Logo

Krankenhäuser

RKH-Kliniken in Ludwigsburg und Bietigheim hoffen auf Boostern und Karl Lauterbach

Die Situation in den Krankenhäusern in Ludwigsburg und Bietigheim ist weiter angespannt. Dies machte die Spitze der Regionalen Kliniken-Holding am Donnerstag in einem wöchentlichen Corona-Update deutlich. Krisenstabsleiter Dr. Stefan Weiß rechnet damit, dass die Zahl der Covid-Patienten noch bis Silvester „linear ansteigt“.

Freie Intensivbetten sind in den Kliniken derzeit die absolute Ausnahme. Foto: Jonas Güttler/dpa
Freie Intensivbetten sind in den Kliniken derzeit die absolute Ausnahme. Foto: Jonas Güttler/dpa

Kreis Ludwigsburg. Die Dynamik, mit der sich die vierte Welle aufgebaut hat, scheint zwar abzunehmen, doch die Zahl der Coronapatienten, die in den Kliniken aufgenommen oder gar in Intensivstationen behandelt werden müssen, nimmt noch zu. Gestern lagen in Ludwigsburg 42 und in Bietigheim 21 Covid-Patienten auf Normalstationen, in Bietigheim waren sechs von 13 Intensivbetten mit Coronakranken belegt, in Ludwigsburg 16 von 51. Frei war in Bietigheim gar kein Intensivplatz mehr, in Ludwigsburg nur zwei.

Andere Patienten bezahlen die Zeche für diese Belastung: „Priorisierung“ und eine Versorgung unterhalb des gewohnten Standards sind seit drei Wochen auch in den RKH-Kliniken keine Fremdwörter mehr. Etwa 60 Prozent der Operationen müssten derzeit abgesagt werden, sagt Intensivchef Professor Götz Geldner. Im Normalbetrieb erfolgten in Ludwigsburg täglich 50 bis 60 Operationen, derzeit seien es nur 20 bis 25. Die Versorgung von Notfällen – etwa bei Infarkten, Schlaganfällen oder schweren Unfällen – und Tumorpatienten sei aber weiter gewährleistet.

Während die vierte Welle noch ungebrochen ist, erwarten die Spitzenleute der RKH bereits die fünfte. „Die fünfte Welle wird kommen – ob mit oder ohne Omikron“, warnt RKH-Geschäftsführer Jörg Martin. Er macht damit auf die neue, besonders ansteckende Virusvariante aufmerksam, die auch in Europa angekommen ist. Studien wiesen darauf hin, dass bei der Omikron-Mutation lediglich Boostern einigermaßen zuverlässig vor schweren Krankheitsverläufen schützen könnte, sagt Krisenstabsleiter Weiß. Die Drittimpfung werde „es ausmachen“, prognostiziert er im Blick auf die nächsten Monate.

Das sieht auch RKH-Geschäftsführer Martin so. Der habilitierte Anästhesist ist erleichtert, dass die Ampel-Koalition eine Impfpflicht für medizinische Einrichtungen und Pflegeheime einführen wird. Eigentlich müsse Impfen fürs Krankenhauspersonal zum Berufsethos gehören, findet er, sagt aber zugleich vorher, „dass uns einige Beschäftigte deshalb verlassen werden“. Die RKH werde gleichwohl eine massive Kampagne fahren und alle ungeimpften Beschäftigten zu Terminen einladen, sagt Martin. Er will die Impfquote seiner Belegschaft quer über alle Bereiche so von 84 auf 97 Prozent steigern.

Große Erwartungen hat Martin an den neuen Gesundheitsminister Karl Lauterbach. Er hoffe, dass dieser genauso stringent handle wie kommuniziere. Entscheidend sei, dass die Republik endlich eine funktionierende Impflogistik erhalte. Selbst die RKH verfüge über so wenig Vakzine, dass sie nur unter 30-Jährige mit Biontech impfen könne.

Autor: