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Grundversorgung
Sanierung der Fußgängerzone: Zieht der Marbacher Wochenmarkt noch einmal um?

Von seinem angestammten Platz in der Marktstraße musste der Wochenmarkt im Oktober wegen der anstehenden Sanierung der Fußgängerzone auf den Parkplatz der Stadionhalle umziehen.. Ob er dort bis zum Abschluss der Sanierung bleibt oder einen neuen Inte
Von seinem angestammten Platz in der Marktstraße musste der Wochenmarkt im Oktober wegen der anstehenden Sanierung der Fußgängerzone auf den Parkplatz der Stadionhalle umziehen.. Ob er dort bis zum Abschluss der Sanierung bleibt oder einen neuen Inte
Im Oktober ist der samstägliche Markt wegen der Sanierung der Fußgängerzone an die Stadionhalle verlegt worden. Die Händler sind zufrieden, die Geschäftsleute in der Innenstadt vermissen dagegen den Frequenzbringer. Archivfoto: Ramona Theiss
Im Oktober ist der samstägliche Markt wegen der Sanierung der Fußgängerzone an die Stadionhalle verlegt worden. Die Händler sind zufrieden, die Geschäftsleute in der Innenstadt vermissen dagegen den Frequenzbringer. Archivfoto: Ramona Theiss
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Derzeit laufen Umfragen bei Marktbeschickern, Einzelhändlern und Bürgern – König-Wilhelm-Platz als zentralere Variante im Gespräch

Marbach. Obst und Gemüse, frischer Fisch, Fleisch- und Wurstspezialitäten, Käse, Bioprodukte: Der samstägliche Wochenmarkt hat in und für Marbach große Bedeutung. Umso größer war bei Kunden und Händlern, aber auch bei den Geschäftsleuten in der Innenstadt die Sorge, wie sich die zwangsweise Umsiedlung des Marktes auf den Parkplatz vor der Stadionhalle auswirken wird. Seit Oktober müssen die Händler ihre Stände an der Marbacher Peripherie aufschlagen, um in der Fußgängerzone Platz für deren umfassende Sanierung zu machen.

Bürgermeister: „Eine schwierige und komplexe Sache“

Doch ist das die Lösung für die nächsten zwei Jahre? Wäre es besser, den Markt wieder etwas mehr in die Stadt zu bringen und ihm auf dem König-Wilhelm-Platz einen zentraleren Standort zuzuweisen? „Das ist eine unheimlich schwierige und komplexe Sache, in die ganz unterschiedliche Interessenslagen hineinspielen“, sagt Bürgermeister Jan Trost.

Um eine Entscheidungsgrundlage für Stadtverwaltung und Gemeinderat zu schaffen, laufen derzeit verschiedene Umfragen. So hat die Stadtverwaltung bereits ein Stimmungsbild bei den Marktbeschickern eingeholt, eine Umfrage bei den Einzelhändlern in der Innenstadt läuft nach einer erneuten Bitte um Teilnahme noch – „der erste Rücklauf war ziemlich dünn“, so der Rathauschef. Und noch bis einschließlich kommenden Mittwoch, 9. Februar, können sich die Marbacherinnen und Marbacher zum Thema äußern. Auf der Internetseite der Stadt ( www.schillerstadt-marbach.de) und im Rathaus gibt es einen Fragebogen. Die Bürger sollen unter anderem den Standort an der Stadionhalle bewerten, sie sollen die Frage beantworten, ob sie einen Marktbesuch mit einem Einkauf in der Innenstadt verknüpfen, erläutern, ob sich ihr Einkaufsverhalten seit der Verlegung des Wochenmarkts verändert hat. Und sie sollen ihre Einschätzung zu einem Umzug des Marktes auf den König-Wilhelm-Platz abgeben.

Bürger nehmen rege an Umfrage teil

Die Resonanz auf diese Beteiligungsform ist gut. Innerhalb der ersten zwei Wochen kamen laut Bürgermeister 130 Fragebögen ausgefüllt zurück. Nach ihrer Auswertung wird es ein Treffen von Marktbeschickern, Einzelhändlern, Verwaltung und Gemeinderat geben, „bei dem wir das Für und Wider einer Marktverlegung auf den König-Wilhelm-Platz diskutieren werden“, erläutert Jan Trost. Das Gespräch ist für Ende Februar terminiert, Anfang März soll der Gemeinderat eine abschließende Entscheidung treffen.

Dabei kristallisiert sich bereits heraus, dass die Marktbeschicker mit dem Standort an der Stadionhalle ganz zufrieden sind, weil er ausreichend Platz für die Stände, für Auf- und Abbau bietet, die Kunden direkt angrenzend parken können. Jan Trost räumt ein, dass es auf dem König-Wilhelm-Platz enger zuginge, die Uhlandstraße und der Pausenhof der Uhlandschule noch einbezogen werden müssten. Zudem fielen samstags dann sämtliche Parkplätze auf dem Areal weg.

Einzelhändler spüren, dass der Frequenzbringer Markt fehlt

Derweil hinterlässt die Verlegung des Marktes in der Herzkammer der Stadt deutliche Spuren, er fehlt den Geschäften und gastronomischen Betrieben als Frequenzbringer. „Im Herbst waren die Samstage noch wie immer, aber seit Januar gehen Umsatz und Kundenfrequenz zurück“, beobachtet Markus Schneider, der mit seiner Buchhandlung „Taube“ Anlieger der Marktstraße ist. Und: „Die Stimmung ist anders, das Flair, das ein Markt verbreitet, fehlt.“ Ob eine Verlegung auf den König-Wilhelm-Platz der Innenstadt nutzt, vermag er nicht einzuschätzen. „Sicher wäre der Weg in die Stadt dann nur halb so lang, andererseits kommt der Platz an der Stadionhalle den Marktbeschickern entgegen. Und denen sollte man das Leben nicht noch schwerer machen.“

Volker Bury, der mit „Marktdreizehn“ eine Mischung aus Bistro und Laden betreibt, spricht von einem „deutlich verschlechterten Samstag mit weniger Umsatz“. Kunden, die früher noch auf der Suche nach einem kleinen Mitbringsel oder einer Flasche Wein bei ihm hereinschauten, gebe es samstags kaum noch. „Man hört auch häufig, dass die Leute, die auf dem Markt waren, nicht noch eigens in die Stadt kommen.“

Den König-Wilhelm-Platz hält er nicht für ideal, das sähen auch die Marktbeschicker so. Was Bury ärgert, ist der Umstand, dass der Markt bereits im Oktober verlegt wurde, obwohl die der Sanierung vorgeschalteten Tiefbauarbeiten bislang nur den Bereich oberhalb des Rathauses betreffen. Sein Fazit ist schon jetzt ernüchternd: „Die Interessen der Innenstadtgeschäfte und der Gastronomie werden mit Füßen getreten.“