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Umweltschutz

Plakate gegen Schottergärten

Das sieht nicht schön aus: Eine Meise liegt tot auf dem Rücken, die Federn zerzaust, der Schnabel in die Luft gereckt. Die spektakuläre Plakataktion macht Front gegen Schottergärten und Pestizide, denn Kommunen tun sich schwer, diese lebensfeindlichen Steinwüsten zu verhindern. Es gibt aber Ansätze.

Mit spektakulären Plakaten gegen das Artensterben.Fotos: NatureLife
Mit spektakulären Plakaten gegen das Artensterben. Foto: NatureLife
Der Schwalbenschwanz – ein selten gewordener Gast im Garten.
Der Schwalbenschwanz – ein selten gewordener Gast im Garten.
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Bottwartal. Claus-Peter Hutter, Präsident der Umweltstiftung NatureLife-International mit Sitz in Ludwigsburg, ist selten um markige Worte verlegen. „Showdown im Vorgarten“ nennt er die Plakataktion, die jetzt in den Metropolregionen Stuttgart, Düsseldorf und Berlin startet. Der auf dem Rücken liegende tote Vogel soll „auf das jetzt 40-jährige Staatsversagen in Sachen Artenschutz aufmerksam machen“, heißt es in der Pressemitteilung der Stiftung.

Ein Dorn im Auge ist Hutter dabei die industrialisierte Landwirtschaft mit ihrem Chemieeinsatz; ein Dorn im Auge sind ihm aber auch Grundstücksbesitzer, die „durch die Umwandlung ihrer Gärten in lebensfeindliche Steinwüsten der Natur vor der eigenen Tür den Garaus machen“. Er fordert deshalb von den Entscheidungsträgern in Bund und Ländern klare Vorgaben; denn mit Appellen an die Freiwilligkeit sei in den vergangenen Jahren so gut wie nichts gegen das Artensterben erreicht worden.

Einige Kommunen wollen das ändern, zumindest bei neuen Baugebieten. So hatte zum Beispiel in Großbottwar CDU-Stadtrat Andreas Strohm für ein bestimmtes Gebiet den Antrag gestellt, in den Textteil der örtlichen Bauvorschriften folgenden Satz aufzunehmen: „Die nicht mit baulichen Anlagen belegten Grundstücksflächen sind als Grünflächen gärtnerisch anzulegen.“ Ein Kompromiss, denn das Gremium hatte sich schwergetan, Schottergärten explizit zu untersagen und damit in die Gestaltungsfreiheit der Eigentümer einzugreifen.

Der gleichen Formulierung bedient sich bisher auch die Gemeinde Oberstenfeld und Bauamtsleiter Volker Wanner interpretiert das so: „Gärtnerisch heißt: Keine Steine!“ Beim neuen Baugebiet Dürren IV werde man sich aber sicher Gedanken machen, ob es rechtlich möglich ist, Schottergärten von vornherein auszuschließen.

Auch Marbach will bei künftigen Baugebieten einen Passus in die Bebauungspläne aufnehmen, der Schottergärten verhindert, sagt der Marbacher Bauamtsleiter Dieter Wanner. Claus-Peter Hutter sieht zwar die Politik in der Pflicht, klare Vorgaben zu machen und auf wachsweiche Formulierungen wie „sollte“ zu verzichten („Sollte ist so gut wie nicht gemacht“), aber auch er appelliert an die Grundstücksbesitzer, auf Steinwüsten zu verzichten – schon im eigenen Interesse. „Viele meinen, so eine Schotterfläche sei einfach zu pflegen“, sagt Hutter im Gespräch mit unserer Zeitung, „aber das stimmt ja nicht: Da weht Laub rein, das zerbröselt und wird zu Erde.“ Ganz pervers werde es, wenn Besitzer von Schottergärten Insektenhotels anbringen: „Die Tiere finden auf den Schotterflächen doch gar nichts zu fressen!“ Zwei Drittel der Bodenbewohner sind auf offene Stellen angewiesen.

Wenn schon die Gärten immer kleiner werden, so Hutter, komme es verstärkt darauf an, Natur am Haus zu schaffen, vor allem in Zeiten der Klimakrise. Während sich Schotterflächen aufheizen, puffere Grün rund ums Haus das Aufheizen um zwei bis drei Grad ab, rechnet Hutter vor und rät zu wärmeliebenden Kräutern wie Salbei, Rosmarin und Ysop. Denn die Vogelbestände seien bereits um rund die Hälfte und die Insekten stellenweise um bis zu 80 Prozent zurückgegangen. Es werde Zeit, dass „die Politik eine Allparteienkoalition zur Verteidigung unserer Lebensgrundlagen ins Leben ruft“, so Hutter, denn: „Wenn es so weitergeht, haben wir wirklich bald den stummen Frühling.“

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