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Nahverkehr im Kreis Ludwigsburg und Stuttgart
Radprobleme stürzen S-Bahn in der Region erneut ins Chaos

Nicht umsonst wird dieser Streckenabschnitt auch Panoramabahn genannt – doch die Aussichten sind für Pendler zwischen dem Hauptbahnhof und Stuttgart-Vaihingen derzeit alles andere als rosig. Archivfoto: Franziska Kraufmann/dpa
Nicht umsonst wird dieser Streckenabschnitt auch Panoramabahn genannt – doch die Aussichten sind für Pendler zwischen dem Hauptbahnhof und Stuttgart-Vaihingen derzeit alles andere als rosig. Archivfoto: Franziska Kraufmann/dpa
Im S-Bahnverkehr in der Region kommt es seit gestern erneut zu massiven Einschränkungen und Zugausfällen wegen Problemen auf der Gäubahnstrecke. Pendler aus dem Kreis merken das vor allem bei Fahrten zum Flughafen oder Richtung Stuttgart-Vaihingen.

Kreis Ludwigsburg/Stuttgart. Seit dem späten Mittwochabend läuft es alles andere als rund bei der Deutschen Bahn im Großraum Stuttgart. Erst muss sie mitteilen, dass bei regelmäßigen Untersuchungen an Zügen der Baureihe 430 eine erhöhte Abnutzung an den Rädern festgestellt worden sei und diese umgehend für weitere Prüfungen in die Werkstatt müssten. Betroffen davon sind die derzeit auf der Gäubahnstrecke zwischen Stuttgart-Vaihingen und dem Stuttgarter Norden verkehrende S1, S23 und S15 sowie die S12 und S2 in Richtung Schorndorf und Esslingen – also keine der originär den Kreis Ludwigsburg bedienenden Linien S4, S5 und S6. Doch auch für diese gibt es dann wenige Stunden später Probleme: Um kurz vor 9 Uhr muss die Bahn die Sperrung der Strecke zwischen Zuffenhausen und dem Hauptbahnhof wegen einer Person im Gleis vermelden.

Während sich für dieses Problem aber nach einer Stunde das Ende langsam abzeichnet, wird das weiter südlich immer größer. Denn die Baureihe 430 macht einen großen Teil der Flotte aus, und insgesamt fallen nun 97 von 157 S-Bahn-Zügen aus. Und das „bis auf weiteres“.

„Angepasstes Linienkonzept“

Am Nachmittag fasst die Bahn dann das Desaster in eine wohlfeile Pressemitteilung, in der sie von einem „veränderten Fahrplan“ und „angepassten Linienkonzept“ schreibt. Doch das bedeutet konkret: Auf der Gäubahnstrecke, die während der seit Ferienbeginn fortgesetzten Sanierung der unterirdischen Stammstrecke bis Mitte September den üblichen Verkehr zwischen Hauptbahnhof und Stuttgart-Vaihingen auffängt, läuft in nächster Zeit nichts mehr. Die S1 und die – zeitweise wegen des Fahrzeugmangels ab Waiblingen gekappte – S23 (die Bauphasenvariante der S3 zwischen Flughafen und Backnang) fahren von ihren Endstationen nur jeweils bis Hauptbahnhof und bis Vaihingen, auf den übrigen Abschnitten müssen Fahrgäste auf Ersatzbusse umsteigen. Und die S15 (sie fuhr seit Ferienbeginn von Böblingen über Stuttgart-Vaihingen und Feuerbach nach Bietigheim) entfällt, ebenso wie die S12 von Schorndorf über Bad Cannstatt nach Esslingen, die den ausgedünnten Baustellen-Takt eigentlich auf 15 Minuten verstärken sollte.

Für das Erreichen von frühen Flügen fährt ab Freitag, 19. August, um 4.50 Uhr ein Reisebus ab Stuttgart-Hauptbahnhof. Der Bus kommt am Flughafen – ohne Zwischenhalt – um 5.18 Uhr an.

Die Mitteilungen sind neu – die Probleme aber wohl nicht. Denn schon in den vergangenen Sommerferien, als die Sanierung und damit Sperrung der Stammstrecke begann, wurde nach ähnlich langer Zeit wie jetzt der Ausweichbetrieb auf der Gäubahnstrecke eingestellt. Damals war ein erhöhter Radverschleiß an den Zügen festgestellt worden – in der Folge schmierte die Bahn Schienen und Räder der engen Gleisbögen wie auf der S-Bahn-Wendeschleife an der Schwabstraße, um die Reibung zu vermindern. Zudem habe man dieses Jahr drei stationäre Schmieranlagen auf der Panoramabahn in Betrieb genommen.

Vergangene Woche sagte der Bahnsprecher deshalb noch auf LKZ-Anfrage: „Wir verzeichnen hier keine auffälligen Werte mehr.“ Und: „Durchgeführte Testfahrten und Messungen sind positiv verlaufen“, heißt es rückblickend am Donnerstag. Bei den ebenso installierten „engmaschigen Kontrollen“ wurden dann aber die erneuten Probleme festgestellt.

Scharfe Kritik von den Grünen

Die Grünen in der Regionalversammlung zeigen sich deshalb fassungslos angesichts der jüngsten Nachrichten – zumal die Stammstrecke wohl auch in den drei nächsten Sommerferien gesperrt und die Gäubahnstrecke benötigt wird. „Uns wurde von der Bahn versichert, dass es dieses Jahr zu keinen Problemen mit den Radkränzen kommen wird. Die Reaktivierung zweier Schmieranlagen wurde zugesichert. Geholfen hat es nichts“, so Fraktionsvize Philipp Buchholz aus Stuttgart.

Auch Fraktionsvorsitzender Prof. Dr. André Reichel zeigt sich frustriert: „Abermals verspielen wir das Vertrauen in unsere S-Bahn. Jetzt ist seitens des Regionalverbands Krisenmanagement gefordert.“

Und das ist derzeit nicht nur in Stuttgart gefordert. Denn auch auf der kurvenreichen Schwarzwaldbahn war bei turnusmäßigen Untersuchungen ebenfalls eine erhöhte Abnutzung der Räder festgestellt worden, betroffen sind Doppelstockfahrzeuge. Seit Ende Juni müssen Fahrgäste deshalb zwischen Hausach (Ortenaukreis) und St. Georgen (Schwarzwald-Baar-Kreis) in Busse umsteigen. Dadurch verlängert sich die Reisezeit erheblich.

Info: Die Bahn empfiehlt Kunden, sich vor Fahrtantritt mithilfe der Bahn-App oder im Internet, etwa auf www.vvs.de, über die Verbindungen zu informieren.