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mittelalterspektakel

Ritter, Burgfräuleins und Narren

Mit mehr als 80 teilnehmenden Gruppen und Händlern fand am Wochenende das dritte, bisher größte und auch erfolgreichste Mittelalterspektakel der Werbegemeinschaft Buch der Aktiven Unternehmer statt. Tausende Besucher begaben sich auf eine Zeitreise.

Ritter im Miniaturformat oder eine Runde auf dem Kamel: Beim Mittelalterspektakel der Werbegemeinschaft Buch kam jeder auf seine Kosten.Fotos: Alfred Drossel
Ritter im Miniaturformat oder eine Runde auf dem Kamel: Beim Mittelalterspektakel der Werbegemeinschaft Buch kam jeder auf seine Kosten. Foto: Alfred Drossel
Hexen, Zauberer und Hokuspokus dürfen nicht fehlen.
Hexen, Zauberer und Hokuspokus dürfen nicht fehlen.
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bietigheim-bissingen. Kamele trampelten über die Buchstraße. Überall loderten Flammen in Feuerkörben. Rauch zog über den Markt und es roch nach gegrilltem Fleisch und Fisch. Schwerter klirrten, Äxte aus Stahl flogen durch die Luft. „Donner und Doria“ gab es auf der Bühne, Magie und allerlei Kurzweil unterhielten die Besucher.

Erleco schmiedete über dem Feuer und die „Leitwölfe“ lieferten Schaukämpfe ab. Der Schirrmeister bot Mittelaltermode an wie Pelze und Felle. Eberhard Nitsche aus Schwieberdingen stelzte in zweieinhalb Metern Höhe über den Markt. Heißer Met floß. Wer wollte und drei Taler übrig hatte, bekam den Ritterschlag. Kleine Glücksdrachen verzauberten die Besucher. Achtung, stand auf einem Schild: „Keine Kommission, kein Rabatt kein Mitgefühl“.

Mittendrin Harry Hagen, der Organisator in der Robe eines Kreuzritters. Er hatte vor drei Jahren die Idee für ein Mittelalterfest, das er aber im Winter veranstalten wollte. Häufig gibt es solche Veranstaltungen um Weihnachten herum, oder im Sommer und Herbst, wie beispielsweise den historischen Markt in Großbottwar. „Im Februar gibt es so etwas in ganz Deutschland nicht“, schätzt Hagen. Dieses Mal war der Markt, auch weil er keinen Eintritt kostet und das Wetter weitgehend mitspiele, ein toller Erfolg. So viel Mittelalter war in Bietigheim noch nie los.

Mit der Veranstaltung, verbunden mit einem verkaufsoffenen Sonntag, dem sich auch Möbel Hofmeister anschloss, wollen die Aktiven Unternehmer den Standort Buch stärken, der immer wieder wegen seiner Randlage von Leerständen bedroht ist. Die Stadt unterstütze das Fest, freut sich Harry Hagen, und die Händler würden alle an einem Strang ziehen.

Mittelalter ist Spaß und ein weltweit seit Jahrzehnten anhaltend populärer Trend. Ritter, Narr und Burgfräulein, Hunne, Wikinger oder Schamane gehören zu den populärsten Rollen, die man öffentlich und rund ums Jahr „personifizieren“ kann: Kämpfen und zelten und mit den Fingern essen, krumme Weisen grölen und geschwollen-gestelzt parlieren, das sind Gelegenheiten, aus der gesellschaftlichen Rolle zu fallen.

„Reenacting“ nennt man das oft, und die Grenzen zu Karneval, Cosplay und Fantasy-Rollenspielen sind fließend. Willkommene Fluchten aus dem hektischen Alltag stellen für immer mehr Menschen historische Zeitreisen dar.

Am Ende des Jahres zählt der Mittelalterkalender rund tausend Termine. Streng historisch gesehen sind die vom Mittelalter oft nicht nur Jahrhunderte, sondern sogar Welten entfernt. Dafür sind sie lebendige Teile der Gegenwartskultur – sie sind Pop, mehr „Game of Thrones“ als Geschichtsstunde. Der 55-jährige Andreas Ogger aus Freiberg schlüpft in ein Fantasiekostüm und ist im Buch voll und ganz mit dabei.

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