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KIRCHE

Pfarrplan zwingt zu Fusionen

Ein Drittel der evangelischen Pfarrstellen muss in Remseck bis 2024 eingespart werden. In Oberstenfeld ist eine für Dezember 2019 geplante Zusammenlegung von Gemeinden gerade auf Eis gelegt worden. In Ditzingen und Vaihingen könnten die Dekanate vereint werden.

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KREIS LUDWIGSBURG. Mit den Kirchengemeinderatswahlen am ersten Advent wird sich die Struktur der evangelischen Kirchengemeinden in Remseck enorm verändern. Der Grund: Sie fusionieren. Aus der Christusgemeinde (Hochberg und Hochdorf) sowie den Gemeinden Aldingen, Neckargröningen und Neckarrems entsteht die Evangelische Kirchengemeinde Remseck. Statt vier Kirchengemeinderäten wird es künftig nur noch einen geben.

Seit dem Jahr 2000 erstellt die Evangelische Landeskirche Württemberg etwa alle sechs Jahre einen Pfarrplan, um Stellen einzusparen. Denn es gibt immer weniger Gemeindemitglieder. Auch die finanzielle Lage der Landeskirche und anstehende Pensionierungen spielen bei der Bewertung eine Rolle. Aktuell gilt der Pfarrplan 2024. Das heißt: Beschlossene Maßnahmen müssen bis 2024 umgesetzt sein. Im Kirchenbezirk Ludwigsburg, zu dem Ludwigsburg, Kornwestheim, Asperg, Tamm, Möglingen, Freiberg und Remseck gehören, sollen 4,5 Stellen wegfallen. Davon allein 1,5 Stellen in Remseck. „Da wir beim letzten Mal verschont geblieben sind, müssen wir nun Federn lassen“, sagt Pfarrerin Elke Goldmann aus Hochberg auf Nachfrage. Sie wird geschäftsführende Pfarrerin in Remseck sein, wenn die Fusion vollzogen ist.

Bis 2024 werde sich für die Gemeindeglieder nicht viel ändern, beruhigt Goldmann. Kein kirchlicher Mitarbeiter verliere seinen Arbeitsplatz. Alle Pfarrstellen blieben besetzt. Für Aldingen Süd ist Pfarrer Jens Keil (100 Prozent) verantwortlich, um Neckargröningen und Aldingen Nord kümmert sich Pfarrer Achim Dürr (100 Prozent). Innerhalb der Christuskirchengemeinde ist im Pfarrbezirk Hochdorf Irmtraut Aebert (50 Prozent) im Einsatz, Hochberg ist der Bezirk von Elke Goldmann (100 Prozent). Keinen evangelischen Pfarrer gibt es seit einem Jahr in Neckarrems. Die Stelle wird ab März aber wieder besetzt, zwei Pfarrerinnen werden sich das Amt teilen. Spätestens 2024 gibt es neue Amtsbezirke für die Pfarrer (Parochien). Laut Goldmann wird es dann für Neckarrems und Neckargröningen gemeinsam eine 100-Prozent-Pfarrstelle geben, ebenso eine für Hochberg und Hochdorf zusammen sowie eine weitere für Aldingen.

In den neuen Kirchengemeinderat werden insgesamt 14 Mitglieder gewählt. Auch die Pfarrerinnen und Pfarrer sowie der Kirchenpfleger gehören dem Gremium an. Zudem sollen für die einzelnen Stadtteile Parochieausschüsse gebildet werden, die sich aus den örtlichen Kirchengemeinderäten, in gleicher Anzahl zugewählten Gemeindegliedern und dem Pfarrer oder der Pfarrerin zusammensetzen. Diese Ausschüsse planen Veranstaltungen im Stadtteil, pflegen vor Ort den Kontakt zu ehren- und hauptamtlichen kirchlichen Mitarbeitern, unterstützen die Gruppen und Kreise und betreuen die Gebäude. Jeder Parochieausschuss erhält Mittel, um das gewohnte Gemeindeleben fortzusetzen.

Elke Goldmann ist stolz darauf, was die vier Kirchengemeinden geleistet haben. Der Weg zur Fusion sei von Anfang an ein transparenter Prozess gewesen. Von einem Beratungsteam des Oberkirchenrates habe es dabei Unterstützung gegeben. Alle vier Kirchengemeinderäte und nahezu alle Mitglieder der Gremien hätten sich für den Zusammenschluss ausgesprochen, so Goldmann. „Ich bin froh, dass wir uns darauf einigen konnten, alle bestehenden Remsecker Gemeinden aufzulösen und eine neue Gemeinde zu gründen“, sagt die Hochberger Pfarrerin. Keine gute Lösung wäre es gewesen, wenn sich die kleineren Gemeinden einer großen hätten unterordnen müssen.

Fast genau ein Jahr ist es her, als die Kirchengemeinden Oberstenfeld, Gronau und Prevorst ihre „Verlobung“ bekanntgegeben haben, auch ein Hochzeitstermin war genannt worden: Dezember 2019. Die drei Gemeinden wollten damals – im Februar 2018 – „lieber rechtzeitig gemeinsam agieren statt gezwungenermaßen reagieren“ hatte es aus dem Oberstenfelder Kirchengemeinderat geheißen. Inzwischen schweigt man dort lieber, wenn das Stichwort Fusion fällt. „Der Zeitraum war sportlich“, sagte Pfarrer John Walter Siebert vom Oberstenfelder Pfarramt I, „die Fusion liegt auf Eis.“ Mehr könne er dazu nicht berichten, zumal auch die Kirchengemeinde noch nicht informiert sei; nur so viel: „Kirche ist eine der veränderungsresistentesten Institutionen.“

Vor zwei Jahren sind die Martinskirche in Großbottwarund die Michaelskirche in Winzerhausen unter einem Dach zusammengekommen; Pfarrer Christoph Hirschmüller spricht von einer gelungenen Fusion, auch wenn es vorher extreme Vorbehalte gegeben habe. Inzwischen verstehe man sich sehr gut.

In Ditzingen und Vaihingen steht unterdessen der Zusammenschluss der evangelischen Kirchenbezirke dem Vernehmen nach kurz bevor. Die größte Veränderung: Vom Jahr 2024 an würden vier Pfarrstellen wegfallen. Die Dekane versprechen weniger Verwaltung und mehr Zeit für die Seelsorge. Die Kirchengemeindeglieder sollen von den veränderten Strukturen kaum etwas merken. An der Basis wird trotzdem Kritik laut.

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