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Raser und Drängler im Steinweg

Leidtragende sind Jogger, Spaziergänger und Radfahrer – Gemeinde hat schon vor einiger Zeit Tempolimit beantragt

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Ein normaler Wochentag, morgens um acht: Auf dem schmalen Steinweg ist ordentlich Betrieb. Die Gemeinde will jetzt ein Tempolimit von 50 km/h durchsetzen.Foto: Oliver Bürkle

erdmannhausen. Gärtnereibesitzer Bernd Gruber beobachtet im Steinweg, wo auch sein Betrieb ansässig ist, häufig folgende Szenen: Es wird gerast und gedrängelt, Joggern, Fußgängern und Radfahrern bleibt manchmal nur noch, in den Acker auszuweichen. Der Autoverkehr hat deutlich zugenommen und das wundert nicht: Wer über den Steinweg und dann über die Landesstraße Richtung Affalterbach fährt, spart sich nämlich den langen Stau an der Ochsenkreuzung in der Apfelbachgemeinde. Diese alternative Strecke wird deshalb immer beliebter.

Von einem Schleichweg kann man eigentlich nicht sprechen, denn der Steinweg gilt als offizielle Ortsverbindungsstraße Richtung Lemberghöfe. Die Durchfahrt ist nicht verboten, die Strecke befindet sich außerhalb des Ortsschildes und theoretisch dürften die Autofahrer hier mit Tempo 100 unterwegs sein. Und das, obwohl das Sträßlein schmal und an den Rändern ausgefranst ist.

Vor vier Jahren hatte der Gemeinderat beschlossen, den Steinweg nicht zu sanieren und zu verbreitern, sondern lediglich an den Rändern regelmäßig Schotter aufzubringen. Der Grund: Man will nicht, dass eine gut ausgebaute Straße noch mehr Verkehr anzieht und hier noch schneller gefahren wird. Mehr Verkehr würde außerdem die innerörtliche Gartenstraße und den Schrayweg noch stärker belasten.

Autofahrer, die von der Bahnhofstraße kommen und nach Affalterbach wollen, biegen häufig bei der Halle auf der Schray rechts in den Schrayweg und schließlich in den Steinweg ein. Laut Gärtnereibesitzer Bernd Gruber wählt inzwischen ein Großteil der Fahrzeuglenker diese Strecke. Autofahrer, die von der Marbacher Straße kommen, biegen meist rechts in die Gartenstraße Richtung Steinweg ein, wo ebenfalls über mehr Verkehr geklagt wird.

„Diese Straßen sind dafür gar nicht ausgelegt“, sagt Hauptamtsleiter Günter Sommer. Seit einiger Zeit liegt außerdem ein Antrag der Gemeinde Erdmannhausen beim Landratsamt auf die Anordnung eines Tempolimits von 50 Stundenkilometern im Steinweg vor, um die Raserei zu beenden. Auf eine Entscheidung wartet die Gemeinde immer noch.

In der jüngsten Ausschusssitzung hatte Sommer auf Nachhaken von CDU-Gemeinderätin Vanessa Gruber zu bedenken gegeben, dass im Steinweg nur in der Theorie Tempo 100 gilt. Gegenüber unserer Zeitung verwies Sommer auf den Paragrafen 3 der Straßenverkehrsordnung. Dort heißt es: „Wer ein Fahrzeug führt, darf nur so schnell fahren, dass das Fahrzeug ständig beherrscht wird. Es darf nur so schnell gefahren werden, dass innerhalb der übersehbaren Strecke gehalten werden kann. Auf Fahrbahnen, die so schmal sind, dass dort entgegenkommende Fahrzeuge gefährdet werden könnten, muss jedoch so langsam gefahren werden, dass mindestens innerhalb der Hälfte der übersehbaren Strecke gehalten werden kann“.

Das alles trifft auf den Steinweg zu. Und trotzdem wird zu schnell und zu rücksichtlos gefahren. Die Beobachtungen der Familie Gruber: Spaziergängern bleibe oftmals nur der Sprung in den Acker und Radfahrer würden ins Schotterbett abgedrängt, es sei auch schon zu Stürzen gekommen. „Auf der Straße ist es richtig gefährlich geworden“, sagt Vanessa Gruber. Sie will den Autoverkehr nicht verbannen, schließlich lebt auch ihre Gärtnerei davon, sie möchte aber erreichen, dass langsamer gefahren wird.

Der Steinweg scheint sich zu einem Dauerproblem zu entwickeln, denn von diesem Sträßlein zweigt auch die Zufahrt zum Häckselplatz ab, und der wird rege genutzt. Vor einem Jahr wurde an der Kreuzung zur Häckselplatzzufahrt eine Vorfahrtsregelung geschaffen, da es hier schon zu gefährlichen Situationen gekommen war. Grund: Die falsche Auffassung der Verkehrsteilnehmer, dass bei dieser Kreuzung rechts vor links gilt. Das ist aber nicht der Fall, da die Ortsverbindungsstraße Vorrang vor dem Feldweg Richtung Häckselplatz hat. Eine klare Rechtslage zwar, der jetzt aber die Beschilderung gefolgt war, um weiteren, folgenschweren Missverständnissen vorzubeugen.