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Hilfsfristen

Rettungsdienste brauchen zu lang zum Einsatzort

In sechs Prozent der Fälle kommt der Rettungswagen im Kreis Ludwigsburg später als 15 Minuten nach Eingang des Notrufs an den Einsatzort.

Stresstest bei jedem Einsatz: Die Pandemie erschwert auch den Mitarbeitern der Rettungsdienste die Arbeit.Archivfoto
Stresstest bei jedem Einsatz: Die Pandemie erschwert auch den Mitarbeitern der Rettungsdienste die Arbeit.Archivfoto Foto: Fotolia

Kreis Ludwigsburg. Wenn ein Notruf bei der Integrierten Leitstelle eingeht, muss es schnell gehen. Innerhalb von zehn bis 15 Minuten soll laut des baden-württembergischen Rettungsdienstgesetzes Hilfe am Einsatzort sein. In 95 Prozent der Einsätze soll das in Baden-Württemberg der Fall sein, heißt es im Rettungsdienstgesetz des Landes weiter. Doch die Realität sieht oft anders aus. Oft schaffen es die Einsatzkräfte wegen zu langen Anfahrten oder zu wenig Sanitätern nicht rechtzeitig zum Notfallort. Auch im Kreis Ludwigsburg können die Hilfsfristen nicht immer eingehalten werden. Das zeigen die Zahlen, die der Landtag von Baden-Württemberg auf Anfrage eines Abgeordneten mitteilte.

1460 Mal kam 2017 der Rettungswagen nach mehr als 15 Minuten zum Einsatzort. Der erste Sanitäter traf also bei 93,3 Prozent aller Fahrten nach der vorgeschriebenen Zeit ein. Der Notarzt hingegen konnte 2017 bei 7,7 Prozent der Einsätze die Hilfsfrist nicht einhalten. Über die vergangenen Jahre ist der Anteil der Einsätze, bei denen die Hilfsfrist erreicht wurde, etwa gleich geblieben. Bei den Notarzteinsätzen ist eine Besserung in Sicht. 2010 wurde die Hilfsfrist in 88,6 Prozent der Fälle eingehalten.

Stephan Müller, Rettungsdienstleiter der Johanniter in der Region Ludwigsburg, findet trotzdem, dass die Hilfsfristen immer besser eingehalten werden. „Das Notfallrettungssystem wird ständig optimiert“, sagt er. In den vergangenen Jahren seien etwa Gutachten erstellt und daraufhin neue Rettungsmittel in Betrieb genommen sowie Standorte verschoben worden. Seit Beginn des Jahres verstärken die Johanniter außerdem 24 statt zuvor zwölf Stunden die Notfallversorgung in Ludwigsburg. Darüber hinaus werden weitere Mitarbeiter gesucht. Denn mit mehr Sanitätern könnten mehr Strecken gefahren werden.

Die Einsätze des Rettungsdienstes sind im Laufe der vergangenen Jahre stark angestiegen. 2018 gab es im Kreis 44.169 Einsätze mit dem Rettungswagen, das sind knapp 24 Prozent mehr als acht Jahre zuvor. Der Notarzt musste im vergangenen Jahr fast doppelt so oft zu einem Notfallort fahren, als noch 2010. Damals waren es 7139 Mal, 2018 wurde der Notarzt 10.578 Mal gerufen.

„Das liegt unter anderem auch am Bürger selbst“, so Müller. Es werde sehr schnell zum Telefon gegriffen und der Notruf gewählt – oftmals ohne ausreichenden Grund. „Dadurch fehlen die Rettungsmittel oft an anderer Stelle“, so der Rettungsdienstleiter. Deshalb macht er darauf aufmerksam, welche Nummer wann die richtige ist: Bei Anzeichen einer lebensbedrohlichen Erkrankung wie etwa Bewusstlosigkeit, Herzbeschwerden oder starken Blutungen ist der EU-weit gültige Notruf unter der Nummer 112 zu wählen. Auskunft zu allen geöffneten Notfallpraxen erhält man bei dringenden Erkrankungen wie einer schweren Grippe, Erbrechen oder Magen-Darm-Infekten bundesweit unter der Nummer 11.61.17.

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