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Reisebüros im Kreis berichten: „Viele Leute haben Meerweh“

Ziele am Mittelmeer und im deutschsprachigen Raum sind besonders gefragt.Archivfoto: Benno Schwinghammer/dpa
Ziele am Mittelmeer und im deutschsprachigen Raum sind besonders gefragt. Foto: Benno Schwinghammer/dpa

Kreis Ludwigsburg. Das Fernweh der Menschen in Deutschland und auch im Kreis Ludwigsburg ist in der zweiten Coronawelle ungebrochen. Allerdings sind die Kunden zurückhaltend mit Buchungen, wie Reisebüros und Reiseunternehmen aus dem Landkreis berichten.

„Die Leute haben Meerweh“, sagt Nicola Vogel, Inhaberin des Reisebüros am Eck in Bietigheim-Bissingen. Es gebe Unsicherheit wegen der Pandemie. „Aktuell kriegen wir zumeist Buchungen für den Sommer, zum Teil auch für Pfingsten“, so Vogel. Um Kunden das Buchen schmackhaft zu machen, bietet sie, wie viele andere auch, besondere Reiserücktrittsversicherungen an. Damit kann die Reise auch noch bis spätestens 14 Tage vor Antritt kostenlos storniert werden, wenn man zum Beispiel noch in Deutschland in Quarantäne muss. „Ziele im Inland und in Österreich sind wie letztes Jahr auch schon besonders beliebt“, sagt Vogel. Auch Reisen an das Meer seien gefragt, besonders nach Griechenland. Im vergangenen Sommer habe sich gezeigt, dass dort viel für den Infektionsschutz getan werde. „Fern- und Individualreisen werden dagegen wenig nachgefragt.“

Auch bei den Kunden von Karawane Reisen aus Ludwigsburg, spezialisiert auf Kultur- und Studienreisen, erfreuen sich Ziele in Griechenland momentan besonderer Beliebtheit. Allgemein werden viele Reisen dieses Jahr innerhalb Europas nachgefragt.

„Das Problem bei Fernreisen ist unter anderem, dass nur wenige Linienflüge angeboten werden“, sagt Geschäftsführer Georg Albrecht. Ziele in Europa seien auch mit dem Auto zu erreichen. Albrecht kritisiert, dass Auslandsreisen von der Politik grundsätzlich als verantwortungslos angesehen werden: „Urlauber beispielsweise aus Kuba oder Uganda, wo es aktuell sehr wenige Coronafälle gibt, kommen zurück nach Deutschland in ein Hochrisikogebiet.“ Man biete Reisen in die Natur an, wo ohnehin wenige Menschen sind, ergänzt Albrecht. Für Fragen zu möglichen Reisezielen haben Albrecht und sein Team das „Fernwehtelefon“ eingerichtet. „Da informieren wir etwa über Urlaubsregionen, die im Moment trotz Corona besucht werden können.“ Insgesamt gebe es aktuell wenig Buchungen. Daher geht Albrecht davon aus, dieses Jahr zwei Drittel weniger Reisen zu verkaufen als in einem coronafreien Jahr.

Beim Reisebüro Jordan in Asperg ist der Ausfall noch größer. „Im Januar 2021 haben wir gegenüber Januar 2019 rund 80 Prozent weniger Buchungen“, sagt Inhaberin Gaby Jordan. Ihr Reisebüro ist auf Kreuzfahrten und hochwertige Individualreisen spezialisiert. Für die kommenden Monate sind die Buchungen verhalten. „Es fehlen etwa die klassischen Strandurlaube im Sommer in Europa“, so Jordan. Dafür würde einige Kunden schon für 2022 und 2023 buchen. Viele halten sich mit Reisen dieses Jahr zurück: „Durch die Quarantänepflicht bei der Rückkehr aus manchen Ländern sind Reisen aktuell nur für Personen attraktiv, die im Homeoffice arbeiten können.“ Bei den Kreuzfahrten sei die Nachfrage nicht gesunken, trotz der Pandemieausbrüche auf Schiffen im vergangenen Jahr wie der Princess Diamond im Februar. „Die Reedereien sind mit ihren Hygienekonzepten auf den Schiffen sehr vorbildlich“, so Jordan.

Nischenprodukte wie Reiseangebote der DNV-Touristik aus Kornwestheim haben es schwerer: Das Unternehmen bietet mehrtägige Reisen mit seinem eigenen Sonderzug an. Zu den Zielen gehören Slowenien oder Polen. Auslandsreisen gehen dieses Jahr nur schwer, sagt Geschäftsführer Gerd Hesse. Das Infektionsgeschehen gebe keine Planungssicherheit. „Wir erwarten keine nachhaltige Erholung bei der Pandemie vor dem Herbst“, so Hesse. Als Alternativen werden nun mehr Fahrten im Inland angeboten, etwa an die Nordsee. Trotz einem regen Interesse bei der Kundschaft gebe es im Moment wenig Buchungen. Zwar konnte man zum Jahreswechsel unverbindlich reservieren, musste aber bis 1. Februar verbindlich zu- oder absagen. „Zum Stichtag ist nur ein Drittel bis die Hälfte der Reservierungen geblieben“, sagt Hesse. Noch sei das zu wenig, um die Fahrten durchführen zu können – um kostendeckend zu arbeiten, müssen im Zug mindestens 150 Plätze gebucht sein.

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