grund für die verlängerten Wartezeiten sieht er in der Kündigung der Verträge mit privaten Transportunternehmen durch den Vdek. „Statt das DRK in die Kritik zu nehmen, sollte man diese also eher gegen die Ersatzkassen richten“, so der Sprecher der Klinik.

Beim DRK wiederum sieht man in der Entscheidung des Vdek kein Problem. Durch diese würden etwa sechs Fahrten täglich mehr auf das DRK entfallen. Bei etwa 280 Fahrten am Tag falle das kaum auf. „Deshalb haben wir gesagt, das kriegen wir hin“, sagte Hormann. Die Leitstelle würde keinen der Dienste bevorzugen, sondern den Auftrag an das „nächstmöglich nutzbare Rettungsmittel“ weitergeben, so der Kreisgeschäftsführer.

Wie bei einem Notfall auch, priorisiere die Integrierte Leitstelle die abzuholenden Patienten. „Wer einen ärztlichen Termin hat, wird schneller abgeholt als jemand, der von A nach B gebracht werden soll“, so Hormann. Es sei verständlich, dass das für einzelne Patienten, die warten müssen, unangenehm sei. Doch man arbeite daran, an dieser Situation etwas zu ändern: Beim DRK werde bald ein neues Fahrzeug angeschafft, um der erhöhten Nachfrage gerecht zu werden. Außerdem weiß Hormann, dass auch der ASB ein neues Fahrzeug bekommen soll.

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