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Weihnachten

Premiere auf Anhieb gelungen

Das „Weihnachtsliedersingen am Christbaum vor dem Rathaus“ wurde bei der Premiere mit über hundert Teilnehmern gleich ein Volltreffer.

Für viele Mitsinger sind die Weihnachtslieder Nahrung für die Seele. Fotos: Andreas Essig
Für viele Mitsinger sind die Weihnachtslieder Nahrung für die Seele. Foto: Andreas Essig
Voll konzentriert: ein Tubist.
Voll konzentriert: ein Tubist.

Mundelsheim. Kein Glühwein, kein Kinderpunsch, auch keine Bratwurst danach: Einzig die Aussicht, zusammen Weihnachtslieder zu singen, hat diese Traube von Menschen ans Rathaus geführt, wo die stattliche Tanne im saisonalen Lichterglanz als Christbaum leuchtet. Im Dreiviertelbogen sammeln sie sich davor und um die Urform eines Adventskranzes, wo die Kerzen auf dem Wagenrad in Wichernscher Manier die Tage bis zum Heiligen Abend abzählen. Und kaum ist die Glocke von der nahen Nikolauskirche verklungen, hebt auch schon „O Tannenbaum“ an, vom Posaunenchor so zart begleitet wie die „Weihnachtsbäckerei“, in das die Großen so beherzt einstimmen wie die gut zwei Dutzend Kinder in den vorderen Reihen.

Nachdem der Posaunenchor den Stern über Bethlehem mit ausgesprochenem Schönklang zum Leuchten gebracht hat, beginnt das ausgerufene Wunschkonzert. Julia will sogleich „Stille Nacht“ haben, weil „es das Schönste ist“, wobei ihre Mama als Begründung auch gerne gehört hätte: „Weil es die Mama so schön singt!“ Ein Weihnachtslied, das auch bei Merten Lippert „vorne dran“ ist, auch wenn er alle mag, vor allem aber jene, „die die Frohe Botschaft verkünden“. Sowieso findet der Familienvater „die Idee, hier zusammen zu singen, total klasse“: „Weil es für alle offen ist und so ungezwungen. Für mich ist das gelebte Gemeinde!“

Dass niemand im Ritual feierlich-frommer Lieder erstarrt, dafür sorgen schon die vielen Kinder. Vincent, 14 Monate alt, nutzt die noch taufrische Bewegungsfreiheit, wackelt zum Adventskranz, geht in die Hocke und bläst zwei Kerzen aus. Und als Pfarrer Christoph Reichert ein Gedicht einfügt mit dem Schluss: „... und verkündet leise, dass die kleinste Welt die größte ist“, da findet das ein Dreikäsehoch so erstaunlich und lustig, dass er zum sehr vernehmlichen Echo wird: „Dass die kleinste Welt die größte ist!“

Mehr Zauber geht kaum. Und das alles ist so leicht und herzensfroh, dass sich auch Margret Möhrer ganz in ihrem Element wiederfindet. Erst recht, als „O du fröhliche“ angestimmt wird: „Ein schöner Abschluss! Wie in der Kirche, wenn alle Lichter aus- und die am Christbaum angeschaltet werden.“ Für die 76-Jährige, bis vor kurzem Organistin, sind die Weihnachtslieder „ein lebenslanger Begleiter“. „Schön wie Volkslieder“ seien sie, aber auch „wichtig für den Glauben und Nahrung für die Seele“. Diese Lieder machten sie „froh und glücklich“.

Glühende Bäckchen bescheren die Lieder aber auch der Generation davor: „Es ist schön, diese Lieder in Gemeinschaft zu singen, und es ist wunderbar, dass dafür soviel Menschen gekommen sind“, sagt Beate Fähnlein. Ja, sie habe „aus vollem Herzen mitgesungen“. Nahtlos schließt sich dem „die Jugend“ an, auch wenn sie „Stille Nacht“ als „Silent Night“ bevorzuge, wie die 17-jährige Dagmar Link bekennt. „Sehr wichtig“ seien ihr diese Lieder, und nun, nach einer Information kürzlich aus dem Geschichtsunterricht, noch mehr: „Weihnachtslieder, auf beiden Seiten der Front gesungen, haben im Ersten Weltkrieg zu einer Gefechtspause geführt. Das hat mich sehr berührt und mir die Kraft und Bedeutung der Weihnachtslieder noch klarer gemacht.“ Selbstredend habe sie hier, trotz angeschlagener Stimme, „voll innerer Freude mitgesungen“.

Das scheint auch übers Singen hinaus zu verbinden. Nach dem Schluss stehen viele zusammen, plaudern angeregt. Dass die Noten wegen zeitweisen Regens gelitten haben, findet der Trompeter Daniel Speitelsbacher nicht schlimm: „Die trocknen wieder!“ Über die Heiterkeit, die überm Platz liegt, freut sich auch Pfarrer Reichert, erst ein paar Wochen im Ort: „Ich hatte das auch an meiner letzten Pfarrstelle gemacht und wollte gleich testen, ob es hier auch funktioniert. Ich bin begeistert, das war ein Volltreffer!“ Welche Art, verdeutlicht seine Frau Simone: „Im Trubel der Weihnachtsvorbereitungen geht der Kern von Weihnachten leicht verloren. Auch in den Familien wird das Singen weniger gepflegt.“ Und jetzt? „Viele scheinen ein Bedürfnis danach zu haben. Kein Event, sondern eine Besinnung auf das Wesentliche an Weihnachten. Und mit diesen Liedern gelingt das auch.“

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