Logo

Schöner wohnen unter altem Fachwerk im Ortskern

Spaziergang zu Sanierungsprojekten beim Tag der Städtebauförderung – Drei Etappen sollen Straßendorf zur modernen Wohngemeinde machen

Vier Stationen hatte der Spaziergang durch den Ort.Foto: Ramona Theiss
Vier Stationen hatte der Spaziergang durch den Ort. Foto: Ramona Theiss

Murr. Die angebauten Balkone machen die Wohnqualität eines sanierten Altbaus aus, das alte Pfarrhaus ist jetzt eine Baustelle, hier sollen schicke Wohnungen entstehen, und eine junge Familie will ein Fachwerkhaus aus dem 17. Jahrhundert in der Kirchgasse denkmalgerecht umbauen. Drei aktuelle Projekte der Ortskernsanierung.

Im Rahmen des Tages der Städtebauförderung bot die Gemeinde einen Spaziergang durch den Ortskern mit vier Stationen an, um zu zeigen, was mit öffentlicher finanzieller Förderung möglich ist und wie sie den Ort zum Positiven verändert. Das Angebot stieß auf großes Interesse, zumal es auch möglich war, hinter die Kulissen zu schauen.

Bürgermeister Torsten Bartzsch skizzierte dabei im Vorfeld im Rathaus auch die drei Etappen der 1984 gestarteten Ortskernsanierung, die das Ziel hat, aus dem langgestreckten Straßendorf eine moderne Wohngemeinde unter Wahrung des historischen Erbes zu machen. Von 1984 bis 1998 standen dabei in der ersten Etappe vor allem Neubauten mit Bürger- und Rathaus samt Vorplatz sowie der Schaffung von immerhin 88 modernen Wohneinheiten im Fokus.

Die Sanierung Ortskern II von 2002 bis 2012 betraf vor allem die Ortsdurchfahrt sowie Einzelprojekte. Immerhin 26 Wohneinheiten wurden neu geschaffen. Bei der 2014 begonnenen und bis 2023 laufenden Sanierung Ortskern III wurden bis dato 21 neue Wohneinheiten geschaffen, über 50 sollen es nach Abschluss der Sanierung sein. Den Schwerpunkt bilden jetzt laut Bartzsch Kulturdenkmale, die mit Zuschüssen von Land und Gemeinde einer zeitgemäßen Nutzung zugeführt werden sollen, wobei das alte Flair erhalten bleibt.

Und da zeigt sich, dass es ohne Balkon nicht mehr geht. Beispielsweise in der Hindenburgstraße 48, wo das bestehende Wohngebäude umgebaut und erweitert wurde, so dass fünf neue Einheiten entstanden sind. Der große Balkonanbau verbessert die Wohnqualität. Spannend war der Blick ins alte Pfarrhaus in der Hindenburgstraße 38, wo die Sanierung derzeit läuft und der Innenbereich eine Baustelle ist. Auf 500 Quadratmeter Sanierungsfläche entstehen drei neue Wohnungen und zwei Gewerbeeinheiten. Nordöstlich sind fünf Carports mit begrüntem Dach vorgesehen und auf der nordwestlich angrenzenden Garage werden neue Balkone erstellt. Schöner wohnen in alten Häusern lautet das Motto. Das trifft auch auf das gegenüber gelegene Gebäude zu, wo ebenfalls die Sanierung läuft.

Der Denkmalschutz hat dabei auch ein Auge auf die verwendeten Sanierungsmaterialien wie Dämmstoffe, Farben und Putz. Fenster mit Kunststoffrahmen sind nicht erlaubt und der Steinboden im alten Pfarrhaus bleibt erhalten, er wird lediglich auf Vordermann gebracht.

Eine echte Herausforderung ist das alte Fachwerkhaus aus dem 17. Jahrhundert in der Kirchgasse 12. Wie der Bürgermeister informierte, fand im Vorfeld des Verkaufs durch die Gemeinde ein Bieterverfahren statt. Die Interessierten mussten ein Konzept für die denkmalgerechte Sanierung vorlegen, den Zuschlag erhielt ein Bauphysiker mit Familie. Das Gebäude ist derzeit verhüllt, das Gebälk freigelegt und man kann ahnen, wie schick das neue Wohnen auf 160 Quadratmeter mit luftiger Galerie mal wird. Doch manche Balken sind morsch, sie müssen ersetzt werden. Auf den Bauherrn wartet viel Arbeit. Der Lohn dafür: idyllisches Wohnen mit Garten und Blick auf die altehrwürdige Peterskirche.

Eine weitere Station war die 1577 errichtete Zehntscheuer in der Mühlgasse. Hier arbeitet der Murrer Architekt Peter Ludwig seit 2015 daran, dieses historische Gebäude zu Wohnzwecken umzubauen. Ihm ist es dabei wichtig, so viele Teile wie möglich zu erhalten. Mehr als 4000 Arbeitsstunden hat er bislang investiert.

Autor: