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Weinbau

Reben sind im Rückstand

In der Entwicklung etwa drei Wochen später dran – Frostschäden sind vermieden worden

Rund zwei Wochen später als im Vorjahr haben die Reben ausgetrieben. Die Gescheine sind bisher kaum sichtbar.Foto: Alfred Drossel
Rund zwei Wochen später als im Vorjahr haben die Reben ausgetrieben. Die Gescheine sind bisher kaum sichtbar. Foto: Alfred Drossel

Besigheim. „Die Tendenz zu einer immer früheren Rebblüte und Weinlese wird sich in diesem Jahr nicht fortsetzen“, sagt Sebastian Häußer, Kellermeister und technischer Betriebsleiter der Felsengartenkellerei. Schuld seien die bisher niederen Temperaturen im April und Anfang Mai, die den Austrieb verzögern.

Im vergangenen Jahr trieben die Reben bereits Mitte April aus. Damals erlebten einige Wengerter zum ersten Mal, dass die Reben vor den Kastanien zu blühen begannen. „In diesem Jahr sind wir wieder eher im langjährigen Mittel“, erklärt Häußer.

Auch wenn die Pflanzen bei günstiger Witterung die Verzögerung der Vegetation aufholen könnten, spreche vieles dafür, dass die Weinlese im Herbst diesmal später als 2020 oder 2018 sein werde. Für die kommenden Wochen im Mai hoffen die Wengerter auf höhere Temperaturen über einen längeren Zeitraum und ausreichend Regen in den Weinbergen, betont Häußer.

Für den Bereich der Felsengartenkellerei würde das bedeuten, dass die Weinlese nicht – wie im Vorjahr – Ende der Sommerferien beginnt, sondern eher Ende September. Ein Jahrgang wie 2018 sei daher in diesem Jahr nicht zu erwarten, meint Häußer.

Bei Weißweinen könne dies aber auch günstig sein, um beim 2021er die gewünschte Stilistik von leichten Weinen mit feiner Raffinesse und einem vom Boden geprägten Aroma zu erreichen. „Durch die Verspätung im Weinberg kommen wir in den Bereich der kühlen Nächte und die sind für die Aromabildung wichtig.“ Nach dem späten Austrieb erwarten viele Wengerter, dass sich die Rebblüte bis etwa Mitte Juni verzögern könnte. Die Rebblüte beeinflusst direkt den Zeitpunkt der Weinlese – die Trauben sind ungefähr 100 Tage nach der Blüte reif. Dank des späten Austriebs konnten aber auch am Neckar die in südlichen Anbaugebieten oder auch in Frankreich aufgetretenen Frostschäden vermieden werden. „Wir sind hier mit einem blauen Auge davongekommen“, sagt Häußer. „Aber wird haben einen Dämpfer bekommen.“ Im Gegensatz zu den badischen Kollegen, deren Weinberge durch Frost bis zu einem Viertel geschädigt wurden, sehe es am Neckar gut aus.

Nach Angaben der Frostversicherung gebe es jedoch im Bereich des Strombergs einige geschädigte Weinberge. Sorten wie der Lemberger im Zabergäu haben Schaden genommen und das auf bis zu 40 Prozent der Flächen, wie der Württembergische Weinbauverband in Weinsberg bestätigt.

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