Logo

Fridays for Future

Sanktionen für streikende Schüler

Wie gehen Schulen damit um, wenn Jugendliche schwänzen, um an einer Demonstration für mehr Klimagerechtigkeit teilzunehmen? Bei einer Umfrage an Schulen im Landkreis ist zwar eine einheitliche Linie erkennbar, es gibt jedoch Unterschiede: Es liegt nämlich im Ermessen der Schulleitungen, wie sie mit streikenden Schülern umgehen.

Schüler gehen in Stuttgart für den Klimaschutz auf die Straße. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Schüler gehen in Stuttgart für den Klimaschutz auf die Straße. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Kreis Ludwigsburg. „Wir sehen das Anliegen der Schüler positiv und finden es begrüßenswert. Aber es wäre authentischer, wenn der Protest in der unterrichtsfreien Zeit stattfinden würde“, sagt Christof Martin, Leiter des Friedrich-Schiller-Gymnasiums in Marbach. Als „verschwindend gering“ bezeichnet er die Zahl der Schüler, in erster Linie aus der Oberstufe, die sich bisher einer der Demos im Rahmen der weltweiten Bewegung Fridays für Future angeschlossen hätten. Wer unentschuldigt gefehlt hat, wird zu einem späteren Zeitpunkt in die Schule einbestellt, um den versäumten Unterrichtsstoff nachzuholen. „Wir haben das schon praktiziert“, so Christof Martin. In der nächsten Woche finde nachmittags erneut ein solcher Termin zum Nachsitzen statt.

Mit einem Brief an die Eltern hat Christoph Mühlthaler, Schulleiter des Ernst-Sigle-Gymnasiums in Kornwestheim, auf die Ankündigung von Schülern reagiert, dass sie an einer der Freitagsdemos teilnehmen wollen. „Wir unterstützen politisches Engagement und finden es toll. Es sollte aber nicht während der Unterrichtszeit stattfinden“, schlägt er in die gleiche Kerbe wie sein Kollege aus Marbach. Und das habe er den Schülern und Eltern entsprechend vermittelt, offenbar mit Erfolg. Denn bisher hat kein Schüler wegen einer Demo gefehlt. Ansonsten verfährt man hier wie an anderen Schulen: Wer wegen der Teilnahme an der Demo nicht am Unterricht teilnehmen kann, erhält einen Eintrag wegen unentschuldigten Fehlens. Wird eine Klausur oder ein Test versäumt, gibt es ein Ungenügend. Mühlthaler betont, dass man der Vorgabe aus dem Kultusministerium entsprechend die Schüler gerne dabei unterstütze, Projekte und Aktionen rund um den Klima- und Umweltschutz auf die Beine zu stellen oder sich in der örtlichen Jugendarbeit zu engagieren. Er macht aber auch auf einen wichtigen Aspekt, nämlich den der politischen Neu-tralität einer Schule, aufmerksam: „Was wäre, wenn Schüler auf eine Pegida-Demonstration gehen würden?“

Sie habe zwar Verständnis für den Protest der Schule, andererseits gebe es keinen fachlichen Grund dafür, dass sie dem Unterricht fern bleiben, so Antonia Bott, Leiterin des Lise-Meitner-Gymnasiums in Remseck. Die Schüler erhalten nicht nur einen Eintrag wegen unentschuldigten Fehlens. Strafen sind nicht ausgeschlossen: „Entscheidungen über Sanktionen wegen unentschuldigten Fehlens trifft die Schulleitung in Absprache mit dem Klassenlehrer oder dem Tutor“, so die Rektorin. Das sei bisher aber noch nicht der Fall gewesen. Ohnehin handele es sich nur um einzelne Schüler, die bisher unentschuldigt gefehlt hätten, weil sie an einer Demonstration teilgenommen haben.

Einen kreativen Weg hat die Oscar-Paret-Schule in Freiberg beschritten, die mehrere Schulformen mit insgesamt 1500 Schülern unter ihrem Dach vereint. Dort hat eine Schülergruppe an einer Fridays-for-Future-Demo teilgenommen, und zwar als außerschulische Veranstaltung. Die Oberstufenschüler hatten sich im Rahmen des Gemeinschaftskundeunterrichts mit diesem Thema beschäftigt, so Schulleiter René Coels. Die Teilnahme an der Kundgebung war als Projekt im Unterricht vor- und nachbereitet worden. Dabei seien durchaus auch kritische Aspekte angesprochen worden. „Das Thema poppte auf, und wir haben es offensiv angegangen“, so Coels. Offenbar mit Erfolg: „Bisher hat wegen der Demo noch niemand unentschuldigt gefehlt“, betonte er. Sollte es trotzdem in Zukunft einmal der Fall sein, wolle die Schule versuchen, mit dem Schüler ins Gespräch zu kommen. „Ich persönlich finde es gut und wichtig, sich zu engagieren“, macht René Coels deutlich. Seiner Meinung nach gibt es jedoch viele andere Ventile, mit denen Schüler ihrer Unzufriedenheit und Zukunftsangst Luft machen können. Er verweist er auf mögliche Nachhaltigkeitsprojekte und auf einen erfolgreichen Aktionstag zum Thema Vermüllung im Vorjahr. „Wir wollen die Energie der Jugendlichen umleiten“, beschreibt er die Strategie seiner Schule.

Autor: